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Hochwasserschutz: Streit um kleinen Hang

MainKinzigKreis

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    Landrat Erich Pipa hat den Hochwasserschutz zur Chefsache erklärt. Archivfoto: Bender

Main-Kinzig-Kreis. Damit extreme Überschwemmungen beim nächsten „Jahrhunderthochwasser“ nicht bis nach Hanau kommen, soll in Bad Soden-Salmünster ein Rückhaltebecken entstehen. Doch darum gibt es jetzt Streit. Landrat Erich Pipa hat den Hochwasserschutz nun zur Chefsache erklärt.

Artikel vom 27. Juli 2016 - 10:02

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Von Andreas Ziegert

Für Landrat Erich Pipa (SPD) ist es nur ein „Hängchen“, für das hessische Umweltministerium ein gefährlicher Rutschhang, der die Anlage eines natürlichen Rückhaltebeckens unmöglich macht: Der Streit dreht sich um eine Grünfläche in Bad Soden-Salmünster.

Für die vom Kreis beauftragten Experten liegt dort aber der Schlüssel, um beim nächsten „Jahrhunderthochwasser“ extreme Überschwemmungen bis nach Hanau zu verhindern. Pipa hat dieses Rückhaltebecken daher jetzt zu einem der wichtigsten Projekte in seinem letzten Amtsjahr erklärt.

Bau eines Rückhaltebeckens in Wächtersbach-Weilers unstrittig
Unstrittig scheint dagegen der Bau eines Rückhaltebeckens in Wächtersbach-Weilers, darin soll das Wasser der Bracht aufgenommen werden. Der geplante Damm soll dort eine Länge von zirka 420 Metern haben und das Becken eine Million Kubikmeter Wasser aufnehmen, derzeit sind 7,3 Millionen Euro als reine Baukosten eingeplant.

Ihre volle Wirkung würde diese Maßnahme allerdings nur mit einem weiteren Rückhaltebecken an der Salz in Bad Soden-Salmünster erreichen. Mit einer Dammhöhe von neun Metern und einer Breite von 320 Metern soll das ein Stauvolumen von 625 000 Kubikmetern Wasser bieten. Kosten: zirka fünf Millionen Euro. Doch bei diesem Projekt stellen sich die Experten in Wiesbaden bislang quer: Sie gehen davon aus, dass der Hang „aller Voraussicht nach in kriechender Bewegung ist“.

Ingenieurbüro: Grundwasser zeigt keine gefährlichen Drücke
Zu einem ganz anderen Ergebnis kommt das vom Wasserverband, dem neben dem Kreis auch die Städte Hanau und Frankfurt angehören, beauftragte Ingenieurbüro: Das Grundwasser in Kalkstein und Basalt zeige dort keine gefährlichen Drücke, Rutschungen seien somit nicht zu erwarten. Außerdem könnten bei kritischen Entwicklungen beispielsweise Drainagen eingebaut werden.

„Der letzte Erdrutsch dort liegt 800 Jahre zurück, das kann heute keine Rolle mehr spielen“, denkt Pipa vielmehr an die enormen Schäden, die die Hochwassermengen entlang der Kinzig anrichten könnten. In einer Modellrechnung ist das Szenario fürchterlich: Nicht nur einzelne Ortsteile von Biebergemünd würden unter Wasser stehen. Auch Erlensee, die Autobahn 66 und die ICE-Strecke wären betroffen. Und in Hanau könnte das Wasser sogar bis in die Innenstadt vordringen.

Hochwaser kann jederzeit eintreffen
„Wir hatten 2014 großes Glück, dass die großen Regenmengen den Main-Kinzig-Kreis nicht erreicht haben“, könnte das befürchtete Szenario laut Pipa aber jederzeit eintreffen. „Ich bin wildentschlossen, das zum Thema in der Bürgerschaft zu machen“, kündigt er an, sollte sich die Landesregierung nicht bewegen.

Ein positives Signal aus Wiesbaden gibt es immerhin schon: Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) hat angekündigt, in ihrem Ministerium nach dem Sommerferien ein Fachgespräch mit Experten zu organisieren. Vorsorglich will Pipa allerdings auch den Kreistag hinter sich versammeln und hat für die nächste Sitzung am 30. September eine entsprechende Vorlage erarbeitet.

Positive Auswirkungen von zwei weiteren Rückhaltebecken
Die positiven Auswirkungen von zwei weiteren Rückhaltebecken neben dem Kinzigstausee in Ahl laut den auf einer Pressekonferenz vorgelegten Berechnungen: In Bad Soden-Salmünster würde sich bei einem 100-jährigen Hochwasser, hier wird von einem fünfstündigen Niederschlag ausgegangen, der
Wasserpegel von 2,83 auf 1,67 Meter senken. In Gelnhausen ist eine Reduzierung von 4,90 auf 4,66 Meter zu erwarten, in Hanau von 4,48 auf 4,33 Meter.



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