Droht zweite Welle?

Corona-Zahlen steigen drastisch - Virologe überrascht mit Aussage: „Kein Grund zur Panik“

  • Christoph Stadtler
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Seit Ende Juli steigen in Deutschland die Corona-Fallzahlen. Laut Robert-Koch-Institut liegt das auch an den Urlaubsreisenden. Ein Virologe beruhigt aber.

  • Seit Ende Juli steigen in Deutschland die Corona-Zahlen.
  • Ein Grund: Einreisende aus Urlaubsländern.
  • Ein Top-Virologe beruhigt aber und glaubt (erst einmal) nicht an eine zweite Infektionswelle.

Sommerzeit gleich Urlaubszeit. Doch auch zu Covid-19-Zeiten läuft der Urlaub anders ab als wir das sonst gewohnt sind. Für beliebte Urlaubsländer wie die Türkei oder Ägypten gab oder gibt es Reisewarnungen vom Auswärtigen Amt. Und dann besteht natürlich immer die Gefahr einer Ansteckung mit dem Coronavirus*.

Diese Gefahr droht aber natürlich auch bei Reisen innerhalb Deutschlands. Vor allem weil seit Wochen die Infektionszahlen wieder steigen - auch hier bei uns. Die aktuellen Zahlen des Robert-Koch-Instituts besagen einen Anstieg zum Vortag von 1.707 Fällen (Stand: 20.8.20, 00.00 Uhr) - so viele wie schon lange nicht mehr. Höher lag die Zahl zuletzt am 26. April mit 1737 registrierten Neuinfektionen. Damit sind die Ansteckungen auch wieder über die Schwelle von 1000 geklettert. Droht tatsächlich eine zweite Welle?

Corona-Zahlen steigen: Was sind die Gründe?

Nicht unbedingt, wenn es nach Virologe Jonas Schmidt-Chanasit geht. Dieser gegenüber der Bild-Zeitung (hinter Bezahlschranke): „Das aktuelle Infektionsgeschehen als zweite Welle zu bezeichnen, sehe ich kritisch. So wie ich den Begriff verstehe, gäbe es eine zweite Welle, wenn unser Gesundheitssystem an seine Grenze käme, das tut es aber derzeit nicht.“ Der Wissenschaftler vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg hat auch eine Erklärung für seine Annahme: „Wenn mehr getestet wird, können auch mehr Fälle identifiziert werden. Aber: Solange der prozentuale Anteil der positiven Tests nicht ansteigt, sondern eher abfällt, deutet dies daraufhin, dass die Infektionen ansteigen, weil mehr getestet wird.“

Mehr Tests, gleich mehr Fälle? Ja und Nein. Die Testkapazitäten wurden zwar im Vergleich zum Frühjahr fast verdoppelt - vom 3. bis zum 9. August wurden rund 670.000 Menschen getestet, das macht 100.000 mehr als in der Vorwoche - , dennoch hatte das RKI vor einigen Tagen vor den steigenden Fallzahlen gewarnt, die nicht nur mit dem vermehrten Testaufkommen zu erklären seien. Es bleibt aber positiv festzuhalten: Nur ein Prozent aller Corona*-Tests sind positiv. Und eine weitere Tatsache macht laut Virologe Schmidt-Chanasit Hoffnung: „Ein Blick auf die Belegung der Intensivstationen zeigt: Uns ist es bisher gut gelungen, die Risikogruppen zu schützen. Wenn das weiterhin gelingt, gibt es keinen Grund zur Panik.“

Steigende Corona-Zahlen: Urlauber bringen Virus aus dem Ausland mit

Als einen Grund für den Anstieg der Infektionszahlen nennt das RKI auch Reiserückkehrer. Demnach soll der Anteil der Ansteckungen im Ausland in der Meldewoche 33 (10. bis 16.8.) bei 39 Prozent liegen. Zum Vergleich: In Meldewoche 32 hatten sich laut RKI 34 Prozent wahrscheinlich im Ausland angesteckt, in der Meldewoche 31 waren es lediglich 21 Prozent.

Den größten Zuwachs gab es bei Einreisenden aus dem Kosovo. Hier liegen mittlerweile 1755 Fälle vor. Es folgen die Türkei (1134), Kroatien (786), Bulgarien (322), Bosnien und Herzegowina (297) und Spanien (222). Die meisten Ansteckungen gibt es aber weiterhin innerhalb Deutschlands (9519).

Einreisende bringen Coronavirus nach Deutschland - RKI mit neuen Zahlen

Zuletzt sah sich Bundeskanzlerin Angela Merkel* bemüßigt an die Bürger zu appelliert, die Corona-Regeln einzuhalten. Zudem sprach sie sich für ein konsequentes Durchgreifen gegenüber Maskenverweigerer aus: „Das ist eine Entwicklung, die so nicht weitergehen sollte, sondern die wir eindämmen sollten“, so Merkel* am Dienstag (18.8.) in Düsseldorf.

Um den steigenden Fallzahlen Herr zu werden, will der spanische Gesundheitsminister ein Rauchverbot auch an der frischen Luft durchsetzen. Raucher dürften darüber nicht erfeut sein. Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Länderchefs werden nächste Woche nach langer Zeit wieder gemeinsam über das weitere Vorgehen in der Corona-Krise beraten. *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Rubriklistenbild: © Karl-Josef Hildenbrand/dpa/picture alliance

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