Lesezeichen hinzufügen hanauer.de als Startseite
Regen
8 ° C - Regen
» mehr Wetter

Kochen mit . . . BBB-Bürgermeisterkandidat Patrick Baier

Bruchköbel

  • img
    Findet Kochen entspannend: Bürgermeisterkandidat Patrick Baier mit HA-Redakteurin Monica Bielesch. Foto: Mike Bender

Bruchköbel. Sieben Kandidaten - Sieben Hausbesuche. Um die Bürgermeisterkandidaten aus Bruchköbel einmal von einer anderen Seite kennenzulernen, haben wir ihnen einen Besuch zu Hause abgestattet, um mit ihnen gemeinsamen zu kochen und zu plaudern ein. Den Anfang macht Patrick Baier vom BBB. 

Artikel vom 09. Oktober 2019 - 10:51

Anzeige

Von Monica Bielesch

Es ist einer der ersten kühlen Tage, mit viel Regen und Wind, an denen einem von morgens bis abends nicht so richtig warm wird. Patrick Baier rettet diesen Tag, denn bei dem Termin in seiner Wohnung in Roßdorf kochen wir zusammen herrlich wärmende Kartoffelsuppe. „Es ist ein abgewandeltes Rezept von meiner Oma“, erzählt der 35-jährige Bürgermeister-Kandidat des Bruchköbeler Bürgerbundes (BBB). Außerdem gibt es noch Tomaten-Mozzarella-Salat und als Dessert eine Quarkspeise mit einer bunten Beerenmischung.

In der kleinen Küche der Wohnung, die Patrick Baier zusammen mit seinem Mann Frank und drei Katzen bewohnt, ist alles schon akkurat vorbereitet. Ein Kilo Kartoffeln liegt fein säuberlich aufgereiht zum Schälen bereit, das Suppengemüse ebenso. Sie kochen viel zusammen, erzählt Baier, besonders am Wochenende, wenn Zeit ist. Am liebsten Hausmannskost wie Gulasch, Frikassee, Schweine- oder Hackbraten. „Kochen ist für mich Entspannung, weil man da gut miteinander reden kann“, sagt der Kandidat und schiebt fast entschuldigend hinterher: „Nur Backen ist nicht so meins.“

 „Nur immer meckern bringt nichts“

Patrick Baier ist kein lauter Selbstdarsteller, aber nach ein paar Stunden mit ihm weiß man, wer ihn zum Freund hat, kann sich immer auf ihn verlassen. Genauso akribisch, wie er das Gemüse für die Suppe zerkleinert, geht er viele Dinge im Leben an. So hat er zwar eine Lehre als Gärtner absolviert, jedoch weil sein Vater verstarb, als er erst 19 Jahre alt war und er im Gärtnerberuf keine gesicherte finanzielle Zukunft für sich sah, sattelte er komplett um. Eigentlich wollte er nach der Gärtnerlehre noch die Meisterschule machen.

 

Aber: „Ich habe damals zehn Jahre in die Zukunft gedacht“, erzählt er. So absolvierte er stattdessen eine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten bei der Stadt Bad Vilbel, wo er im Anschluss im Bauamt tätig war. Ungefähr zur selben Zeit trat er den Jusos bei, der Jugendorganisation der SPD. „Nur immer meckern bringt nichts, man muss selbst etwas tun, um etwas in der Gesellschaft zu bewegen“, beschreibt er beim Kartoffelschälen seine Beweggründe, sich politisch zu engagieren – sie gelten heute noch genauso wie damals. Weil er damals noch in Schöneck wohnte, half er 2006/2007 beim Bürgermeisterwahlkampf des damaligen SPD-Kandidaten Ludger Stüve mit.

„Der BBB, das sind nicht die Nörgler, als die wir verschrien sind“

„Dabei konnte ich wichtige Erfahrungen sammeln, die mir jetzt bei meinem Wahlkampf helfen“, meint er. Seit zehn Jahren wohnt Patrick Baier wieder in Bruchköbel, wo er aufwuchs und wo er die Heinrich-Böll-Schule besuchte. Seine Mutter wohnt ein paar Straßen weiter, ebenso seine Tante und der Onkel. „Familie“, sagt Patrick Baier und schaut vom Schälen der halben Sellerieknolle hoch, „Familie ist mir sehr wichtig.“ Der Zusammenhalt gibt ihm die nötige Erdung.

 

Rezept: Kartoffelsuppe 

Zutaten:

1 Kilo Kartoffeln
Suppengemüse
100 Gramm süße Sahne
1 Liter Gemüsebrühe
Muskat, Salz, Pfeffer
Kartoffeln stückeln, aufsetzen und pürieren. Das restliche Gemüse kleinschneiden und den Kartoffeln hinzufügen. Unter ständigem Rühren kochen lassen. Abschließend Sahne hinzufügen und abschmecken.
So hat es geschmeckt:
Leckere Hausmannskost, passend für einen kalten Herbsttag. Der Mozzarellasalat gibt die frische Note. Und der Beeren-Quark ist einfach gemacht und schmackhaft.

 

Mit seiner Familie hat er auch seine Kandidatur besprochen. Und auch in diesem Fall wollte Patrick Baier Verantwortung übernehmen, obwohl er sich nicht selbst in den Vordergrund gedrängt hat, sondern gefragt wurde, ob er kandidieren würde. „Der BBB, das sind nicht die Nörgler, als die wir verschrien sind,“ wollte er zeigen. „Es kann nicht mehr so weitergehen in der Stadt, darum trete ich für das Amt des Bürgermeisters an.“

Baier kümmerte sich um seine pflegebedürftige Großmutter

Ein besonderer Tiefpunkt sei die Aufdeckung des ÖPNV-Skandals in Bruchköbel gewesen, bei dem Noch-Bürgermeister Günter Maibach überführt worden sei, unrechtmäßig Verträge im Namen der Stadt unterschrieben zu haben. „Es war für mich erschreckend, dass ein Bürgermeister so etwas macht.“ Patrick Baier traut sich zu, es besser zu machen. Insbesondere will der Finanzexperte, der heute als Diplom-Verwaltungswirt beim Wetteraukreis im Controlling an zentraler Stelle tätig ist, die wirtschaftliche Situation Bruchköbels besser im Blick haben. „Mit soliden Finanzen macht man sich nicht nur Freunde, aber damit muss man leben, das kenne ich von meinem Job.“ 

Mittlerweile werden die Möhren und der Lauch kleingeschnitten, alles landet im großen Topf bei den Kartoffeln. Dann muss alles eine Weile lang kochen. Zeit für weitere Rückblenden. Kurz nachdem Patrick Baier vor zehn Jahren eine große Wohnung in Roßdorf bezogen hatte, wurde seine Oma pflegebedürftig. Patrick Baier zögerte nicht und nahm seine Oma zu sich, um sie zu pflegen, denn sie wollte nicht in ein Pflegeheim. Fünf Jahre lang kümmerte er sich gemeinsam mit dem Rest der Familie um sie, danach lebte sie noch einige Jahre bei seiner Tante, bevor sie erst vor ein paar Wochen verstarb. 

Ältere Menschen hätten oft keine Lobby

Dass dieser Trauerfall ausgerechnet in die Zeit seines Wahlkampfs gefallen ist, hängt Patrick Baier nicht an die große Glocke. Auch nicht, dass er weiter arbeiten geht, trotz der vielen Wahlkampftermine. Er macht nicht viel Aufhebens um die Dinge, die er tut, er tut sie einfach. So ist er seit knapp neun Jahren bei der Arbeiterwohlfahrt. „Rita Hoffmann hat mich damals gefragt, ob ich da mitmachen will.“ Er war zuerst Kassenprüfer, dann Beisitzer, jetzt stellvertretender Vorsitzender. „Ältere Menschen haben oft keine Lobby, es macht mir einfach Freude, wenn ich ihnen etwas Gutes tun kann.“

 



BBB-Kandidat Patrick Baier beim Kochen im Gespräch mit unserer Redakteurin Monica Bielesch. Foto: Mike Bender

 

Freude hat er auch an Reisen in den Bayrischen Wald oder an die Mosel. „Wir wandern und fahren gerne Fahrrad.“ Ihn faszinieren die vielen Burgen an der Mosel und ihre Geschichten. Überhaupt Geschichte: Seit zehn Jahren ist er auch Mitglied im Geschichtsverein Bruchköbel, hat früher ehrenamtlich Schulklassen durch das Alte Rathaus geführt. „Schon als Jugendlicher hat mich interessiert, wie der Alltag der Menschen früher gewesen sein muss.“ Und weil er an Bruchköbel besonders das vielfältige Vereinswesen schätzt, ist er auch noch bei der Freiwilligen Feuerwehr Roßdorf. „Ich war früher auch in der Jugendfeuerwehr.“ Überhaupt lebt er gerne in Bruchköbel, mag den ländlichen Charakter, aber auch die kurzen Wege nach Frankfurt und Hanau. 

Kosten müssten im Auge gehalten werden

Auch er rechnet mit einer Stichwahl, die er gerne erreichen möchte. „Bisher wurde in Bruchköbel nur vor sich her gewurschtelt“, meint er. Es fehle ein ganzheitliches Konzept für die Entwicklung der Stadt in den nächsten Jahren. Und auch Entscheidungen, die er zwar nicht befürwortet hat, wie das in seinen Augen überdimensionierte Rathaus, könne er als Bürgermeister mit seinem Fachwissen zum Besseren wenden. „Die Kosten dürfen nicht aus dem Ruder laufen, das wäre für unsere Stadt der Ruin.“ Genauso akribisch, wie er als Vorsitzender des Untersuchungsausschusses in der ÖPNV-Affäre gearbeitet hat, will er auch als Bürgermeister arbeiten. 

Mittlerweile ist die Kartoffelsuppe schön sämig, der Salat angerichtet und der Quark mit den Beeren zieht noch im Kühlschrank. Die Suppe schmeckt nicht nur kartoffelig, sondern auch nach dem frischen Gemüse, das verarbeitet wurde. Gute ehrliche Hausmannskost. Zeit für die letzten Fragen. Was macht er am Wahltag, den 27. Oktober? Morgens als erstes Wählen gehen. „Dann mit der ganzen Familie zu Mittag essen, wie immer am Wochenende. Und abends dann ins Bürgerhaus.“



Kommentare

Noch keine Kommentare vorhanden.