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Die Geschichte von Campo Pond

Artikel vom 22. August 2019 - 11:23

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Campo Pond, die Heimat der Przewalski-Pferde, diente mehr als sechs Jahrzehnte lang als militärisches Trainingsgelände für die US-Armee. Panzer und andere schwere Militärfahrzeuge befuhren regelmäßig das Gelände, Camps wurden errichtet und der Bau von Pontonbrücken am Teich geprobt. Als die Amerikaner Ende 2008 aus Hanau abzogen, ging Campo Pond, genau wie alle anderen amerikanischen Liegenschaften, in das Eigentum des Bundes über, der durch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) von der Sparte Bundesforst vertreten wird.

Campo Pond ist daher Konversionsgelände und nimmt mit 101 Hektar einen beachtlichen Teil der insgesamt 340 Hektar Konversionsflächen in Hanau ein. Campo Pond umfasst neben den Offenlandflächen auch rund 19 Hektar Wald, dieser gehört zum Teil der Stadt Hanau und dem Land Hessen. Auf dem über viele Jahrzehnte durch Drahtzäune abgeschlossenen Campo Pond haben zahlreiche besonders geschützte Pflanzen- und Tierarten überlebt.

Entstehung eines einzigartigen Biotop

Verursacht durch die stete Befahrung mit schweren Fahrzeugen ist dort ein einzigartiges Biotop entstanden. Unterschiedliche Lebensräume, wie Sand-Magerrasen, Steppenvegetation und nicht forstwirtschaftlich genutzten Wälder bieten Rehen, Kaninchen, Füchsen, Fledermäusen, vielen Insekten und diversen Amphibienarten ein Zuhause. Sogar Vertreter der seltenen Urzeitkrebse kommen auf dem Gelände vor.

Rund 70 Hektar des Geländes wurden aufgrund des besonders seltenen „Sand-Magerrasen“, vom Hessischen Naturschutz-Ministerium als FFH-Gebiet (Fauna-Flora-Habitat) ausgewiesen und sind somit durch EU-Verordnung als „Natura-2000-Gebiet“ geschützt. Der gute ökologische Zustand muss gemäß FFH-Richtlinie gehalten werden. Die Verantwortung zum Erhalt und Pflege des FFH-Gebiets obliegt dem Land Hessen in Abstimmung mit dem Eigentümer Bundesforst. Das Land Hessen muss alle sechs Jahre den Zustand der Flächen dokumentieren und an die EU nach Brüssel melden.

So entstand die Idee

Um den FFH-Status zu erhalten, entstand die Idee Przewalski-Pferde als Landschaftspfleger anzusiedeln. Sie pflegen das Fauna-Flora-Habitat „Campo Pond“, in dem sie neue Baumtriebe abknabbern („verbeißen“) und das Gelände von Unterholz freihalten. Damit tragen sie zur Offenhaltung des wertvollen Sand-Magerrasens bei. Durch das große Engagement und die finanzielle Unterstützung des Bundesforsts war es möglich, das Przewalski-Artenschutzprojekt nach Hanau zu holen.

Das Projekt ist eine Kooperation zwischen dem Bundesforst als Flächeneigentümer und Tierhalter, der Stadt Hanau, die regelmäßig Führungen und Kurse auf dem Gelände anbietet und die Pferdebetreuung finanziert sowie dem Zoo Frankfurt, dessen Tierärztinnen bei Bedarf die medizinische Versorgung der Pferde übernehmen. Zudem nehmen die Projektbeteiligten regelmäßig an Fachtagungen für Przewalski-Pferde teil und tauschen sich mit anderen Vertretern von Beweidungsprojekten wie Zoologen, Tierärzten, Förstern, Vertretern von Umweltbehörden, Pferdebetreuern und der Leitung des EEPs zu den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen aus. Bereits mehrfach wurde die Fachtagung inzwischen auch in Hanau ausgerichtet.  cd



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