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Der große Diktatwettbewerb: Kreuzburg-Lehrer wird Dritter

Frankfurt/Main-Kinzig

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    186 Teilnehmer versammelten sich in der Aula des Frankfurter Goethe-Gymnasiums. Foto: Mike Bender

Frankfurt/Main-Kinzig. Auf Joachim Schieb ist Verlass. Nachdem der Deutsch- und Lateinlehrer vom Franziskanergymnasium Kreuzburg aus Großkrotzenburg beim bundesweiten Finale  2017 einer der drei Gesamtsieger und 2018 mit vier Fehlern auf Rang zwei gelandet war, schaffte er auch am Donnerstagabend wieder einen Treppchenplatz.

Artikel vom 29. Juni 2019 - 12:51

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Von Yvonne Backhaus-Arnold

Als die Besten der Kategorie Lehrer auf die Bühne gerufen wurden, war auch der 62-Jährige dabei: Platz 3 und gerade einmal sechs Fehler hatte Schieb, und das, wo die durchschnittliche Fehlerzahl bei 17,9 lag.
Im HA-Gespräch hatte er damals gestanden, als Schüler kein Überflieger gewesen zu sein; und schon gar kein ausgesprochener Fan von Diktaten. Eine Fünf oder Sechs sei bei den Diktatzensuren zwar nie dabei gewesen, „aber zwischen Eins und Vier habe ich alles gebracht“, sagte er damals.

Auch in diesem Jahr hat er das normale Lehrerleben als Vorbereitung genommen und schon vor dem Lokalentscheid „MKK schreibt!“ Mitte Mai kein gezieltes Sprachtraining absolviert. So ein Lehrerleben ist eben Übung genug mit viel Korrekturarbeit, jeder Menge Aufsätzen und Diktaten.

„Das Diktat war schon ganz schön knifflig“

„Das Diktat war schon ganz schön knifflig“, räumte der Deutschlehrer nach der Preisübergabe denn auch ein. Spaß gemacht habe es ihm trotzdem, und vor allem gefreut, dass sich nach „MKK schreibt!“ noch einige Eltern für die Kategorie Freie Schreiber angemeldet hatten. Auch das Grimmelshausen-Gymnasium aus Gelnhausen war mit sechs Teilnehmern in Frankfurt gut vertreten.

Mit dem überregionalen Finale des großen Diktatwettbewerbs im Frankfurter Goethe-Gymnasium findet ein erfolgreiches Rechtschreibjahr seinen Abschluss. Das von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft entwickelte vielstufige Programm zur Förderung des richtigen Schreibens wurde in zehn Veranstaltungen an mehreren Standorten in Deutschland durchgeführt, zum zweiten Mal auch im Main-Kinzig-Kreis.

186 Teilnehmer

Unter dem Titel „MKK schreibt!“ hat der HANAUER ANZEIGER den Lokalentscheid Mitte Mai gemeinsam mit der Ursula-Berenbrok-Winterstein-Stiftung durchgeführt. An der Hohen Landesschule in Hanau gingen Schüler-Lehrer-Eltern-Teams von sechs weiterführenden Schulen ins Rennen.

Das überregionale Finale am Donnerstagabend bestritten insgesamt 186 Eltern, Lehrkräfte, Oberstufenschüler sowie Teilnehmer aus den Kategorien „Hochschule“ und „Freie Schreiber“, darunter auch ein Team der Industrie- und Handelskammer.

Durchschnittlich 17,9 Fehler

Der 183 Wörter lange Text, der sich thematisch zwischen einem folgenschweren digitalen Missverständnis und dem Grundgesetz bewegte, umfasste 64 sprachliche Hürden – wie etwa die richtige Schreibweise von „blaublümerant“ oder „Pennäler“.

Die durchschnittliche Fehlerzahl lag bei 17,9 Fehlern, im Vorjahr betrug sie 17,6 Fehler. Unter den Gästen des Abends war unter anderem Bastian Sick. Der Bestsellerautor zahlreicher Bücher über die Eigenheiten der deutschen Sprache schrieb das Diktat selbst mit und unterhielt im Anschluss das Publikum mit einem Sprachquiz.

Zwei Gesamtsieger in diesem Jahr

Den Gesamtsieg im Finale des großen Diktatwettbewerbs teilen sich in diesem Jahr Antigone Akgün und Dr. Monika Großpietsch. Die Teilnehmerinnen aus den Kategorien „Hochschule“ sowie „Freie Schreiber“ machten jeweils nur einen Fehler und waren damit mit Abstand die Führenden im Gesamtklassement.

Sie meisterten mit Bravour zahlreiche sprachliche Hürden und komplizierte Sätze, wie beispielsweise: „Dabei sollte ein jeder nichtsdestoweniger gut achtgeben, dass kein Einziger seiner Physiognomie wegen verhohnepipelt wird.“ In der Kategorie „Schüler“ schnitten mit jeweils nur neun Fehlern gleich vier Teilnehmer am besten ab.

Rechtschreibtraining auch an Grundschulen

„Zu unserer Sprachkultur gehört nicht nur das flüssige Lesen, sondern auch das korrekte Schreiben. Mit Sprachbildungsprojekten wie dem großen Diktatwettbewerb wollen wir Anreize dafür schaffen, sich dessen bewusst zu werden und die eigenen Rechtschreibkenntnisse noch weiter auszubauen“, so Professor Roland Kaehlbrandt, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Polytechnische Gesellschaft.

Eine Neuerung in den vergangenen Monaten ist die Ausweitung des Rechtschreibtrainings auf Grundschulen. Über den Verlauf des vierten Schuljahres wiederholen, vertiefen und trainieren Schüler im Projekt „Die Grundschule schreibt!“ in fünf Lernmodulen zu Themen wie Konsonantenverdopplung oder Groß- und Kleinschreibung das in der Grundschule Gelernte. Das Konzept wurde im Schuljahr 2018/2019 gemeinsam mit Professor Ulrich Mehlem und Dr. Irene Corvacho del Toro von der Goethe-Universität in Zusammenarbeit mit der Frankfurter Liebfrauenschule und der Textorschule erstmalig erprobt.

Schieb will auch 2020 wieder dabei sein

Der große Diktatwettbewerb, der im Schuljahr 2011/12 von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft initiiert wurde und inzwischen an zahlreichen Standorten in Deutschland stattfindet, ist eines von mehreren aufeinander aufbauenden Projekten, mit der die Frankfurter Bildungsstiftung die Beherrschung und auch die Wertschätzung der Bildungssprache Deutsch fördert.

Kreuzburg-Lehrer Joachim Schieb ist kommendes Jahr auch wieder dabei. „Natürlich“, sagt er und lacht. Wenn Schieb bei „MKK schreibt!“ 2020 auf einem der vorderen Plätze landet, ist ihm das Ticket für das Finale in Frankfurt wieder sicher. Seine Chancen darauf stehen gut.

 



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