Jahrhundert-Hochwasser in Sibirien: 18 Tote - hunderte Verletzte - Schwere Vorwürfe gegen Behörden
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Jahrhundert-Hochwasser in Sibirien: 18 Tote - hunderte Verletzte - Schwere Vorwürfe gegen Behörden

Zerstörerische Flut

Jahrhundert-Hochwasser in Sibirien: 18 Tote - hunderte Verletzte - Schwere Vorwürfe gegen Behörden

Die russischen Behörden stehen nach den schweren Überschwemmungen in der Baikalregion massiv in der Kritik. Hat Behördenversagen Menschenleben gekostet?

Update 13. November 2019: Immer häufiger kommt es zu Überschwemmungen durch Hochwasser. Nicht nur in Sibirien, sondern auch in Italien. Vor allem Venedig hat es gerade schlimm erwischt. Der Markus Dom in Venedig steht unter Wasser und das Hochwasser forderte sogar Tote.

Update vom 1. August 2019: Erst Überschwemmung, nun brennt es. In Sibirien steht eine Waldfläche der Größe Brandenburgs in Flammen, Trockenheit, Hitze und heftige Winde machen die Löscharbeiten nahezu unmöglich.

Einige Monate nach dem Jahrhundert-Hochwasser kamen bei einem Bus-Drama in Sibirien mindestens 15 Menschen ums Leben: Das Fahrzeug stürzte auf einen gefrorenen Fluss. 

Jahrhundert-Hochwasser in Sibirien: 18 Todesopfer, noch 13 Vermisste

Update vom 2. Juli 2019: Beim Jahrhundert-Sommerhochwasser in Sibirien sind nach Angaben russischer Behörden bisher mindestens 18 Menschen ums Leben gekommen. 13 Bewohner der Region Irkutsk würden noch vermisst, meldete die Agentur Interfax am Dienstag unter Berufung auf die regionale Zivilschutzbehörde. 190 Menschen mussten demnach in Krankenhäusern behandelt werden. Insgesamt hätten mehr als 1200 Menschen in dem Hochwassergebiet medizinische Hilfe gebraucht.

Tausende Häuser standen weiter unter Wasser. Die Behörden sprechen vom schlimmsten Sommer-Hochwasser in der mehr als 100-jährigen Geschichte der Wetteraufzeichnungen im Irkutsker Gebiet. Insgesamt wurden nach Angaben des Zivilschutzministeriums seit dem 25. Juni rund 96 Ortschaften und mehr als 10 000 Gebäude überschwemmt. Hunderte der oft aus Holz errichteten Häuser sind völlig zerstört. Mehr als 30 000 Menschen in der Region kämpften mit den Folgen des Hochwassers, hieß es.

Russische Zeitungen warfen den Behörden teils auf Titelseiten Versagen vor. Gleichgültigkeit der Beamten habe zu den schlimmen Zuständen geführt, berichtete das Boulevardblatt „Moskowski Komsomolez“ am Dienstag. Bürger klagten über die Arbeit der Rettungskräfte. Es gebe Wucherei, der Benzinpreis etwa sei auf umgerechnet knapp fünf Euro je Liter gestiegen. Dämme seien nicht vorschriftsmäßig gebaut gewesen.

Mehrere Tote und Hunderte Verletzte bei Hochwasser in Sibirien - Putin vor Ort

Irkutsk - Bei einem schweren Hochwasser in Sibirien sind nach Angaben des russischen Zivilschutzes mindestens fünf Menschen ums Leben gekommen. Zudem sei das Schicksal von zwei Menschen nicht geklärt, sagte der russische Zivilschutzminister Jewgeni Sinitschew am Samstagabend der Agentur Interfax zufolge in der Stadt Bratsk. Zuvor war von drei Toten die Rede gewesen. Sinitschew sprach auch von mehr als 350 Verletzten. Etwa 100 von ihnen würden in Krankenhäusern behandelt. In Bratsk landete am Abend überraschend der russische Präsident Wladimir Putin und kündigte rasche Hilfe an.

Nach tagelangen Regenfällen waren im Irkutsker Gebiet rund 50 Ortschaften in den Fluten versunken

Mehr als 4000 Gebäude, zahlreiche Brücken und Straßen wurden beschädigt oder zerstört. Mehr als 10 000 Menschen seien von den Überschwemmungen betroffen, hieß es. Viele mussten mit Booten und Rettungshubschraubern in Sicherheit gebracht werden. Der Zivilschutz warnte, dass sich die Hochwasserlage wegen anhaltenden Regens noch verschlimmern werde. In den betroffenen Gebieten wurde der Ausnahmezustand verhängt.

Kremlchef Putin landete in der Stadt Bratsk auf dem Rückweg vom G20-Gipfel in Japan. Er wies der Agentur Interfax zufolge Behörden an, den Menschen rasch und unbürokratisch Hilfe zukommen zu lassen und die Funktionsfähigkeit der Infrastruktur sowie die Stromversorgung wieder herzustellen. Die Bürger bräuchten medizinische Hilfe, Medikamente und etwas zu essen und zu trinken, sagte er. Zudem müssten die Menschen besser darüber informiert werden, wo sie Hilfe bekommen können. Er warnte Händler davor, die Preise auf Lebensmittel zu erhöhen und aus dem Unglück der Menschen Kapital zu schlagen.

„Das Hochwasser steigt leider weiter“, sagte Putin. Deshalb müssten weitere Notunterkünfte eingerichtet werden. Kinder sollten in anderen Regionen in Russland in Sommerferienlagern untergebracht werden, Kleinkinder gemeinsam mit ihren Eltern. Sobald sich die Lage entspanne, müsse rasch mit dem Wiederaufbau begonnen werden. Der Sommer sei kurz, der Winter kehre schnell wieder ein in Sibirien, betonte er.

Durch den Regen trat in mehreren Flüssen das Wasser über die Ufer. Medien berichteten von zahlreichen Vermissten sowie vielen toten Nutztieren, darunter Kühe und Pferde. Im russischen Fernsehen waren dramatische Rettungsszenen und große Zerstörungen zu sehen. Einsatzkräfte brachten Nahrungsmittel und Trinkwasser in die Region. Regierungschef Dmitri Medwedew ordnete zudem die Auszahlung von finanziell gestaffelten Soforthilfen an - für die Hinterbliebenen der Toten, für die Verletzten und für durch Schäden betroffene Bürger.

Die Region kommt seit Monaten nicht zur Ruhe. Zuletzt hatte es in dem Gebiet nach langer Trockenheit auch schwere Waldbrände gegeben, bei denen ebenfalls Häuser zerstört wurden. Bürger klagten, dass in der klimatisch ohnehin schwierigen Region mit einem kurzen Sommer nun auch große Teile des angebauten Obstes und Gemüses zerstört seien.

Europa wird unterdessen weiter von einer rekordverdächtigen Hitzewelle überrollt. 

dpa

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