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Anzeigen wegen Körperverletzung nach AfD-Veranstaltung in Hanau

Hanau

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    Die DGB-Gegenveranstaltung in Steinheim. Foto: Häsler
  • Die AfD-Veranstaltung am Freitagabend. Foto: Häsler

Hanau. Im Rahmen einer AfD-Veranstaltung, die am Freitagabend in Steinheim in der dortigen Kulturhalle beziehungsweise davor stattfand, nahm die Polizei zwei Anzeigen wegen des Verdachts der Körperverletzung auf.

Artikel vom 23. Juli 2018 - 14:00

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Bereits im Vorfeld der AfD-Veranstaltung in der Steinheimer Kulturhalle am Freitag waren die Emotionen hochgekocht. Auf der einen Seite stand der DGB mit seiner angekündigten Gegen-Demonstration, auf der anderen der Direktkandidat der AfD für den Wahlkreis 41 der Landtagswahl, Walter Wissenbach, der das Gespräch mit der Gewerkschaft gesucht hatte (wir berichteten). Und sah es auf den ersten Blick so aus, als ob die Veranstaltung gewaltfrei über die Bühne gegangen ist, melden sich jetzt beide Parteien wieder zu Wort. Die Anschuldigungen lauten unter anderem auf Körperverletzung, ein Mann soll bewusstlos geschlagen worden sein.

Zahlreiche Personen hatten sich am Freitag vor der Kulturhalle eingefunden. Die einen waren gegen die Veranstaltung der AfD, die anderen kamen zu der Halle, um Beatrix von Storch, Walter Wissenbach und Alexander Tassis über den 20. Juli 1944 im Speziellen und Widerstand im Allgemeinen sprechen zu hören. Wie erst am Montag bekannt wurde, kam es am Rande der Veranstaltung zu Pöbeleien, Rangeleien und Angriffen, die in einem Krankenhausaufenthalt gipfelten.

Brille aus dem Gesicht geschlagen

„Aufs Gröbste“ seien die Gäste der AfD von den Gegendemonstranten mit Worten und Taten beleidigt worden, so AfD-Ortssprecher Klaus Dippel in einer Mitteilung. Eine 70-jährige Frau sei zum Beispiel als „Nazischlampe“ bezeichnet worden. Auch die CDU bekam ihr Fett weg, schließlich hätten sich mehrere Kreistagsabgeordnete „hinter der Fahne der Linken und des VVN gesammelt [...] und sich m.E. nicht genügend von den Straftaten distanziert“. Als Konservativer wundere er sich darüber und spricht die sogenannten Gutmenschen (damit ist die CDU gemeint) nicht ganz von ihrer Verantwortung frei.

Die Krönung der Auseinandersetzungen zwischen den Besuchern der AfD-Veranstaltung und der Gegen-Demo sei gewesen, als einem der Gäste die Brille aus dem Gesicht geschlagen worden sei. Als einen „unrühmlichen Höhepunkt“ bezeichnet Dippel diese Situation. Die Wunden habe der Mann ambulant von einem Ordner behandeln lassen müssen. Laut Polizei habe es allerdings keine Anzeige in diesem Fall gegeben. Erfreut zeigte sich Dippel hingegen über die hohe Polizeipräsenz vor Ort, ohne deren Schutz die Veranstaltung nicht hätte stattfinden können. „Wir schätzen, dass zwischen 40 und 50 Personen in Uniform und Zivil unterwegs waren, um uns vor linken Gewalttätern zu schützen“, so der Ortsverbandssprecher.

Schädel-Hirn-Trauma und Prellungen

Wer vor wem geschützt werden musste, darüber gibt es auch Tage später Diskussionen. Wie der DGB mitteilt, sei es zu einem tätlichen Angriff auf einen Gewerkschafter gekommen, der im Anschluss in ein Krankenhaus gebracht werden musste. Unter den Augen von Zeugen seien zwei mutmaßliche AfD-Anhänger auf den Mann losgegangen und hätten ihn so lange gewürgt, bis dieser bewusstlos zusammenbrach.

Die Hanauer Gewerkschaften vermuten, dass sich diese unter die Demonstranten gemischt hatten. Einer der beiden habe versucht, der DGB-Regionsgeschäftsführerin Ulrike Eifler das Mikro zu entreißen. Nachdem ein Ordner ihn aufgefordert hatte, den Platz zu verlassen, trafen sich die beiden Männer laut DGB am Rand der Kundgebungund griffen den Ordner im Anschluss an. Der Gewerkschafter sei mit einem Schädel-Hirn-Trauma, Prellungen und einer kurzzeitigen Amnesie von einem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht worden.

Polizei ermittelt wegen des Verdachts der Körperverletzung

Inzwischen sei Strafanzeige gegen die beiden Männer wegen schwerer Körperverletzung gestellt worden. Das bestätigt auch die Polizei auf Anfrage. Allerdings habe es zwei Anzeigen gegeben. Zwischen 18.30 und 19 Uhr habe es eine Auseinandersetzung gegeben, in die zwei Männer (74 und 71 Jahre alt) sowie ein 43-Jähriger verwickelt gewesen seien. Die drei seien in einen Streit geraten, der in „wechselseitigen Handgreiflichkeiten“ geendet haben soll. Gegen alle Beteiligten würde wegen des Verdachts der Körperverletzung ermittelt, so die Polizei.

Die Hanauer Gewerkschaften kündigten an, noch weiter zusammenzurücken. „Die Grenzen sind überschritten: Der Angriff zeigt, dass die verbalen Entgleisungen der AfD, wie wir sie in der letzten Woche gegen Ulrike Eifler und Tobias Huth erlebt haben, in offene Gewalt umschlagen können“, so Robert Weissenbrunner, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Hanau-Fulda.

Die Polizei bittet derweil Zeugen, die die Auseinandersetzung der drei Männer beobachtet haben, sich unter der Rufnummer 0 61 81/ 10 01 23 zu melden. Bei insgesamt fast 600 Personen in und um die Kulturhalle und der großen Polizeipräsenz sollte diese Bitte eigentlich leicht zu erfüllen sein. eho

 

 



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