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„Akt des Terrors“ in Synagoge: Joe Biden verurteilt Geiselnahme

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Von: Katja Thorwarth, Tim Vincent Dicke

In der US-Stadt Colleyville stürmt die Polizei eine Synagoge und befreit die Geiseln. Die Spur des Geiselnehmers führt nach Großbritannien.

+++ 13.45 Uhr: Nach der gewaltsam beendeten Geiselnahme in einer Synagoge in den USA hat die Polizei den ums Leben gekommenen Tatverdächtigen als britischen Staatsbürger identifiziert. Es handle sich um einen 44-Jährigen mit dem Namen Malik Faisal Akram, teilte das FBI am Sonntag mit. Der bewaffnete Mann war tot geborgen worden, nachdem eine Spezialeinheit des FBI die Synagoge in Colleyville bei Dallas-Fort Worth in Texas am Samstag gestürmt hatte. Die vier Geiseln, die der Mann während eines Gottesdienstes genommen hatte, kamen unverletzt frei.

US-Präsident Joe Biden bezeichnete die Geiselnahme als einen „Akt des Terrors“. Ersten Erkenntnissen zufolge habe der Täter nach seiner Ankunft im Land Waffen gekauft und seine erste Nacht in einer Unterkunft für Obdachlose verbracht, sagte Biden am Sonntag. Biden und Vizepräsidentin Kamala Harris riefen die Bevölkerung zur Bekämpfung von Antisemitismus und Hass auf.

Über mehrere Stunden wurden vier Geiseln in dieser Synagoge festgehalten.
Über mehrere Stunden wurden vier Geiseln in dieser Synagoge festgehalten. © Brandon Wade/dpa

In Großbritannien meldete sich ein Bruder des Mannes zu Wort. Die Familie distanziere sich von der Tat und bitte die Betroffenen um Entschuldigung, schrieb der Bruder auf der Facebook-Seite der muslimischen Gemeinde der nordenglischen Stadt Blackburn. Der Geiselnehmer sei psychisch krank gewesen. Während der Geiselnahme habe die Familie im Polizeirevier von Blackburn verbracht. Dort sei sie im Kontakt mit dem FBI und dem Geiselnehmer gewesen, habe ihn jedoch von seiner Tat nicht abbringen können.

Ein mit dem Vorgang vertrauter Behördenvertreter hatte dem Sender ABC gesagt, der Geiselnehmer habe die Freilassung der in den USA inhaftierten pakistanischen Neurowissenschaftlerin Aafia Siddiqui verlangt. Sie war 2010 schuldig gesprochen worden, auf Soldaten und FBI-Beamte geschossen zu haben, und verbüßt in der Nähe von Fort Worth eine auf 86 Jahre angesetzte Gefängnisstrafe. Ein Anwalt Siddiquis sagte dem Sender CNN, die Familie der Frau verurteile die Tat. Er widersprach der Behauptung des Geiselnehmers, er sei Siddiquis Bruder.

Colleyville: Geiseln aus Synagoge in Texas befreit - Britische Polizei nimmt zwei Jugendliche fest

Update vom Montag, 17.01.2022, 07.00 Uhr: Die britische Polizei hat im Zusammenhang mit der Geiselnahme in einer Synagoge in Colleyville in den USA zwei Jugendliche festgenommen. Die Jugendlichen seien am Sonntagabend im Süden der Stadt Manchester in Nordengland festgenommen worden, teilte die Anti-Terror-Polizei mit. „Sie bleiben zur Befragung in Gewahrsam“, erklärte die Polizei der Region Manchester weiter.

Die US-Bundespolizei identifizierte den Geiselnehmer als einen 44-jährigen britischen Staatsbürger namens Malik Faisal Akram. Es gebe derzeit keine Hinweise auf weitere Tatbeteiligte, erklärte das FBI in Dallas. Die britische Polizei bestätigte die Identität des Tatverdächtigen, der aus Blackburn stamme.  

USA: Geiseln nach Erstürmung der Synagoge befreit - Täter wollte Terrorverdächtige befreien

Update vom Sonntag, 16.01.2022, 06.45 Uhr: Die Polizei hat die Geiselnahme in einer Synagoge im US-Bundesstaat Texas mit einer Befreiungsaktion beendet. Alle Geiseln in der Kleinstadt Colleyville unweit von Dallas seien „am Leben und in Sicherheit“, teilte der texanische Gouverneur Greg Abbott am Samstag (Ortszeit) im Onlinedienst Twitter mit. Die erste der vier Geiseln war vorab bereits freigelassen worden. Der Geiselnehmer, der offenbar eine verurteilte Terroristin hatte freipressen wollen, starb nach Angaben der Polizei bei dem Einsatz.

Etwa zehn Stunden nach dem Beginn der Geiselnahme startete die Befreiungsaktion in der Synagoge. „Das Geiselbefreiungsteam stürmte die Synagoge“, sagte Colleyvilles Polizeichef Michael Miller bei einer Pressekonferenz. „Der Verdächtige starb.“ Journalisten berichteten von einer lauten Explosion und Schüssen in der Synagoge, kurz bevor Abbott die Befreiung der Geiseln verkündete.

Geiselnahme in Texas
Polizeichef Michael Miller gibt Auskunft über die Geiselnahme. © Smiley N. Pool/The Dallas Morning News/dpa

Geiselnahme in den USA: Geiselnehmer wollte pakistanische Wissenschaftlerin befreien

Laut ABC verlangte der Geiselnehmer die Freilassung seiner „Schwester“, der pakistanischen Wissenschaftlerin Aafia Siddiqui, die 2010 von einem New Yorker Gericht wegen Terrorvorwürfen zu 86 Jahren Haft verurteilt worden war. Einige Experten äußerten die Einschätzung, ihre Bezeichnung als „Schwester“ sei im übertragenen Sinne als Schwester im islamischen Glauben gemeint.

Siddiqui war wegen versuchten Mordes an US-Kräften in Afghanistan verurteilt worden. US-Boulevardmedien gaben ihr in Anspielung auf das Terrornetzwerk Al-Kaida den Beinamen "Lady Kaida". Der Fall hatte in Pakistan für große Empörung gesorgt. Siddiqui ist in Texas inhaftiert.

USA: Mann nimmt Geiseln in Synagoge – Bombendrohung für unbekannte Orte

Erstmeldung vom Samstag, 15.01.2022, 22.30 Uhr: Colleyville – Medienberichten zufolge hält ein bewaffneter Geiselnehmer mehrere Menschen in einer Synagoge im US-Bundesstaat Texas gefangen. Ein Polizeibeamter sagte gegenüber dem Fernsehsender CNN, dass es sich offenbar um mindestens vier Geiseln der Beth-Israel-Gemeinde in Colleyville handelt.

Die Polizei bittet die Bevölkerung, das Gebiet um die Synagoge in Colleyville zu meiden. Unter anderem ist das FBI im Einsatz. „Die Verhandlungsführer des FBI sind diejenigen, die mit der Person im Gebäude Kontakt haben“, sagte eine Polizeisprecherin laut CNN. Für Personen außerhalb der Glaubensstätte bestehe derzeit keine Gefahr.

Geiselnahme in Synagoge in den USA: Täter droht mit Bomben

Auf Twitter teilte die Polizei von Colleyville mit: „Wir führen derzeit SWAT-Einsätze (...) durch. Alle Anwohner in der unmittelbaren Umgebung werden evakuiert. Bitte meiden Sie das Gebiet.“ Laut ABC News soll der Geiselnehmer behauptet haben, Bomben an unbekannten Orten gelegt zu haben.

Ein US-Beamter sagte dem Sender, dass der Geiselnehmer angegeben habe, der Bruder einer verurteilten pakistanischen Terroristin zu sein. Der Verdächtige habe die Freilassung der Schwester gefordert, so der Beamte. Fest steht die Identität des Täters allerdings noch nicht.

Die Nachrichtenagentur AFP berichtet, dass in einer Live-Übertragung des Morgengebets der Gemeinde die Stimme eines Mannes zu hören war, der danach verlangte, mit seiner Schwester zu telefonieren. Außerdem war laut der Agentur zu hören, wie er sagte: „Ich werde sterben“ und „Mit Amerika stimmt etwas nicht“. (tvd/ktho mit dpa/AFP/rtr)

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