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Kochen mit . . . FDP-Kandidatin Sylvia Braun

Bruchköbel

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    Seit' an Seit' in der Küche: Die Zutaten hat Sylvia Braun (links) morgens auf dem Wochenmarkt gekauft. HA-Redakteurin Yvonne Backhaus-Arnold darf Zucchini schnippeln. Foto: Axel Häsler

Bruchköbel. Sieben Kandidaten - Sieben Hausbesuche. Um die Bürgermeisterkandidaten aus Bruchköbel einmal von einer anderen Seite kennenzulernen, haben wir ihnen einen Besuch zu Hause abgestattet, um mit ihnen gemeinsamen zu kochen und zu plaudern ein. In Teil 2 kommt FDP-Kandidatin Sylvia Brauch zum Zug.

Artikel vom 10. Oktober 2019 - 10:29

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Von Yvonne Backhaus-Arnold

Als Sylvia Braun vor einigen Wochen mit ihrer Familie in Klausur ging, um zu entscheiden, ob sie nun ins Rennen gehen würde oder eben nicht, da erklärte ihr jüngster Sohn am Ende frei heraus: „Mama, mach das. Das wäre einfach mal was Besseres für Bruchköbel.“ Und weil auch Brauns Mann und ihr älterer Sohn zustimmten, war die Entscheidung gefallen. Die FDP-Frau kandidiert als Siebte im Bruchköbeler Kandidatenkarussell.

Heute also kochen. Es ist Freitagabend. Die Braun-Männer sind aus dem Haus – Geburtstag und Fußball-Training. „Kommen Sie rein“, sagt die 47-Jährige. Ihr Händedruck ist fest, der Blick offen. Das Haus im Stadtteil Roßdorf ist innen das, was man gemütlich nennen würde. Küche, Wohn-Ess-Bereich, ein großer Holztisch. Auf der Terrasse steht der Grill. Die Zutaten zum gemeinsamen Kochen stehen schon bereit. Italienisches Ofengemüse soll es geben und ein „Bürgermeisterstück“. Natürlich vom Grill!

Keine Anfängerin am Grill

Braun holt es für besondere Anlässe bei Metzger Eidmann. „Dieses Stück vom Rind ist besonders mager. Es wurde früher für den Bürgermeister aufgehoben und wird deswegen entweder Bürgermeister- oder Pastorenstück genannt“, erklärt Braun. Sie hat sich heute extra Urlaub genommen, um das Fleisch mit Ingwer, Knoblauch, Chili und Olivenöl einzulegen und die restlichen Zutaten zu besorgen – vom Markt natürlich.

Und so schnippeln der Gast und die Kandidatin Seit’ an Seit’ Zucchini, Paprika und Kartoffeln. Zwiebeln? „Das hab ich schon erledigt“, sagt Sylvia Braun und grinst, „bei mir soll doch niemand weinen.“ In einer großen grünen Schüssel wird alles verarbeitet. Knoblauch, Salz, Pfeffer, Olivenöl, Rosmarin. Dann geht’s mit ein paar geviertelten Zitronen ab aufs Backblech. Und das Fleisch kommt auf den Grill. Die Handgriffe sitzen. Sylvia Braun scheint keine Anfängerin am Grill zu sein. „Wir braten das Fleisch erst scharf an“, erklärt sie, „dann lassen wir es noch mal 20 Minuten ziehen.“ 

Begeisterung Australien

Der Grill ist bei den Brauns sommers wie winters in Betrieb – häufiger als der Herd. Dass das so ist, hat etwas mit der Leidenschaft der 47-Jährigen zu tun: Australien. Brauns Großonkel ist vor vielen Jahren ans andere Ende der Welt ausgewandert. Als er zu Besuch kam und von Down-under erzählte, war die Teenagerin direkt Feuer und Flamme. Mit Anfang 20 entdeckte sie das Land der Kängurus für sich, schwärmte von der Landschaft und den Leuten. Bilder von Sydney gibt es viele in der Wohnung. Und zum Probieren steht eine australische Spezialität mit Toast auf dem Tisch, deren Geschmack an einen zerdrückten Maggi-Würfel erinnert. 

Klar, dass man sich einen Australien-Urlaub als vierköpfige Familie nicht jedes Jahr leisten kann, zuletzt waren die Brauns 2018 da. „Als hier in den Sommerferien alle geschwitzt haben, hatten wir Winter und saßen im dicken Mantel da“, erzählt Braun und lacht. 

Seit 30 Jahren im Dienst

Das Grillen jedenfalls haben sie und ihr Mann in Australien kennen- und lieben gelernt. „Dort gibt es an jedem Strand einen Gasgrill. Das ist perfekt.“

Sylvia Braun ist in Gründau-Lieblos aufgewachsen und in Gelnhausen zur Schule gegangen. Mit ihrem Mann, einem gebürtigen Nidderauer, wurde sie in Hanau heimisch. Vor 13 Jahren, als sich Sohn Nummer zwei ankündigte, zogen sie nach Roßdorf. Beruflich hat Braun, deren Meditation das Laufen ist, einiges vorzuweisen. Als Polizistin hat sie ihren Dienst vor mehr als 30 Jahren in Hanau begonnen. Dass sie auf vielen Dienststellen die erste Frau in Uniform war, hat sie zur Kenntnis genommen, sich aber nie darauf ausgeruht.

„Learning by doing“ 

Zehn Jahre ist sie Streife gefahren. Hat Schichtdienst geschoben. War zwei Jahre bei der Autobahnpolizei in Darmstadt. „Manche denken, das ist wie bei 'Cobra 11', aber das ist leider nicht so“, sagt sie und lacht. Dank interner Förderung steuerte sie in den gehobenen Dienst, ging noch mal zurück auf die Schulbank. Heute ist die Diplom-Verwaltungswirtin eine Spezialistin auf dem Gebiet der digitalen Forensik, also der Beweissicherung auf Mobilgeräten wie Handys und Tablets. Etwa 500 landen so jedes Jahr auf ihrem Schreibtisch. Dann muss sie aussagen vor Gericht oder wird in aktuellen Lagen als Expertin hinzugezogen.

 



Sylvia Braun überzeugt am Grill. Foto: Axel Häsler

 

Die Abteilung hat Braun aufgebaut, sich das PC-Grundwissen per „learning by doing“ selbst draufgeschafft und seither immer wieder Fortbildungen besucht. Im Kommissariat Internetkriminalität arbeiten Kriminalisten und Informatiker Hand in Hand an Fällen, die zwischen Sterbfritz und Langen spielen.

Engagement, um etwas zu erreichen

Ihren Chef hat Braun übrigens genauso in ihre politischen Ambitionen eingeweiht wie den Polizeipräsidenten. „Beide wären natürlich sehr traurig, wenn ich gehen würde, aber sie unterstützen meine Kandidatur“, sagt die 47-Jährige, die ihr Wissen auch als Dozentin an der Hessischen Polizeischule in Wiesbaden weitergibt.

Und die Politik? Zu der kam Braun ganz klassisch über die Arbeit im Elternbeirat, erst im Kindergarten, später in der Schule. „Ich habe schnell gemerkt, dass ich mich politisch engagieren muss, um etwas zu erreichen“, erinnert sich Braun. „Da saßen aber nur alte Männer im Parlament, denen Kinderbetreuung herzlich egal war.“ 

„Die Kinder waren damals noch zu klein.“

Dass die FDP in Hessen sich nach der Landtagswahl und dem Debakel um Andrea Ypsilanti nicht klein kriegen ließ, begeisterte Braun. Sie trat in die Partei ein. Seit 2011 ist sie im Parlament, wurde ein Jahr später Fraktionsvorsitzende. Bei der letzten Bürgermeisterwahl spielte sie auch mit dem Gedanken anzutreten – aber nur kurz. „Die Kinder waren damals noch zu klein.“

2019 ist das anders. Und auch die politische Stimmung in der Stadt hat sich geändert. Weggefährten loben Brauns unaufgeregten und sachlichen Stil, ihre konstruktiven Ansätze. „Keiner hat Mehrheiten, also muss man mit Sacharbeit überzeugen“, sagt sie. „Die sachliche Art, die ich durch meinen Beruf gelernt habe, ist auch die Art, wie ich Politik mache.“ Bruchköbel-App, Kreisel-Verschönerung, die AG Jugend, die wieder ins Leben gerufen wurde – die FDP holte sich dafür Mehrheiten im Parlament.

„Das darf nicht schiefgehen.“

Warum sie Bürgermeisterin werden will? „Weil wir viele gute Ideen und Konzepte haben und auch Mehrheiten dafür, aber es in Bruchköbel an der Umsetzung hapert.“ Streitereien und persönliche Profilierung sind Braun fremd: „Das ist nicht gut für Bruchköbel, und um Bruchköbel geht es doch.“ Dass sie überzeugt mit ihrer Art, spiegelt sich auch darin wider, dass nicht nur die CDU, sondern kürzlich auch die SPD eine „Überläuferin“ zur FDP verschmerzen musste.
 



Es ist angerichtet. Foto: Yvonne Backhaus-Arnold


Den Innenstadtumbau will Braun zur „Chefsache“ machen („Das war er bis jetzt nicht“), vor allem die Kosten überwachen. „Das darf nicht schiefgehen. Sonst ist kein Geld mehr für andere Projekte da.“ Mit großen Wahlversprechungen hält sie sich zurück („Ist nicht meine Art.“). Über den Tellerrand will sie blicken, die Verwaltung moderner gestalten, betreutes Wohnen nach Bruchköbel holen. 

Eine knappe Kiste

Die Zeit ist längst um, das Fleisch fertig, das Gemüse auch. Und pünktlich zum Tischdecken kommt Brauns ältester Sohn vom Fußballtraining zurück. Der hat mächtig Kohldampf und lauscht interessiert. Wie es ausgeht am 27. Oktober? „Das wird 'ne knappe Kiste“, ist sich Sylvia Braun sicher.

 

Rezept: Bürgermeisterstück mit  italienischem Ofengemüse
Zutaten (4–6 Personen):

1 kg Bürgermeisterstück

Würzpaste:
• 3 EL Olivenöl
• 2 EL fein gehackter Ingwer
• 2 Vollrohrzucker
• 2 TL grobes Meersalz
• 2 Knoblauchzehen (zerdrückt)
• 1 TL Chilipulver
Alle Zutaten für die Würzpaste vermischen. Das Bürgermeisterstück gleichmäßig damit bestreichen und für vier Stunden in den Kühlschrank legen, ungefähr eine Stunde vor dem Grillen aus dem Kühlschrank holen und Zimmertemperatur annehmen lassen. Den Grill für direkte und indirekte mittlere Hitze (175–230 Grad) vorbereiten. Den Braten über direkter mittlerer Hitze 4–5 Minuten von jeder Seite grillen, bis auf beiden Seiten das typische Grillmuster zu sehen ist.

Dann das Fleisch langsam über indirekter Hitze weiter grillen bis zum gewünschten Gargrad, dabei das Bürgermeisterstück etwa alle 5 Minuten wenden. Nach ungefähr 15 bis 20 Minuten hat es eine Kerntemperatur von 50 Grad, dann vom Grill nehmen und in Alufolie noch fünf Minuten weiter garen lassen bis auf 55 Grad. Zum Servieren quer zur Faser aufschneiden und mit frisch geriebenem Meerrettich servieren. 
 
Italienisches Ofengemüse

2 Zucchini
2 Paprika rot
2 Paprika gelb
6 Kartoffeln (festkochend)
1 Gemüsezwiebel
1 Zweig Rosmarin gehackt
1 Zitrone (unbehandelt)
3 EL Olivenöl
Pfeffer, Salz
Gemüse in mundgerechte Stücke schneiden, mit dem Olivenöl und den Gewürzen vermischen und auf ein tiefes Backblech geben. Die Zitrone achteln und im Gemüse verteilen. Bei 180 Grad im Ofen für etwa 25 bis 30 Minuten garen. Vor dem Servieren die Zitronenschalen entfernen.
 
So hat es geschmeckt:

Das Bürgermeisterstück vom Grill ist einfach nur saftig und zart und mega-lecker und das Ofengemüse verdient das Prädikat „Nachmachen unbedingt empfehlenswert!“.


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