Lesezeichen hinzufügen hanauer.de als Startseite
Schneeregen
0 ° C - Schneeregen
» mehr Wetter

Ingenieurbüro M&P äußert sich zu "gutachterlicher Stellungnahme"

Hammersbach

Artikel vom 26. Oktober 2019 - 12:26

Anzeige

Warum hat die Dietz AG die gutachterliche Stellungnahme bei M&P in Auftrag gegeben?

Da das Baugrundrisiko immer beim Bauherrn liegt, raten unabhängige Bauexperten dazu, für jedes Bauvorhaben eine Baugrunduntersuchung im Vorfeld durchführen zu lassen. Es dient also der Risikoabwägung und Absicherung für den Bauherrn.

Hatte die Dietz AG eine Erlaubnis zur Beprobung der Flächen?

Zum Teil. Zweckverbandsvorsitzender Michael Göllner hat nach eigener Aussage die Erlaubnis erteilt, auf den Flächen im westlichen Erweiterungsgebiet an der Autobahn, die bereits in Besitz des Zweckverbands sind, Proben zu entnehmen. Dort ergab die Beprobung keine Auffälligkeiten. Für die Untersuchung der landwirtschaftlichen Flächen auf Eckartshäuser Gemarkung, im östlichen potenziellen Erweiterungsgebiet, wurden die Eigentümer offenbar nicht um Genehmigung gebeten.

Warum haben die Landwirte ein eigenes Gutachten für ihre Flächen in Auftrag gegeben?

Das von der Dietz AG beauftragte Hagener Ingenieurbüros Mull und Partner (M&P) hat in seiner gutachterlichen Stellungnahme aufgrund der nachgewiesenen Konzentration des Stoffes Terbuthylazin eine mögliche Gefährdung für das Trinkwasser abgeleitet, da die Gemeinde Hammersbach über einen Brunnen in der Nähe die Wasserversorgung von Langen-Bergheim betreibt. Die Landwirte haben mit ihrem Gutachten den Nachweis erbracht, dass sie die Pflanzenschutzmittel ordnungsgemäß einsetzen und keine Gefahr für das Trinkwasser besteht.

Wie wurden die Proben durchgeführt?

Das Büro Schnabel hat am 11. Oktober 75 Einzeleinstiche pro Kulturfläche in einer Bearbeitungstiefe von null bis 20 Zentimeter mittels Pyrckhauer Bohrstock entnommen und zu einer Mischprobe vereinigt. Die Analyse führte das akkreditierte chemische Labor Dr. Mang in Frankfurt durch. Auch M&P hat am 25. Juli 75 Einzelproben entnommen und daraus drei Mischproben erstellt. Die Analyse führte die akkreditierte Eurofins Umwelt West GmbH in Wesseling durch.

Welche Stoffe wurden nachgewiesen?

Beide Ingenieurbüros haben den Stoff Terbuthylazin auf den Flächen im östlichen potenziellen Erweiterungsgebiet in der Gemarkung des Büdinger Stadtteils Eckartshausen nachgewiesen. Das von den Landwirten beauftragte Büro Joachim Schnabel aus Wöllstadt hat zudem Flufenacet, Fluopyram und Tebuconazol aufgeführt. Die ersten beiden Mittel kommen im Mais-Anbau zur Anwendung, die beiden letzten bei der Kultur Raps. Dies entspricht der Bewirtschaftung der zurückliegenden Vegetationsperiode. Unzulässige Pflanzenschutzmittel, wie das verbotene Aldrin, konnten nicht nachgewiesen werden.

Wie beurteilen die Behörden den Nachweis von Terbuthylazin?

Norbert Koch vom Pflanzenschutzdienst des Regierungspräsidiums Gießen schreibt: „Auf der fraglichen Fläche wurde 2019 Mais angebaut und unter anderem mit einem zugelassenen terbuthylazinhaltigen Pflanzenschutzmittel die Unkrautbekämpfung durchgeführt. Geht man von unseren Probenahmen und den dabei festgestellten Gehalten aus, so stellt sich der im Gutachten dokumentierte Wert von 3,6 µg/L Terbuthy-
lazin als Nachweis einer regulären zugelassenen Anwendung dar und ist nach meiner Auffassung im belebten Oberboden nicht zu beanstanden.“

Warum wird die Stellungnahme des Büros M&P kritisiert?

Sowohl BUND als auch das Büro Schnabel sehen fachliche Mängel bei der Interpretation der Werte. So habe M&P offenbar den Prüfwert des seit 1981 verbotenen Wirkstoffs Aldrin auf den nachgewiesenen Stoff Terbuthylazin angewendet. Des Weiteren habe das Büro die Werte unzulässigerweise mit der Trinkwasserverordnung verglichen, obwohl der Wirkstoff nicht im Trinkwasser, sondern im Oberboden gefunden wurde. Darauf bezieht sich die Behauptung des Büros M&P, der Wert, der ja eigentlich für Aldrin gilt, sei um das 18-fache überschritten.

Weiter schreibt das Sachverständigenbüro Schnabel: „Eine Schlussfolgerung, dass der von der M&P Ingenieurgesellschaft als 'belastet' bezeichnete Oberboden durch Bebauung 'gesichert' werden soll, widerspricht der guten fachlichen Praxis im Pflanzenschutz beziehungsweise in der Landwirtschaft. Eine Darstellung, dass die beprobten Flurstücke landwirtschaftlich nicht mehr zu gebrauchen seien, ist fachlich nicht nachvollziehbar.“ BUND-Vertreter Werner Neumann sagt: „Wenn eine Altlast vorliegen würde, dürfte diese nicht mit Logistikhallen überbaut werden, sondern wäre Grund genug, die geplante Bebauung abzusagen.“ Statt einer Versiegelung müsste eine Bodensanierung durch Abtrag der belasteten Erdschichten erfolgen.

Was sagt M&P zu den Vorwürfen?

Fabio Saladdino, der zuständige Projektleiter des Hagener Ingenieurbüros, das auch schon beim ersten Bauabschnitt im interkommunalen Gewerbegebiet Limes für die Dietz AG tätig war, bezeichnet die „gutachterliche Stellungnahme“ als eine erste „Bestandsaufnahme“, die nicht zur Veröffentlichung gedacht gewesen sei. „Die Stellungnahme sollte auch niemanden angreifen“, so Saladdino im Gespräch mit unserer Zeitung. „Angesichts der ersten Ergebnisse haben wir sicherheitshalber die Behörden informiert. Die müssen beurteilen, ob die Werte problematisch sind.“

Für eine umfassende Beurteilung sei diese erste Analyse viel zu gering, wie der Projektleiter erklärt. „Es handelt sich ja auch nur um eine erste Stellungnahme. Wir sind zurzeit dabei, ein ausführliches Gutachten zu erstellen. Wir wollen transparent und fachlich sauber arbeiten. Ich rate allen Beteiligten dazu, die Ergebnisse in Ruhe abzuwarten und zu interpretieren. Es macht keinen Sinn, jetzt tiefer in die fachliche Diskussion über die Stellungnahme einzusteigen.“ jow



Kommentare

Noch keine Kommentare vorhanden.