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Pilotversuch in Großauheim: Elterntaxis sollen fernbleiben

Großauheim

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    n der Hauptstraße in Großauheim befindet sich die erste Elternhaltestelle unweit der August-Gaul-Schule. Bei einer Ortsbegehung tauschten sich Vertreter von Schule und Stadt über Sinn und Unsinn des Pilotversuchs aus. Foto: PM

Großauheim. In Großauheim ist jetzt Hanaus erste Elternhaltestelle in Betrieb genommen werden. In einer Mitteilung berichtet die Stadt Hanau von einem Ortstermin an der Hauptstraße, unweit der Abzweigung zur Patershäuser Straße, an der die August-Gaul-Schule liegt.

Artikel vom 15. Dezember 2018 - 11:09

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 „Hol- und Bringzone“ steht dort auf einem neu angebrachten Verkehrsschild, und weiter die Aufforderung „Ab hier zu Fuß“, nämlich zum ebenfalls abgebildeten Schulsymbol. Hierbei handelt es sich um die sogenannte Elternhaltestelle – als Pilotversuch für städtische Schulen.

Bei dem Ortstermin hat sich laut Stadt gezeigt, dass die Meinungen über den Nutzen zwischen Schule und städtischen Vertretern mit Stadtrat Thomas Morlock an der Spitze auseinandergehen.

Einig seien sich alle gewesen, dass diese „Hol- und Bringzone“ mehr ins Auge stechen müsse, damit sie sich im Bewusstsein der Verkehrsteilnehmenden besser verankert. Stadtrat Morlock schlug vor, auf der Fahrbahn Symbole anzubringen, die beispielsweise per Fußabdrücken Richtung Patershäuser Straße den Schulweg verdeutlichen und welche die Zone deutlicher herausheben.

"Elternhaltestelle" ist eine Idee des Nahmobilitäts-Checks beim Stadtteil-Entwicklungsprozess

Die „Elternhaltestelle“ ist laut Mitteilung eine Idee des Nahmobilitäts-Checks beim Stadtteil-Entwicklungsprozess, um gefährliche Situationen vor Schulen durch „Elterntaxis“ zu entschärfen. Damit ist Angelika Gunkel vom Fachbereich Nachhaltige Strategien befasst, sie fügte als weitere Bausteine das Vorgehen gegen zugeparkte Gehwege hinzu.

Darüber hinaus sollen Stadtrat Morlock zufolge ein absolutes Halteverbot in der Patershäuser Straße und Poller im Bereich vor der Schule Eltern davon abhalten, zu nahe an die August-Gaul-Schule heranzufahren. Er kündigte zudem verstärkte Kontrollen durch die Stadtpolizei an. Morlock warb bei Schulleiterin Corinna Heller und den anwesenden Elternbeiräten dafür, die Kinder zum selbstständige Zur-Schule-Gehen auf sicheren Wegen zu ermutigen, aber die Ängste von Müttern und Vätern um ihre Kinder nicht zu vernachlässigen, weshalb das „Elterntaxi“ zur Schule vielfach zustande komme.

August-Gaul-Schule bietet Rahmenbedingungen, die ein Elterntaxi überflüssig machen

Schulleiterin Heller erläuterte, dass die August-Gaul-Schule im Alltag Rahmenbedingungen biete, die ein Elterntaxi überflüssig machten. So werde auf leichte Ranzen geachtet, der Unterrichtsschluss finde für alle zur gleichen Zeit statt und der Weg zur Schule sei nicht unsicher. Insofern seien die Voraussetzungen geschaffen, damit die Kinder gemeinsam den Schulweg gehen könnten.

Freilich bärgen Elterntaxis bis zur Schule in der Patershäuser Straße Gefahren für die Kinder in sich, die ohne Autoverkehr nicht gegeben seien. Hier müsse bei den Eltern dringend ein Umdenkprozess stattfinden, so Heller. Ihrer Ansicht nach helfe eine verkehrsberuhigte Zone in der Patershäuser Straße. Lutz Wodtke berichtete, dass der Schulelternbeirat mit den Eltern wegen des leidigen Elterntaxis vor der Schule das  Gespräch gesucht habe.

Bei Eltern muss dringend ein Umdenkungsprozess stattfinden

Die neue Hol- und Bringzone in der Hanauer Landstraße sei dabei kaum auf Gegenliebe gestoßen, insbesondere was das Warten nach dem Unterricht auf eng begrenztem Raum der Durchgangsstraße angehe. Er hoffe, dass bei einer geplanten Elternbefragung Anfang 2019 „auch rationale und nicht nur emotionale Antworten“ geäußert würden.

Stadtrat Morlock sieht den Versuch in Großauheim als Modell an, ob eine Elternhaltestelle sinnvoll sei. Er kündigt für das erste Quartal 2019 eine erste Bestandsaufnahme an, wie die Elternhaltestelle ankommt. Gunkel berichtete, dass es auch in anderen Hanauer Schulen großes Interesse an einer Lösung gibt, wie dem „Elterntaxi“ Einhalt zu gebieten ist.

Zu Fuß zur Schule wirkt sich positiv auf die kindliche Entwicklung aus

Laut Statistischem Landesamt ist für Kinder und Jugendliche das Beifahren im Auto gefährlicher als zu Fuß oder mit dem Fahrrad. 2017 verunglückten 1529 Kinder unter 15 Jahren, davon 738 als Mitfahrende im Pkw –Tendenz steigend. Gleichzeitig kamen 350 als Fußgänger zu Schaden und 436 mit dem Fahrrad.

Der ADAC verweist laut Mitteilung der Stadt auf ähnliche Zahlen bundesweit. Und komme zum Schluss: „So kommen jährlich mehr Kinder im Pkw der Eltern zu Schaden als durch die selbstständige Mobilität zu Fuß“. Er beziehe sich auf „zahlreiche Studien“, die nachwiesen, dass das tägliche Bewältigen des Schulwegs zu Fuß sich positiv auf die kindliche Entwicklung auswirke.

Dazu zählten höhere Konzentrationsfähigkeit im Unterricht, gesteigerte körperliche Fitness, Abbau von Übergewicht und verbessertes Sozialverhalten bei gemeinsamem Schulweg zu mehreren. Der ADAC befürwortet Elternhaltestellen, um den Hol- und Bringverkehr zu entzerren, heißt es abschließend in der Mitteilung der Stadt. cd



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