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In Bayern gefasst: Täter schlug in Dörnigheim Polizisten fast tot

Maintal/Hanau/Plattling

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    In Handschellen abgeführt wurde in Niederbayern ein Mann bei einer Routinekontrolle. Gegen ihn lag ein Haftbefehl vor. Archivfoto: Thorsten Becker

Maintal/Plattling. Das ist an Dreistigkeit kaum zu überbieten: Bei dem 41-Jährigen, der bei einer Routinekontrolle in einem Zug in Niederbayern von der Polizei verhaftet worden ist, handelt es sich um einen der beiden Täter, die versucht hatten, im Mai 2000 einen Polizisten an der „Tannenheege“ in Maintal-Dörnigheim zu töten. 

Artikel vom 06. Januar 2020 - 10:28

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Von Thorsten Becker

Der rechtskräftig verurteilte Schwerverbrecher hatte das nach der Abschiebung verhängte Einreiseverbot missachtet. Dafür muss Baris K. nun die Konsequenzen tragen. Wegen des illegalen Grenzübertritts wird der aus der Türkei stammende Mann nun über vier Jahre seine Restfreiheitsstrafe im Gefängnis absitzen.

„Es sind genau noch 1552 Tage offen“, berichtet Markus Jung, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Hanau, auf Anfrage. Aufmerksame Bundespolizisten hatten den 41-Jährigen auf einer Bahnfahrt enttarnt und in die Justizvollzugsanstalt nach Straubing eingeliefert.

Polizist wollte Angeln - und wird fast totgeprügelt

Der äußerst brutale Fall hatte im Mai 2000 für großes Aufsehen gesorgt. Ein damals 39-jähriger Polizist aus Dörnigheim war privat als Angler an den „Tannenheege“-Teichen zwischen dem Gewerbegebiet Ost und dem Westzubringer der A 66 unterwegs.

Dort stieß er auf zwei „Schwarzangler“ und wollte sie zur Rede stellen. Daraus entwickelte sich zunächst eine verbale Auseinandersetzung, die dann handgreiflich wurde: Alle drei landeten im See.

Gegen den Kopf getreten und ausgeraubt

Was dann geschah, ist an Grausamkeit kaum zu überbieten: K. sowie sein zwei Jahre jüngerer Komplize schlugen und traten mit äußerster Gewalt auf den Kopf des Polizisten ein.  Als der Mann mit letzter Kraft in ein wenige Meter entferntes Waldstück flüchtete, haben die beiden versucht, ihr Opfer mit einem 25 Kilogramm schweren Ast zu erschlagen. Anschließend raubten sie die Armbanduhr, den Autoschlüssel und die Anglertasche des Opfers.

Dass dieses Kapitalverbrechen gestoppt wurde und der Polizist überlebt hat, ist einer Passantin zu verdanken, die sich aus einiger Entfernung bemerkbar gemacht hatte und für die Flucht der beiden Täter sorgte. Sie hatte den Schwerstverletzten entdeckt und sofort Hilfe geholt. Das Opfer wurde mit einem Rettungshubschrauber in eine Klinik geflogen. Durch eine Notoperation wurde das Leben des Mannes gerettet.

Urteil: Versuchter Totschlag

Zeugen gaben dann die entscheidenden Hinweise: In der Weststadt wurden die beiden Täter kurz darauf verhaftet – sie waren klitschnass. Beide legten Geständnisse ab. Im Februar 2001 fällte dann die Jugendkammer am Hanauer Landgericht das Urteil: Beide wurden wegen versuchten Totschlags verurteilt. Der 19-Jährige erhielt eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren, der jetzt in Bayern festgenommene K. wurde für achteinhalb Jahre hinter Gittern geschickt. 

Der Vorsitzender Richter Dr. Klaus Frech prangerte damals den „unfassbaren Vernichtungswillen“ der beiden Verbrecher an, die „nicht den geringsten Respekt vor dem Leben gehabt“ haben.  Wie bei der Verurteilung von Ausländern üblich, wurde K. nach der Hälfte der Verbüßung in die Türkei abgeschoben und mit einem Einreiseverbot belegt. Gleichzeitig wurde für den Fall der illegalen Wiedereinreise ein Haftbefehl ausgestellt. Dieser wird jetzt vollstreckt.



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