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Am Wahlstand: Freier Kandidat Dietmar Hußing im Gespräch

Bruchköbel

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    Dietmar Hußing (links) lud vergangene Woche zu einem Gespräch ins Hotel "Zum Schwanen" nach Roßdorf ein. Dort versammelte der Kandidat etwa 15 Bürger um sich. Foto: Holger Weber

Bruchköbel. Eigentlich sollte es ein Gespräch im Biergarten werden. Doch im Schatten ist es zu frisch an diesem Septemberabend, weshalb Dietmar Hußing kurzerhand in den Gastraum des Hotels und Restaurants „Zum Schwanen“ bittet. Der Kandidat befindet sich also in Roßdorf.

Artikel vom 23. September 2019 - 10:58

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Von Holger Weber
Etwa 15 Bürger sind gekommen, darunter auch alte Bekannte Hußings. Einer, mit dem Hußing bereits in jungen Jahren vier Wochen durch die Türkei gereist ist, sowie ein weiterer Parlamentskollege aus alten Hanauer Zeiten. Er sei hier, um ihn zu unterstützen, weil er es gut finde, was Hußing in Bruchköbel so mache und dass er antrete, sagt der Sozialdemokrat Mehmed Kuscu.

"Aus Liebe zu Bruchköbel"

Hußing begrüßt die bekannten Gesichter mit einer herzlichen Umarmung, dann bittet er zu Tisch. Die erste Runde gehe auf ihn, und wenn es bei der eher kleinen Zahl von Besuchern bleibe, ja, dann übernehme er gegebenenfalls auch die weiteren, sagt er und lacht. Auf dem Tisch stehen Zwiebelkuchen sowie Handkäs' mit Musik. 

Seine Tochter Lara, die in der zweiten Reihe sitzt, bietet sich als Moderatorin an, „weil der Dietmar auch gut Monologe halten kann und dann keiner zu Wort kommt“, sagt sie. Hußing lacht zustimmend. Die erste Frage des Abends stellt der Kandidat – und zwar sich selbst: „Warum kandidiere ich eigentlich?“ „Aus Liebe zu Bruchköbel“, gibt er dem Auditorium gleich die Antwort.

Und weil er das tun möchte, was er in seinem Job in der Verwaltung von Bruchköbel immer gemacht habe und gut könne: „Zuhören und bewegen“. Das ist auch der Slogan seiner Wahlkampagne, mit der Hußing derzeit auf Tour in der Kernstadt und in den Stadtteilen ist. Auch könne er sich gut in einer moderierenden Rolle wiederfinden. Er traue sich zu, die zerstrittene Bruchköbeler Politik wieder zu einen. ​

Keine leeren Versprechungen

Hußing berichtet, dass seine politische Heimat in Hanau war, wo er lange Jahre den Fraktionssitz in der CDU innehatte. Und dass er wegen der gebotenen Neutralität als Verwaltungsangestellter in Bruchköbel nie in der Partei in Erscheinung getreten sei. Er gibt eine kurzen Abriss seines beruflichen Werdegangs, dass er seine Karriere als einer der ersten männlichen Krankenpfleger im Kreis begonnen habe und in der Verwaltung von Bruchköbel viele koordinative Aufgaben übernommen habe, zuletzt in der Betreuung von Flüchtlingen. 

Auf den Hinweis, dass er jetzt 60 sei, reagiert einer der Anwesenden überrascht: „Oh, wirklich?“ Hußing fühlt sich geschmeichelt. „Das sind die Gene meiner Großeltern“, entgegnet der Mann mit dichten, wenn auch schon leicht ergrauten Haar. Seine Ärztin habe gesagt, dass er noch mindestens drei Legislaturperioden Bürgermeister von Bruchköbel bleiben könne. Dass er Humor hat, wie er selbst sagt, dass lässt der Kandidat an diesem Abend gleich mehrmals durchblicken. Aber Spaß beiseite, fügt er hinzu: „Ich habe wirklich vor, zwei Amtsperioden im Rathaus zu sein.“

Die Bürger löchern ihn mit Fragen. Beispielsweise, wie er die Innenstadt beleben möchte, was er für Senioren tun kann und wie er in der Stadt für weicheres Wasser sorgen will. Bei Letzterem gibt sich der Kandidat vorsichtig. Nur nichts versprechen, was er später nicht halten kann, scheint hier sein Credo zu sein. Es gebe Ideen, durch Beimischung einen niedrigeren Härtegrad zu erreichen. Doch dies sei aufwändig und teuer. Das mit dem Wasser sei eine komplexe Sache, die man sicherlich nicht von heute auf morgen lösen könne, weckt Hußing keine Erwartungen. 

Neue Wege in der Seniorenarbeit

In Sachen Innenstadt setzt er darauf, die Aufenthaltsqualität in der Stadt zu steigern: Da biete das neue Stadthaus viele Möglichkeiten. Auch solche Aktionen wie das Open-Air-Kino, das im August im Krebsbachpark veranstaltet wurde, seien sinnvoll, sagt Hußing. Er ist mit der Chefin des Bruchköbeler Stadtmarketings Andrea Weber verheiratet. In deren Büro sind solche Ideen entstanden. 

In der Seniorenarbeit müsse man neue Wege gehen, findet Hußing. Es dürfe nicht mehr sein, dass die Menschen aus Bruchköbel wegziehen müssen, um altersgerecht und auch betreut alt zu werden. Ursprünglich habe man geplant, in den Bindweisen altersgerechten Wohnraum zu schaffen. Doch daraus sei ja nichts geworden, äußert er deutlich Kritik an der städtischen Wohnungspolitik.

Ganz am Schluss dreht Hußing dann den Spieß noch einmal um. Jetzt wolle er mal was von den Anwesenden im Raum wissen, sagt er: „Ist für Sie eigentlich die Parteizugehörigkeit eines Kandidaten wichtig?“, fragt er in den Raum. Abwartendes Schweigen, einige schütteln zaghaft mit dem Kopf. Dann sagt eine Frau: Nein, eigentlich nicht. Eigentlich kommt es uns auf den Menschen an.“ Hußing lächelt. Er scheint zufrieden zu sein.

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