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Clown bringt Menschen zum Lachen und hilft ihnen damit

MainKinzigKreis

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    Zaubert den Bewohnern der Alten- und Pflegezentren des Main-Kinzig-Kreises regelmäßig ein Lächeln auf die Lippen: Ingo Margraf alias „Pfleger-Lustig“ (links). Foto: PM

Main-Kinzig-Kreis. Seit sieben Jahren erfreut Ingo Margraf als Clown „Pfleger-Lustig“ die Bewohner der Einrichtungen der Alten- und Pflegezentren zwischen Hanau und Sinntal mit seinen Auftritten und bringt sie zum Lachen. Bei älteren Bewohnern öffnet er oft die Türen der Wahrnehmung und bringt positive Erfahrungen in Erinnerung.

Artikel vom 06. September 2016 - 17:15

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„Wenn Lachen die beste Medizin ist, dann ist ein guter Clown der beste Arzt.“ Nun fühlt sich Ingo Margraf nicht als „der beste Arzt“, ein guter Clown ist er aber allemal. Seit sieben Jahren erfreut er als Clown „Pfleger-Lustig“ die Bewohner der Einrichtungen der Alten- und Pflegezentren zwischen Hanau und Sinntal mit seinen Auftritten, bringt sie zum Lachen.

Zum 300. Auftritt gratulierte Geschäftsführer Dieter Bien dem Spaßmacher mit besonderem Auftrag, wie die Alten- und Pflegezentren mitteilen. Denn: Über die lustige, tollpatschige und humoristische Art des Clowns bringt er die Menschen nicht nur zum Lachen, er öffnet bei älteren Bewohnern, insbesondere bei demenziell erkrankten und depressiven Menschen, Türen der Wahrnehmung.

Situationskomik mit Gedächtnistraining verknüpft
„Die ansonsten eher ruhigen Menschen fangen an zu staunen, werden aktiv und lebendig. Positiv belegte Erinnerungen an Kindheit, Zirkus und Freizeit kehren freudestrahlend zurück“, erklärt Margraf. „Pfleger-Lustig“ verknüpft dabei die Situationskomik mit dem Gedächtnistraining und geht zum Teil in den Bereich der basalen Stimulation über, in dem er durch achtsame körperbezogene Interaktionen die Menschen in ihren Wahrnehmungs-, Kommunikations- und Bewegungsfähigkeiten fördert.

Er nimmt sich stets selbst auf die Schippe, er lacht gemeinsam mit den Menschen. „Aber“, so Margraf, „ich lache niemals über sie, ich verneige mich vielmehr mit großem Respekt vor diesen Menschen, die sich an der Clown-Figur erfreuen.“

Clown hat auch Zeit für leise Gespräche
Behutsam geht er auf die Menschen zu, hat auch Zeit für leise Gespräche. So besucht er sie in den Gruppenräumen oder in ihrer gewohnten Umgebung in den Zimmern. Bei seinen „Zimmer-Visiten“ trifft er auf viele persönliche Bedürfnisse. „Es entsteht eine völlig freiwillige und individuelle Kommunikation, angefangen vom gemeinsamen spontanen Lachen und lautem Singen bis hin zum leisen Zuhören in der Einzelbetreuung“, so Margraf.

„So werden das Wohlbefinden und die Lebensqualität der Bewohner deutlich gesteigert“, so die Erkenntnisse des Pflege- und Betreuungspersonals, mit dem er sich stets im Gedankenaustausch befindet, um noch gezielter auf Lebenssituationen oder Lachmuskeln einzelner Bewohner eingehen zu können.

Ausbildung zum examinierten Altenpfleger
Dabei kommt ihm seine berufliche Erfahrung zu Gute. Ingo Margraf hat Ende der 90er Jahre eine Ausbildung zum Kinderpfleger und im Anschluss daran zum examinierten Altenpfleger absolviert. Als Pfleger hat er in den Wohnbereichen im Altenzentrum Rodenbach gearbeitet und galt bei Bewohnern wie auch bei Kollegen als der gefühlvolle Spaßvogel im weißen Pflegeoutfit.

Schon in dieser Zeit vertauschte er oft das Pflegeoutfit mit dem Clownskostüm mit Latzhose, Fliege, roter Nase, Hut und Tröte. Über die Jahre fanden seine Auftritte eine solch positive Resonanz, sodass er als Künstler ins Profigeschäft einstieg. Animiert dazu haben ihn 2009 Geschäftsführer Dieter Bien und Dr. André Kavai. Der damalige Erste Kreisbeigeordnete wollte sich als Aufsichtsratschef des größten kommunalen Pflegeunternehmens in Hessen seinen eigenen Eindruck von der Arbeit in der Altenpflege machen und begleitete Margraf einen Tag lang bei der Ausübung seines Berufes, heißt es in der Mitteilung weiter.

Berufung wird zum Beruf
Aus den Gesprächen und Erfahrungen entwickelten sich Ideen und Gedanken. Über den Ansatz eines „Klinik-Clowns“ entwickelte der Altenpfleger das Konzept von „Pfleger-Lustig“. Für Margraf war die Berufung zum Beruf geworden. Was für das kreiseigene Unternehmen anfangs ein Abenteuer war, war bald aber ein äußerst erfolgreicher „Selbstläufer“, wie die 300 Auftritte zeigen.

Heute bringt der ehemalige Altenpfleger im Clownskostüm regelmäßig Spaß und Humor in die elf Häuser der Alten- und Pflegezentren des Main-Kinzig-Kreises, wozu das Wohnstift und das Stadtteilzentrum in Hanau, das Altenzentrum in Rodenbach, die Seniorenzentren in Gründau, in Biebergemünd und in Steinau, das Kreisruheheim in Gelnhausen und das Wohn- und Gesundheitszentrum Lebensbaum in Sinntal sowie die Senioren-Dependancen in Neuberg, in Ronneburg und in Limeshain gehören.

Auch aus dem TV bekannt
Sein Bekanntheitsgrad geht aber weit über diese Einrichtungen hinaus – dazu haben Fernsehreportagen des HR und des SWR und vor allem von 3-Sat beigetragen. Weil er die Menschen mag und eine besondere Leidenschaft in der Vermittlung von Humor und Musik besitzt, hat er parallel zu den Auftritten des „Pfleger-Lustig“ auch seine Fähigkeiten als Soul-Sänger und Comedy-Entertainer weiterentwickelt und durch eine Vielzahl von Auftritten professionalisiert. „In meinem Musik-und Comedy-Programm werden von mir Musikklassiker und Erzählungen aus dem wahren Leben mit dem Publikum verbunden“, so Margraf.

Als „Solo-Ingo“ wird er auch das Fest zum 20-jährige Bestehen der Alten- und Pflegezentren rund um das Altenzentrum mitgestalten– mit seinem Unterhaltungs- und Musikprogramm sowie mit einem Rock-, Pop und Soulabend. Und so mancher Besucher wird ein Lächeln auf den Lippen haben, wenn „Pfleger-Lustig“ alias Ingo Margraf seine Künste vorführt.



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