Von innen hui: Die Betreiber des „Super la Vita“ führen eigentlich einen Lieferservice und haben vor einem Jahr auch ein Restaurant eröffnet. Foto: HA

Hanau

"Tischlein deck dich": Perfekte Pasta im "Super la Vita"

Hanau. Früher mochte der Besuch einer Trattoria wie dem „Super la Vita“ noch eine Herausforderung gewesen sein. Man findet es nämlich auf verschlungenen Pfaden abseits der Großauheimer Depotstraße am Alten Kahler Weg 7. Doch mit dem Navi ist das auch für Ortsunkundige kein Problem.

Die Lage ist nicht nur abseits, sie ist vor allem gewöhnungsbedürftig. Denn von außen sieht das Gebäude, in dem auch der Schützenverein zu Hause ist, mehr als unscheinbar aus.

Das war bis vor einem Jahr, als das „Super la Vita“ sich noch auf den Lieferservice beschränkt bat, kein großes Thema. Doch mittlerweile hat die Familie Ferraro drinnen ein nettes kleines Lokal mit über 40 Sitzplätzen eingerichtet und ermöglicht Kennern der Szene – und davon gibt es viele – jetzt auch mittags oder abends dort zu speisen.

Nudeln aus dem Parmesanlaib

Als wir eintreffen, ist es schon zehn Minuten nach zwei. Zwei Tische sind noch besetzt. Und nachdem der Kellner uns darauf aufmerksam gemacht hat, dass die Küche um halb drei schließt, drückt er beide Augen zu und lässt uns am Zweiertisch neben der Theke Platz nehmen.

Ein Kerzchen wird angezündet, die Getränke sind schnell bestellt und aus der reichhaltigen Karte mit allerlei Pasta-, Pizza- und sonstigen Gerichten wählen wir „Nudeln mare e monte“ (12,90 Euro) und „Nudeln aus dem Parmesanlaib“ (auch 12,90 Euro).

40 Minuten Wartezeit

Im Lokal, dessen Tische mit blaugestreiften Decken und Servietten eingedeckt sind, plaudern zwei über ihre saftig aussehenden Pizzen gebeugte Männer über die Auftritte einer Musikband. Der auf einem Deckchen daneben liegend Hund winselt hin und wieder sehsüchtig. Er hat offenbar auch Hunger – geht aber leer aus.

Auch an unserem Tisch entwickelt sich ein lebhaftes Gespräch. Und das ist gut so, denn gut Ding' hat heute Weile. Es dauert 40 Minuten, bis unsere Pastavariationen vor uns stehen. Wir hatten schon einmal nachgefragt, ob in der Küche alles in Ordnung sei und gerade begonnen, uns zu wundern. Doch beim Anblick unserer Teller breitet sich andächtige Stille aus. Erst isst das Auge und schweift über die liebevoll dekorierten Mahlzeiten, dann kommt der Magen zu seinem Recht.

Ein abgerundeter, kräftiger Geschmack

Die Komposition „Mare e monte“, also Meer und Gebirge, halten, was sie dem Namen nach versprechen: Miesmuscheln, Scampis und große Nudelstücke lassen einem das Wasser im Mund zusammen laufen. Das ganze Ensemble wird auf einem Stück Weißbrot angerichtet und schmeckt einfach nur gut.

Die Nudeln aus dem Parmesanlaib stehen dem in kaum etwas nach. Zwar lassen sich mit Pasta in Butter/Salbeisoße nicht ganz so schöne farbliche Effekte erzielen. Aber der Koch hat hier das Optimum herausgekitzelt: Die weißen und grünen Nudeln, die Kennerin tippt hier auf Bigoli, sind ganz sicher hausgemacht und verschränken sich unter einer Dekoration von Salbeiblättchen malerisch miteinander. Die Parmesanspäne runden den kräftigen Geschmack ab.

Mmmmmh, ein Genuss. Die Freunde, die uns den Geheimtipp ans Herz legten, wussten, was sie taten. Man muss nur ein wenig Zeit mitbringen, wenn man frisch zubereitete Meeresfrüchte mit Pasta genießen will, denn das war nach den Aussagen der freundlichen Bedienung der Zeiträuber. Als wir nach dem Bezahlen (37,30 Euro), nicht gerade billig aber angemessen, vor dem Lokal stehen, sorgt der gegenüber auf den Gleisen stehende Güterzug in der Nachmittagssonne für ein besonderes Stimmungs-Highlight. So originell und gleichzeitig lecker haben wir schon lange nicht mehr gegessen.

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