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Vierjähriger fällt in Pool und droht zu ertrinken - zum Glück ist Nachbarsjunge in der Nähe

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Von: Marcus Giebel

In den USA ist ein autistisches Kleinkind in einen Pool gefallen. Ein Teenager aus der Nachbarschaft wurde Zeuge des Unglücks und rief seinen Vater. Am Ende werden beide ausgezeichnet.

München - Nachbarn können manchmal nervig, aber wohl deutlich häufiger nützlich sein. Gerade wenn die Milch oder die Butter unerwartet ausgeht. Gar nicht wenige Menschen pflegen ein engeres Verhältnis zu ihren Nachbarn als zum Großteil der eigenen Familie. Kein Wunder: Man sieht sich häufig, kommt ins Gespräch, entdeckt gemeinsame Interessen und verbringt immer mal wieder spontan eine gute Zeit miteinander.

Wirklich nahe standen sich die beiden Familien, um die es in dieser Geschichte gehen soll, eigentlich nicht. Zumindest bis zu jenen schicksalhaften Minuten am 18. Mai, als ein Zwölfjähriger und sein Vater zu Lebensrettern wurden. Denn ohne ihr schnelles Eingreifen, wäre der kleine Xavier nun vielleicht nicht mehr unter uns. So lautet jedenfalls die Einschätzung der Ersthelfer, die an den Unglücksort in Lawrence im US-Bundesstaat Kansas gerufen wurden.

Vierjähriger fällt in Pool: Nachbarsjunge und sein Vater retten Kleinkind

Videoaufnahmen hielten die Tragödie an jenem Mittwoch fest. Zu sehen ist zunächst ein kleiner Junge, bekleidet nur mit einer Windel, der an leeren Liegestühlen vorbei auf einen menschenleeren Pool zuläuft, dabei zwar immer langsamer wird, aber letztlich ohne ganz abzubremsen hineinfällt. Es ist der vierjährige Xavier, Autist, und laut seiner Mutter nicht in der Lage zu sprechen.

So konnte der Kleine nicht auf sich aufmerksam machen. Doch zum Glück war Nachbarsjunge Maddox in der Nähe und reagierte geistesgegenwärtig. „Meine Freunde haben mir zugerufen, ich solle Hilfe holen. Ich habe nur gedacht: ‚Oh, nein.‘ Und dann bin ich losgerannt“, beschrieb der Teenager die bangen Momente bei einem öffentlichen Auftritt der Polizei, die ihn und seinen Vater Tom Westerhouse für die Hilfsmaßnahmen auszeichnete.

Nachbarn werden Lebensretter: Mutter von Xavier „dankbar, dass es ihm gut geht“

Das Police Department bezeichnete beide als „lokale Helden“, die für einen „erstaunlichen Ausgang“ gesorgt hätten. Denn Xavier, der bei dem Termin ebenfalls dabei war, ist dank seiner Nachbarn wieder wohlauf und hat keine bleibenden Schäden des Unglücks davongetragen.

Seine überglückliche Mutter Alexis sagte unter Tränen: „Ich bin dankbar, dass es ihm gut geht. Er ist mein bester Freund. Ich weiß gar nicht, was ich ohne ihn tun würde.“ Sie habe an besagtem Tag gerade nach ihrem vier Monate alten Baby geschaut, weil es geweint habe, als sie feststellen musste: Xavier ist weg!

Im Appartement fand sie ihn nirgendwo. Dann hörte sie die Sirenen und folgte den Sanitätern zum eingezäunten und zum Gebäudekomplex gehörenden Pool: „Ich hätte niemals gedacht, dass er in den Pool fallen könnte.“ Zunächst habe sie nicht erkennen können, ob er sich bewege, „deshalb wusste ich nicht, ob mit ihm alles in Ordnung war“.

Poolwasser und ein Beckenrand
Glück im Unglück: Dank der aufmerksamen und schnell eingreifenden Nachbarn überlebte ein Vierjähriger den Sturz in einen Pool. (Symbolbild) © IMAGO / YAY Images

Autistisches Kleinkind vor Ertrinken gerettet: Wiederbelebungsmaßnahmen am Poolrand

Drei Minuten und 22 Sekunden sei Xavier unter Wasser gewesen, erklärten die Rettungskräfte später. Die Überwachungskamera zeigt auch, wie Westerhouse den Kleinen aus dem Wasser zieht und direkt am Poolrand mit den Wiederbelebungsmaßnahmen beginnt. Fast drei Minuten lang kämpfte er so um Xaviers Leben: „Als er damit begann, das Wasser auszuhusten, wusste ich, dass es ein gutes Zeichen ist.“

Die rettenden Handgriffe habe er vor mehr als 15 Jahren gelernt: „Ich habe mich noch an die Herzdruckmassage und alles erinnert, es kam alles wie aus meinem Hinterkopf.“ Als die Rettungskräfte eintrafen, um Westerhouse abzulösen, atmete Xavier und war wach. So ist die 100.000-Einwohnerstadt im Mittleren Westen nun um zwei Helden und ein kleines Wunder reicher.

Mutter von Xavier nach Unglück: „Autistische Kinder werden von Wasser angezogen“

Zugleich wurde auf ein wohl kaum beachtetes Thema aufmerksam gemacht: Laut der National Drowning Prevention Alliance - also die Vereinigung zur Verhinderung solcher Unglücke - ist die Gefahr zu ertrinken für autistische Kinder zehnmal höher als für andere Kinder. Bei Ein- bis Vierjährigen sei es grundsätzlich die häufigste Todesursache.

Auch Xaviers Mutter lernte so noch etwas Wichtiges dazu: „Viele autistische Kinder lieben große Gewässer, Pools, Seen und den Ozean, sie fühlen sich davon angezogen. Das war mir bislang nicht bewusst.“ Fraglich bleibt nur, wie der Kleine den Zaun überwunden hat. Sollte er aufgrund der Anziehungskraft des Wassers darüber hinweggestiegen sein, wäre das ein weiteres Alarmsignal. (mg)

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