Ein Mann geht am 29.01.2015 auf einem Weg nahe Geiselhöring (Bayern) im niederbayerischen Landkreis Straubing-Bogen.
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Nach einem Ehestreit geht ein Lombarde spazieren - und er geht einfach weiter und weiter. (Symbolbild)

Corona-Ausgangssperre in Italien missachtet

Italiener muss „kleinen Ausflug“ büßen: Mann macht Spaziergang nach Ehe-Streit - er läuft einfach immer weiter

  • vonCornelia Schramm
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So leidenschaftlich sie lieben, so temperamentvoll können sie auch streiten: Nach einem Streit mit seiner Ehefrau wollte ein Italiener an der frischen Luft Dampf ablassen - bei einer kleinen Runde blieb es aber nicht.

  • Schluss mit Pasta und Amore: In Corona*-Zeiten kann einem Italiener im Lockdown schon einmal die Sicherung durchbrennen.
  • Nach einem Streit mit seiner Frau verließ ein Lombarde jetzt das gemeinsame Haus - und kam nicht wieder.
  • Vom Verlassen war keine Rede, der Mann musste offenbar nur den Kopf freikriegen.

Como - „Ich bin nur kurz Zigaretten holen“: Die klassische Ausrede hat er seiner Ehefrau an jenem Tag nicht zugerufen, als er durch die Haustür nach Draußen verschwand. Mit einem deftigen „Ich habe es satt, ich gehe aus“, verabschiedete er sich und knallte die Tür ihres gemeinsamen Hauses hinter sich zu. Es muss ein saftiger Ehestreit gewesen sein, der ihren Mann so empört hat, dass er an die frische Luft wollte. Denn bei einer kleinen Runde um den Block blieb des dann nicht - nicht einmal bei einem längeren Spaziergang rund um den Comer See, wo das Paar lebt.

Wie die italienische Tageszeitung Il Resto del Carlino berichtet, lief der 48-Jährige der Polizei direkt in die Arme. Und zwar einige Kilometer - ja sogar einige Tage - später. Ganze 450 Kilometer hatte er nämlich da bereits nach dem Streit mit seiner Ehefrau aus Wut, Frust - oder vielleicht auch einem Corona-bedingten Lagerkoller - zurückgelegt. Von Como in der Lombardei lief er immer weiter südlich bis in die Küstenstadt Fano in den Marken.

Leicht hinkend und mitten in der Nacht erreichte er Fano. Aufgrund der Coronavirus-Pandemie* hat Italiens Regierung zuletzt verschärfte Kontakt-und Freiheitsbeschränkungen erlassen, sodass von 22 bis fünf Uhr morgens eine Ausgangssperre gilt. Zwei Polizeibeamte patrouillierten gerade, als ihnen der „Spaziergänger“ in der Dunkelheit auffiel. Sie hielten ihn daraufhin an und stellten ihn zur Rede. Seine Antwort verblüffte sie wohl nicht schlecht. Er komme aus der Lombardei, habe sich mit seiner Gattin gestritten - und deshalb einen Spaziergang gemacht.

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„Unterwegs haben die Leute mir Essen gegeben, mir geht es gut, aber ich bin ein bisschen müde“, erzählte der Italiener weiter. Er betonte, dass er die ganze Zeit einfach nur gegangen war und kein Transportmittel* benutzt habe. In Fano habe er sich vor einigen Jahren einmal im Urlaub sehr wohlgefühlt. Es ist eine Szene, die fast schon an den US-amerikanischen Kult-Film „Forest Gump“ erinnert. Sie könnte aber auch einer italienischen Seifenoper entsprungen sein.

Durchschnittlich 65 Kilometer am Tag legte der Lombarde so zu Fuß zurück bis er den Polizisten in die Hände fiel. Diese nahmen ihn mit auf das Revier und ließen sich die Geschichte noch einmal von vorne erzählen. Der Mann wirkte auf sie klar und bei Verstand. Schließlich glaubten sie ihm, auch weil sie herausfanden, dass er bereits vor einer Woche von seiner Familie als vermisst gemeldet worden war. Den „Langstreckenläufer“ buchten die Beamten dann in ein Hotelzimmer ein und informierten seine Frau, dass ihr vermisster - oder eher abtrünnig gewordener - Ehemann jetzt gefunden wurde.

Corona-Geldstrafe: Italiener muss „kleinen Ausflug“ gehörig büßen

Sie holte ihn schließlich mit dem Auto ab. Nicht nur die Hotelrechnung kommt dem 48-Jährigen jetzt teuer zu stehen, sondern auch die saftige Geldstrafe von 400 Euro. Die muss der Lombarde bezahlen, weil er gegen die Corona-Ausgangssperre verstoßen hat. Bleibt zu hoffen, dass er auf seinem ausgedehnten Spaziergang genug Kraft gesammelt hat, um sich die Standpauke seiner Ehefrau anzuhören. Die Fahrt von Fano nach Como geht mit dem Auto zwar schneller als zu Fuß, dennoch ist sie mit über vier Stunden keinesfalls kurz. (cos) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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