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Lauterbach mit Hiobsbotschaft: „Die Delta-Variante verändert sich gerade“ - und könnte im Herbst bevorstehen

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Von: Magdalena Fürthauer

Die durch die Omikron-Variante stark steigenden Fallzahlen machen Karl Lauterbach Grund zur Sorge. Er hält sogar eine weitere Mutation des Virus im Herbst für wahrscheinlich.

München - Deutschlandweit erreichen die Corona-Zahlen Tag für Tag einen neuen Rekord. Meldete das RKI am Samstag noch eine Sieben-Tage-Inzidenz von 497.1, sind es am Sonntagmorgen bereits 515.7 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in einer Woche. Es ist ein erneutes Allzeit-Hoch der Zahlen. Für Gesundheitsminister Karl Lauterbach ist die derzeitige Situation daher alles andere als beruhigend - auch wenn Omikron noch nicht allzu großen Niederschlag auf den Intensivstationen gefunden hat.

Corona: Karl Lauterbach warnt vor mutierter Delta-Variante im Herbst

Im Interview mit der Bild am Sonntag spricht er ausführlich über die Gefahr, die von der Corona*-Mutante ausgeht. Studien würden zwar ergeben, dass im Vergleich zur Delta-Variante das Risiko für einen Krankenhausaufenthalt um 50 Prozent, für den Tod sogar um 70 Prozent reduziert sei, doch all das würde bei einer zu hohen Zahl an Infektionen auch nicht helfen. „Ich warne daher dringend davor, Omikron zu unterschätzen“, so Lauterbauch.

Er glaubt außerdem nicht daran, dass es die letzte Variante gewesen sein könnte. „Es gibt keinen einzigen mir bekannten namhaften Wissenschaftler, der behauptet, dass Omikron das Ende von Corona ist“, meint der Gesundheitsminister. Als Schutz vor einer erneuten Welle im Herbst brauche es daher unbedingt eine Impfpflicht. Ansonsten müsse man erneut „wegen der Ungeimpften“ Kontaktbeschränkungen verhängen.

Karl Lauterbach: Delta-Mutation möglich - Impfpflicht als Ausweg

Es sei gut möglich, „dass wir es im Herbst mit einem mutierten Delta-Typ zu tun bekommen. Die Delta-Variante verändert sich gerade“, meint Lauterbach gegenüber der Bild. Menschen ohne Impfung seien davon stark gefährdet. Weltweit seien sich Wissenschaftler jedoch ebenso einig, dass es wohl keine neue Variante geben werde, gegen die ein dreifacher Geimpfter nicht geschützt ist.

Gesundheitsminister Karl Lauterbach bei einer Pressekonferenz.
Gesundheitsminister Karl Lauterbach hält eine Delta-Mutation im Herbst für wahrscheinlich. © Emmanuele Contini via www.imago-images.de

Daher bestehe auch für ihn eine vollständige Impfung aus drei Dosen. Damit sei man „zumindest vor schwerer Krankheit und Tod“ geschützt, egal, bei welcher Variante. Um nun auch „den harten Kern von Ungeimpften“ erreichen zu können, brauche es schlicht eine Impfpflicht. Andernfalls halte Lauterbach es für „ausgeschlossen“, aus der Pandemie rauszukommen.

Corona: Lauterbach warnt vor „Infektionswand“ durch Omikron

Ebenso wie Virologe Christian Drosten hält er es für unklug, die hochansteckende Omikron-Variante einfach durchrauschen zu lassen. Andere Länder könnten das tun, weil sie sehr viel mehr ältere Geimpfte hätten als Deutschland. So sei in der Bundesrepublik jeder Achte über 60 ungeimpft, Großbritannien hingegen habe eine Impfquote von 95 Prozent in jener Altersgruppe. Hinzu kämen die vielen chronischen Erkrankungen in der älteren Bevölkerung.

Würde man unter solchen Bedingungen dem Virus ohne Maßnahmen begegnen, stehe man bald vor einer „Infektionswand“, die sich auf das Gesundheitssystem auswirken werde, so Lauterbach weiter. Momentan würden schlicht die Jüngeren häufiger erkranken, weswegen Omikron sich noch nicht allzu stark auf den Intensivstationen bemerkbar gemacht habe. Doch das werde sich ändern. In diesem Fall drohe „die Schließung ganzer Abteilungen“ sowie die Einschränkung der Behandlung anderer Kranker.

Corona: Lauterbach schließt Lockdown aus - Booster-Impfungen im Fokus

Auf die Frage der Bild hin, ob in der Situation die aktuellen Maßnahmen ausreichen würden, verweist Lauterbach auf die nächste Ministerpräsidentenkonferenz am 24. Januar. „Wenn sich die Fallzahlen dann zu einer zu steilen Wand auftürmen, müssen wir wohl noch einmal nachlegen“, prognostiziert der Gesundheitsminister. Einen erneuten Lockdown, der allen voran die Schulen betreffen würde, wolle er jedoch verhindern.

Am wichtigsten sei es ihm, bei den Anreizen für die dritte Impfung nachzulegen. „Für den Alltag muss gelten: Wer sich boostern lässt, schützt sich nicht nur, sondern hat auch mehr Freiheiten im Alltag“, so Lauterbach. Man brauche zumindest eine Millionen Booster-Impfungen pro Tag, um die Infektionskurve langfristig abzuflachen. Das sei für ihn der Weg aus der Pandemie. (mef) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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