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Archäologen entdecken in Mittelbuchen 5000 Jahre alte Skelette

Mittelbuchen

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    Ein Grab mit sechs Personen: Eine junge Frau und ein junger Mann, die eng umschlungen und anscheinend küssend bestattet wurden, eine Frau mit je einem Kleinkind auf der Brust und dem Rücken, sowie zwei weitere Personen. Foto: Bien-Ries

Mittelbuchen. Im Vorfeld der geplanten Baumaßnahmen für das Neubaugebiet Mittelbuchen Nordwest - Vor dem Lützelberg haben Archäologen Gräber aus der späten Jungsteinzeit des 3. Jahrtausends vor Christus entdeckt. 

Artikel vom 30. November 2018 - 10:52

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Im Vorfeld der geplanten Baumaßnahmen wurden die Archäologen bei Voruntersuchungen fündig. Nach geophysikalischen Messungen und bereits bekannten Oberflächenfunden wurde eine archäologische Fundstelle im Baufeld bereits als sehr wahrscheinlich angesehen.

Diese Vermutung bestätigte sich bei den Grabungen. Es wurden Gräber der späten Jungsteinzeit des dritten Jahrtausends vor Christus entdeckt. Zu dieser Zeit siedelten in Hessen die Kulturen der sogenannten Glockenbecherleute und Schnurkeramiker. Beide Kulturen wurden nach ihren auffälligen Keramikformen benannt, da nicht bekannt ist, wie jene Menschen sich damals selbst benannten.

Ein Grab mit sechs Personen

Zu den spektakulärsten Funden in Mittelbuchen gehört ein Grab mit sechs Personen: Eine junge Frau und ein junger Mann, die eng umschlungen und scheinbar küssend bestattet wurden, eine Frau mit je einem Kleinkind auf der Brust und dem Rücken, sowie zwei weitere Personen. Alle diese Menschen wurden offensichtlich zeitgleich in einer gemeinsamen Grabgrube bestattet.

Derzeit wird geprüft, ob genügend genetisches Material für eine DNA-Überprüfung geborgen werden kann, um festzustellen, ob alle Personen miteinander verwandt waren. Die Grabungen werden von der Firma Spau in Münzenberg unter der Leitung von Sascha Piffko durchgeführt. Die Firma ist auf die archäologische Betreuung bei Bauprojekten spezialisiert. Bei der Bergung der Gräber waren neben den Archäologen auch die Anthropologin Chiara Girotto und die Restauratorin Karina Länger beteiligt. Die Grabungsleitung liegt bei Thomas Hartmann. Alle drei sind bei Spau angestellt.

Bauverzögerungen nicht zu erwarten

Die Untersuchungen werden auch im kommenden Jahr weiter fortgesetzt. Eine gute Abstimmung zwischen Denkmalschutzbehörden, dem Grabungsteam und der Bien-Ries AG lassen Verzögerungen des Bauablaufs durch die archäologischen Funde nicht erwarten, wie Bien-Ries mitteilt.

Sabine Küppers von der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Hanau sagt, dass die „außergewöhnlichen Funde eingehend untersucht werden müssen“. Dazu stehe die städtische Behörde in engem Kontakt mit dem Landesamt für Denkmalpflege. Die Stadt könne sich gut vorstellen, die Funde künftig zu präsentieren. Entscheidungen würden gemeinsam mit hessenArchäologie getroffen.

Beleg für die Kulturregion

Martin Bieberle, Leiter des Fachbereichs für Stadtentwicklung: „Die Entwicklung neuen Wohnraums und die Bewahrung historischer Funde geht hier Hand in Hand. Die aktuelle Ausgrabung ist ein weiterer Beleg dafür, in welch reicher Kulturregion wir leben.“ kb

 



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