Ein Arzt zieht eine Spritze mit dem Impfstoff von Astrazeneca auf.
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In Deutschland ist die Reihenfolge der Impfungen festgelegt (Symbolbild).

Impf-Reihenfolge in Deutschland

Bürgermeister, Polizisten, Geistliche: Impf-Vordrängler sollen 25.000 Euro Strafe zahlen

  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Bei den Impfungen gegen das Coronavirus gibt es in Deutschland eine feste Reihenfolge. Aktuell gibt es im ganzen Land jedoch immer mehr Impf-Vordrängler - das soll künftig hart bestraft werden.

Stuttgart - Das Coronavirus in Baden-Württemberg (BW24* berichtete) und ganz Deutschland hat das alltägliche Leben grundsätzlich verändert. Im Laufe der Pandemie wurden immer mehr Maßnahmen zum Infektionsschutz* erlassen, wieder gelockert und später wieder verschärft. Zeitweise konnten diese Verordnungen die Ausbreitung des Coronavirus* zwar eindämmen, ein wirkliches Ende der Pandemie ist laut Meinung vieler Experten jedoch nur mit ausreichend Impfungen möglich.

Im Dezember vergangenen Jahres starteten die Impfungen nach monatelangen Forschungen auch in Deutschland. Für die Corona-Impfung, die Termine und Anmeldung in Stuttgart und Baden-Württemberg* gibt es genaue Vorgaben. Dasselbe gilt natürlich auch für die anderen deutschen Bundesländer.

Die Impfreihenfolge in Deutschland ist genau festgelegt. Doch derzeit gibt es immer wieder Fälle von Impf-Vordränglern die sich impfen lassen, obwohl sie nicht an der Reihe sind. Das soll zukünftig als Ordnungswidrigkeit eingestuft und mit einem Bußgeld von 25.000 Euro bestraft werden, heißt es in einem Änderungsantrag der Koalitionsfraktionen für das „Gesetz zur Fortgeltung der die epidemische Lage von nationaler Tragweite betreffenden Regelungen“, der dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) vorliegt.

Corona-Impfungen: Reihenfolge klar vorgeben - „die Schwächsten zuerst“

In Deutschland ist die Reihenfolge für die Corona-Impfungen aktuell in drei Gruppen geteilt und wird unter dem Motto „die Schwächsten zuerst schützen“ durchgeführt, heißt es auf der Seite der Bundesregierung. Demnach besteht die erste Gruppe aus Personen über 80 Jahren sowie Menschen in Pflegeheimen und Personal auf Intensivstationen, in Notaufnahmen und Rettungsdiensten. Die zweite Gruppe beinhaltet dagegen 70- bis 80-Jährige, Menschen mit Trisomie 21, Demenz, Transplantationspatienten und bestimmte Kontaktpersonen. Die letzte der priorisierten Gruppen besteht aus 60- bis 70-Jährigen, medizinisch vorbelasteten Menschen, Polizei und Feuerwehren sowie Personal an Schulen, Kitas und im Einzelhandel.

Derzeit kann sich allerdings nur die erstgenannte Gruppe gegen das Coronavirus impfen lassen. Die einzelnen Bundesländer können jedoch selbstständig Änderungen veranlassen. Baden-Württemberg änderte beispielsweise kürzlich die Reihenfolge und zog Lehrer und Erzieher vor*. Der Rest der dritten Gruppe muss sich jedoch weiterhin gedulden. Dennoch treten bundesweit immer mehr Fälle von Vordränglern auf. Laut der Welt seien beispielsweise 300 Polizeibeamte in Stendal (Sachsen-Anhalt) geimpft worden, obwohl sie nicht an der Reihe waren. Das Ganze sei als „Test“ ausgegeben worden.

Corona-Impfung in Deutschland: Auch Bürgermeister und Geistliche drängeln sich vor

Als Grund für die immer häufiger auftretenden Impf-Vordrängler in Deutschland wird angegeben, dass bereits aufbereiteter Impfstoff nicht verschwendet werden sollte. Auch in Stuttgart spekulieren sogenannte „Impf-Jäger“ auf übriggebliebene Impfdosen*. Markus Rose, der das Stuttgarter Impfzentrum leitet, stellte jedoch klar, dass am Ende des Tages keine Impfdosen an Unberechtigte vergeben werden. Genau das scheint in vielen Teilen Deutschlands jedoch der Fall zu sein. So hätten beispielsweise der Bürgermeister von Hennef und der Bürgermeister von Wachtberg (beides Nordrhein-Westfalen) eine Impfung erhalten, wie ruhr24.de* berichtet. Daneben seien auch Geistliche unberechtigt geimpft worden. Das ZDF berichtet beispielsweise von einem Apostel in Oberhausen, der in einem Altenheim eine „übriggebliebene“ Impfung erhalten habe.

Ein Bürgermeister einer baden-württembergischen Stadt hat ebenfalls bereits eine Impfung gegen das Coronavirus erhalten. Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer hatte sich ebenfalls gegen das Coronavirus impfen lassen*. Das geschah jedoch tatsächlich zu Testzwecken des Tübinger Biotech-Unternehmens CureVac und bereits einige Monate vor dem offiziellen Impfstart in Deutschland.

Seit dem Beginn der Impfungen müssen sich jedoch auch die Politiker an die Reihenfolge halten. Zukünftig soll ein Verstoß gegen die Reihenfolge nämlich mit 25.000 Euro Bußgeld bestraft werden, zumindest wenn der Änderungsantrag der Koalitionsfraktionen bewilligt wird. In dem Welt-Interview hatte Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, bereits eine Strafe für ein solches Vergehen gefordert. *BW24 und *ruhr24 sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.