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CDU Main-Kinzig wählt Ottmann zum Kreisbeigeordneten-Kandidaten

Wächtersbach

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    Winfried Ottmann aus Bad Soden-Salmünster (links oben) konnte sich bei der Wahl zum Kandidaten für den hauptamtlichen Kreisbeigeordneten in der Stichwahl gegen Daniel Weber aus Bruchköbel (links unten) durchsetzen. Grafik: HA

Main-Kinzig-Kreis.  Nach stundenlanger Diskussion und zwei Wahlgängen hinter verschlossenen Türen hat die CDU-Fraktion in der Nacht zum Donnerstag ein Ergebnis: Winfried Ottmann (Bad Soden-Salmünster) soll neuer hauptamtlicher Kreisbeigeordneter werden. Ottmann setzte sich gegen Daniel Weber (Bruchköbel) durch.

Artikel vom 12. April 2018 - 10:30

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Von Thorsten Becker

„Dieses Ergebnis habe ich in dieser Form nicht erwartet“, sagt Ottmann am Morgen danach im Gespräch mit unserer Zeitung und fügt gleich hinzu: „Mein Bestreben wird es sein, auch die anderen sechs Fraktionsmitglieder zu überzeugen.“

Die lange Nacht von Wächtersbach, in der die CDU den dritten Anlauf unternahm, sich auf einen Personalvorschlag zu einigen, ist Ottmann (64) nicht anzumerken. Der Finanzbeamte tritt pünktlich seinen Dienst an. Sollte der Kreistag, der das letzte Wort hat, mehrheitlich für ihn stimmen, dann steht für ihn ein innerörtlicher Umzug ins Haus: vom Finanzamt Gelnhausen ins Kreishaus.

Ottmann ist Volleyballer mit Leib und Seele, seit drei Jahrzehnten leitet er den TV Salmünster. In den vorangegangenen 48 Stunden ist ihm quasi ein Aufschlag mit Ass gelungen. Erst am Montagabend hatte er seine Bewerbung fraktionsintern eingereicht. Nun ist er offizieller CDU-Kandidat für den hauptamtlichen Kreisausschuss.

Ottmann bereits im ersten Wahlgang als Favorit
Bereits im ersten Wahlgang ist Ottmann mit elf Stimmen der Favorit. Auf Newcomer Daniel Weber entfallen sechs Stimmen. Für Uwe Häuser (Linsengericht) stimmten vier Fraktionsmitglieder, für Birgit Behr (Erlensee) zwei. Maja Weise-Georg (Schlüchtern), die als ehrenamtliche Kreisbeigeordnete nicht Fraktionsmitglied ist und daher auch nicht abstimmen darf, erhält keine Stimme.

„Es ist viel schiefgegangen in den vergangenen Monaten. Deshalb habe ich meine Kandidatur angeboten“, sagt Ottmann zu seiner Motivation, mit den anderen vier Bewerbern ins Rennen zu gehen. „Ich bin bereit, in den kommenden sechs Jahren das Amt zu übernehmen.“

Der Mann aus dem Bergwinkel lässt gleich durchblicken, dass er nur für eine Amtsperiode zur Verfügung steht: „Es wird Zeit, dass die Fraktion und die Partei in ruhiges Fahrwasser kommen und die CDU die Zeit hat, in aller Ruhe junge Nachfolger zu suchen.“

„Ich bin froh, dass wir eine Entscheidung haben“
Hörbar erleichtert zeigt sich CDU-Fraktionsvorsitzender Michael Reul, der mitten in der Nacht auch die Spitzen des Koalitionspartners SPD von der Entscheidung unterrichtet hatte. „Ich bin froh, dass wir eine Entscheidung haben“, so Reul, der bereits im Vorfeld anvisiert hatte, eine Kandidatenkür über die Bühne bringen zu wollen.

Dass es bis nach der „Geisterstunde“ gedauert habe, sei der „intensiven Diskussion“ geschuldet gewesen.
„Auch darüber, ob wir eine Wahl durchführen, wurde lange gesprochen“, so Reul. Mehrheitlich habe sich die Fraktion dafür entschieden. Nach dem „unglücklichen Parteitag“ sei es aber an der Zeit gewesen, Nägel mit Köpfen zu machen, man habe die Geduld des Koalitionspartners „nicht überstrapazieren“ wollen, zumal der bereits vor Wochen beschlossene Koalitionsvertrag noch nicht unterschrieben sei und die Einsetzung eines Wahlvorbereitungsausschusses im Kreistag für den heutigen Freitag ansteht.

„Es war eine faire und offene Personaldebatte“, resümiert Reul und zeigt sich überzeugt davon, dass Winfried Ottmann auf „alle zugehen“ werde. An eine Hürde im Kreistag oder politische Heckenschützen aus den eigenen Reihen glaubt Reul indes nicht: „Wir haben einen Koalitionsvertrag. Ich glaube schon, dass wir alle im Kreistag Profis genug sind, um mit demokratischen Entscheidungen umzugehen.“

„Es ist gut, dass eine Entscheidung getroffen worden ist.“
Mitten in der Nacht erhält auch SPD-Fraktionschef Klaus Schejna (Rodenbach) die WhatsApp-Nachricht der CDU-Spitze: „Es ist gut, dass eine Entscheidung getroffen worden ist.“ Zwar habe die SPD der CDU keine Deadline gesetzt, aber seine Fraktion habe vor der Unterschrift unter den GroKo-Vertrag schon wissen wollen, „wer mit im Boot sitzt“.

„Ich kann mir eine Zusammenarbeit mit Winfried Ottmann sehr gut vorstellen,schließlich hat er auch schon Erfahrung als ehrenamtlicher Kreisbeigeordneter“, bewertet Schejna die Personalentscheidung und ist sich sicher, dass seine Fraktion diese mittragen werde. Die überraschend schnelle Personalentscheidung dürfte der langen Vorgeschichte geschuldet sein, denn es war bereits der dritte Anlauf der CDU, einen Kandidaten für den hauptamtlichen Kreisbeigeordneten zu finden.

Rückblende: Nach dem Debakel bei der Wiederwahl zum CDU-Kreisvorsitzenden Mitte März hatte Johannes Heger (Gründau) die Reißleine gezogen und verkünden lassen, dass er nicht mehr für den Posten des hauptamtlichen Kreisbeigeordneten zur Verfügung steht.

Versuch im Sommer 2016 endete mit Fiasko
Bereits im Sommer 2016, als Michael Reul und die Fraktionsspitze eigenmächtig den völlig unbekannten Ulf Homeyer auf den Posten hieven wollte, endete dieser Personalvorschlag in einem Fiasko und dem Abbruch der Großen Koalition durch die SPD.

Nun hatten Birgit Behr, Erste Stadträtin in Erlensee, sowie Uwe Häuser erneut ihren Hut öffentlich in den Ring geworfen, um einen zweiten Anlauf zu nehmen. Häuser hatte bei der letzten Abstimmung innerhalb der Fraktion gut abgeschnitten. Im ersten Wahlgang hatte er acht Stimmen bekommen (Heger neun, Behr zwei) – in der Stichwahl hatte er mit 7:13 Stimmen gegen Heger verloren.

Neu im Rennen war schließlich noch Daniel Weber, seit 2008 Mitglied der CDU in Bruchköbel. Seit etwa einem Jahr arbeitet der 34-Jährige als persönlicher Referent von Bürgermeister Günter Maibach. Der Einzug in die Stichwahl gegen Ottmann dürfte für ihn als „Außerparlamentarier“ ein Achtungserfolg gewesen sein.

Härtel resümiert vergangene Monate
„Leider hat die Kreis-CDU in den letzten Wochen und Monaten in der Öffentlichkeit kein vertrauenerweckendes Bild abgegeben“, kommentiert Hanaus Ex-Oberbürgermeisterin Margret Härtel (CDU) die Entscheidung. Gleichzeitig mahnt sie ihre Parteigenossen im Kreistag: „Jetzt muss die Arbeit der Großen Koalition mit ihrer politischen Verantwortung für die Bürger im Vordergrund stehen.“

Härtel dürfte dabei auch schon den außerordentlichen Kreisparteitag der CDU im Visier haben, der nach Auskunft von Reul am Freitag, 4. Mai, zusammentreten soll. Dann steht für die Partei die nächste Personalentscheidung an, um einen Nachfolger für den geschassten Vorsitzenden Heger zu finden. Bislang ist die Bundestagsabgeordnete Katja Leikert (Bruchköbel) die einzige öffentlich bekannte Bewerberin für den Posten.

 



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