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Kreisvorsitz: Leikert ohne Rückenwind vom Stadtverband Bruchköbel

Bruchköbel/Main-Kinzig-Kreis

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    Mehr in Berlin als zu Hause: Dr. Katja Leikert, hier bei einer Rede im Bundestag, muss um den Vorsitz in der Kreis-CDU kämpfen. Es gibt offenbar einen Gegenkandidaten beim Parteitag am 20. März. Archivfoto: Kalle Meyer

Bruchköbel/Main-Kinzig-Kreis. Katja Leikert startet ihre Kandidatur für den Vorsitz des CDU-Kreisverbandes Main-Kinzig ohne Rückenwind aus dem eigenen Stadtverband.

Artikel vom 12. Februar 2020 - 11:11

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Von Yvonne Backhaus-Arnold und Holger Weber

Bei der Vorstandssitzung am Montagabend in Bruchköbel verzichteten die Christdemokraten darauf, die Bundestagsabgeordnete offiziell und demonstrativ als ihre Kandidatin für die Wahl zur Kreisvorsitzenden vorzuschlagen. Mit dieser Erwartung war Leikert, die überraschend an der Sitzung teilnahm, offenbar gekommen.

Statt Blumen gab es dann nur einen nüchternen Vermerk im Protokoll, dass man ihre Absicht, wieder zu kandidieren, zur Kenntnis nehme. „Frau Leikert hatte ihre Kandidatur ja bereits gegenüber dem Hanauer Anzeiger angekündigt. Wir haben sie deshalb schon der Kreisgeschäftsstelle gemeldet. Am Montag sahen wir keinen Anlass mehr, sie noch einmal zu nominieren“, begründete die Bruchköbeler Stadtverbandsvorsitzende Karina Reul den unterkühlten Umgang mit der amtierenden Kreisvorsitzenden. Zudem sei die Tagesordnung auch so umfangreich genug gewesen.

Leikert will offenbar zur Versöhnung beitragen

Deutlicher lassen sich das Misstrauen auf der einen und der Wunsch nach Veränderung auf der anderen Seite kaum ausdrücken. Leikert spürt damit erstmals öffentlich deutlichen Gegenwind – ausgerechnet in ihrer Heimatstadt, in der die CDU durch die verlorene Bürgermeisterwahl in die Krise gerutscht ist. Viele sehen Leikert als Mitschuldige für die Spaltung, weil sie den Kandidaten Daniel Weber gegen den damaligen Stadtverbandsvorsitzenden und amtierenden Fraktionsvorsitzenden Thomas Sliwka in Stellung gebracht hatte.

Leikert will nun offenbar zur Versöhnung in Bruchköbel beitragen: „Ich habe Karina Reul nach ihrer Wahl zur neuen Stadtverbandsvorsitzenden Ende vergangenen Jahres meine Unterstützung zugesichert. Mein Angebot zum Dialog und zur Zusammenarbeit besteht nach wie vor, auch wenn es innerhalb des CDU-Stadtverbandes Bruchköbel bekanntlich unterschiedliche Strömungen gibt“, sagte sie auf Nachfrage.

Sie soll ihrer Verärgerung Luft gemacht haben

 Nach der Stichwahl in Langenselbold, bei der der CDU-Kandidat Tobias Dillmann sich seinem SPD-Kontrahenten Timo Greuel geschlagen geben musste, hatte die Parteivorsitzende im Interview mit unserer Zeitung erklärt, dass sie bei der Wahl am 20. März in Nidderau erneut als Kreisvorsitzende antreten werde. „Ich habe noch viel vor“, so Leikert im Gespräch, „meine Top-Themen bleiben der Ausbau der Kinderbetreuung sowie eine Verbesserung der Infrastruktur inklusive dem Bau der Nordmainischen S-Bahn, die für den Main-Kinzig-Kreis als Pendlerregion unerlässlich sind.“

Ihrer Verärgerung über die passive Haltung des eigenen Stadtverbandes soll sie, das sagen Beteiligte im Gespräch mit unserer Zeitung, im Nachgang der Versammlung am Montagabend Luft gemacht haben. Der Liebesentzug der eigenen Parteifreunde war allerdings zu erwarten. Zu groß waren in den vergangenen Wochen und Monaten die Irritationen, denn die Bundestagsabgeordnete suchte nach der Wahlniederlage in Bruchköbel in keinem Gremium die Aussprache. Auch in der Fraktion im Kreistag, in Runden der Großen Koalition und im Bildungsausschuss des Kreises, in den Leikert als Mitglied berufen ist, ist sie kaum bis nie anwesend. Interesse, mit und für die Basis zu arbeiten, sieht anders aus.

Delegiertenliste würde am Montag vorbereitet werden 

Während Leikert „ihr“ neues Format der „Kreiskonferenzen“ zuletzt auch im HA als Dialogmittel lobte, kritisieren Gegner, dass ein echter Dialog hier gar nicht gewünscht sei. Bei der letzten „Kreiskonferenz“ vor wenigen Tagen wollten Mitglieder über die Vorgänge in Thüringen sprechen, die Kreisvorsitzende habe daran jedoch keinerlei Interesse gehabt, heißt es.

Bis Dienstag konnten die Stadt- und Gemeindeverbände ihre Vorschläge für die Wahlen am 20. März einreichen. Am kommenden Montag tagt der geschäftsführende Kreisvorstand, um die Delegiertenlisten vorzubereiten. Danach trifft sich der Gesamtvorstand der CDU Main-Kinzig. Die Liste muss gemeinsam mit der formalen Einladung zum Kreisparteitag an die Mitglieder, die von ihren Stadt- und Gemeindeverbänden zum Parteitag entsandt werden, verschickt werden. 

Weitere Kandidaten für den Kreisvorsitz

Leikert gab sich trotz der Abfuhr am Montag optimistisch. „Ich freue mich sehr, dass bereits eine ganze Reihe von Stadt- und Gemeindeverbänden signalisiert haben, mich zu nominieren und meine Kandidatur zu unterstützen. Mir ist es wichtig, dass meine Bewerbung auf einem breiten Fundament steht und nicht nur von einem oder wenigen Verbänden mitgetragen wird“, sagte sie gegenüber unserer Zeitung.

Breite Unterstützung wird sie auch gebrauchen können, denn wie unsere Zeitung aus gut informierten Kreisen erfuhr, wird es einen weiteren Kandidaten für den Kreisvorsitz geben. Ein Name, der hier immer wieder genannt wird, ist Christian Litzinger. Der Fraktionsvorsitzende der CDU Gelnhausen ist Mitglied der Kreistagsfraktion und hat bei der Bürgermeisterwahl im Oktober 2017 19,1 Prozent für seine Partei geholt. In die Stichwahl kamen Daniel Christian Glöckner (FDP) und Kerstin Schüler (SPD). Am Dienstag war Litzinger für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. 

Abstimmung am 20. März

Zwischen 170 und 190 Delegierte werden am 20. März in Nidderau sein, um ihre Stimme abzugeben. Bewerbungen sind auch an diesem Tag noch möglich. Insider gehen von einer Kampfkandidatur um den Parteivorsitz aus. Gewählt ist, wer die einfache Mehrheit der Stimmen auf sich vereint.

 



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