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Pfingstübung der Erlenseer Feuerwehr am Bruchköbeler Rathaus

Bruchköbel

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    Im Zuge der Übung ließ sich auch der Bürgermeister Günter Maibach von den Einsatzkräften retten. Foto: Bender

Bruchköbel/Erlensee. Die Erlenseer Feuerwehr hat ihre Pfingstübung am leerstehenden Bruchköbeler Rathaus absolviert. Auch Bürgermeister Günter Maibach war an der Aktion beteiligt.

Artikel vom 24. Mai 2018 - 13:11

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Von Holger Weber-Stoppacher

Um Punkt 19 Uhr schrillen die Sirenen der Stadt. Kurze Zeit später mischen sich auch Martinshörner in die stetig lauter werdende Geräuschkulisse. Zur gleichen Zeit wabern dicke Rauchschwaden aus dem ehemaligen Amtszimmer des Bürgermeisters. Auf dem Gehsteig gegenüber haben sich rund 100 Zuschauer versammelt. So war die Szenerie zu Beginn der großen Pfingstübung, die sämtliche Bruchköbeler Feuerwehren am Dienstag gemeinsam mit den Kollegen aus Langendiebach veranstaltet haben.

Übung als Tradition
Die gemeinsame Übung hat schon Tradition bei den Feuerwehren der beiden Nachbarkommunen. Doch die Tatsache, dass der Praxistest diesmal in einem geräumten Rathaus stattfindet, verleiht der ganzen Aktion schon etwas Besonderes. „Eine solche Übung wäre unter solchen Bedingungen früher nicht möglich gewesen“, erläutert Michael März, der Vereinsvorsitzende der Feuerwehr Bruchköbel, am Straßenrand. Zur gleichen Zeit rollen seine Kameraden, viele von ihnen mit Atemschutzmasken im Gesicht, die Schläuche in Richtung Haupteingang aus. Im Inneren stößt eine Nebelmaschine den Rauch aus, der aus den Fenstern und aus der Tür quillt. „Der Rauch wird durch eine Windmaschine nach draußen geblasen. In einem funktionstüchtigen Rathaus, wo alles voller Papier liegt, wäre dies unmöglich“, so März, der den Zuschauern per Mikrofon kurz zuvor die Ausgangslage erklärt hat. Im Rathaus habe es eine Explosion gegene, man gehe davon aus, dass sich noch rund 20 Menschen in dem Gebäude befinden, die nun von der Feuerwehr gerettet werden müssen. Am Einsatz sind knapp 60 Feuerwehrleute und zehn Sanitäter beteiligt, die am Rande der Hauptstraße eine Zone zur Erstversorgung absperren.

Nicht nur vorne wagen sich die ersten Retter durch die Rauchwand ins Innere des Rathauses. Am Hintereingang haben die Mitglieder der Roßdorfer Feuerwehr Position bezogen und die Tür geöffnet. Zwar trägt der vorderste eine Axt in der Hand. Doch die Türen sind nicht abgeschlossen. Selbst wenn das Rathaus zurückgebaut wird: Schaden soll bei der Übung nicht angerichtet werden.

Einsatzkräfte sind konzentriert
Die Stimmung bei den Einsatzkräften ist ernst. Es ist zwar nur eine Übung, aber in den Gesichtern spiegelt sich dies nicht wider. Keiner macht Scherze, keiner lacht. Jeder erfüllt konzentriert die Aufgabe, die ihm zuvor zugewiesen worden ist. Am Ende der Übung soll der Ablauf bei einer Manöverkritik im Feuerwehrgerätehaus in Bruchköbel analysiert werden, da will keiner für Fehler gescholten werden. Die Männer haben offenbar im Hinterkopf, dass im Ernstfall Fehler Menschenleben kosten können. „Nur wenn alle konzentriert sind, läuft der ganze Ablaufplan“, erklärt Kevin Mack, einer der Einsatzleiter der Bruchköbeler.

Aus dem ehemaligen Amtszimmer des Bürgermeisters dringen laute Hilferufe nach außen. Kurze Zeit später erscheint auf dem Balkon Günter Maibach, der mit den Armen rudert. Gelächter erzeugt der hemdsärmelige Verwaltungschef damit höchstens beim Publikum auf der anderen Straßenseite. Unter den Beobachtern sind auch Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung und des Magistrats. Die Wunde, die ihm vorher auf die Stirn gemalt wurde, sieht täuschend echt aus. Muss sie auch. Denn auch die Sanitäter werden ihre Behandlung später bei der Erstversorgung nach dem äußeren Erscheinungsbild des Verletzten ausrichten. Einsatzkräfte aus Erlensee bringen am Balkon des Bürgermeisters eine Leiter in Stellung. Dass Maibach nicht von den eigenen Leuten gerettet wird, sorgt im Publikum für wohl nicht so ganz ernstgemeinte Spekulationen. Der Verwaltungschef selbst wird den Umstand später so erklären: „Unser Rathaus ist ja interimsweise zurzeit in Erlensee, im Ernstfall würde ich auch von den Kameraden aus Erlensee gerettet“, so Maibach augenzwinkernd.

Nach etwa einer Stunde sind bereits alle Schläuche wieder eingerollt und das letzte von rund zehn Einsatzfahrzeugen abfahrbereit. Alle 20 Verletzten sind aus dem Inferno Rathaus gerettet worden.



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