Das Coronavirus hält die Welt in Atem. Die Angst vor einer weltweiten Ausbreitung wächst.
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Das Coronavirus hält die Welt in Atem. Die Angst vor einer weltweiten Ausbreitung wächst.

Mysteriöse Lungenkrankheit

Coronavirus - Die Chronologie eines gefährlichen Erregers 

  • Maren Klump
    vonMaren Klump
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Das Coronavirus ist seit Wochen in den Schlagzeilen. Das Virus scheint hoch ansteckend und breitet sich rasant aus. Dabei ist die erste Meldung über diese Lungenerkrankung nicht lange her.

  • Es ist neuartig und extrem ansteckend: das Coronavirus*.
  • In China hat sich das Coronavirus in der Millionenstadt Wuhan ausgebreitet.
  • Die Zahl der Infizierten steigt seit Januar rasant, Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer aus. Das Coronavirus hat auch Deutschland erreicht.

Berlin - Seit die chinesischen Behörden erstmals die Welt über eine neue mysteriöse Lungenkrankheit in der Stadt Wuhan informierten, sind nur wenige Monate vergangen. Tausende Menschen starben in China bereits an dem neuartigen Coronavirus, tausende weitere infizierten sich. Auch in Deutschland sind etliche Krankheitsfälle bestätigt. 

31. Dezember 2019: Erste Warnung aus Peking

Die chinesischen Behörden informieren die Weltgesundheitsorganisation (WHO) über mehrere Fälle einer mysteriösen Lungenkrankheit in Wuhan, der Hauptstadt der zentralchinesischen Provinz Hubei. Demnach wurde der erste Fall bereits am 12. Dezember registriert.

Mehrere der Erkrankten arbeiteten auf einem Fisch-Großmarkt, auf dem aber auch andere Tiere wie etwa Ratten, Krokodile, Schlangen und Zibetkatzen angeboten wurden.

7. Januar 2020: Neues Coronavirus als Erreger identifiziert

Laut WHO gelingt es chinesischen Experten, den Erreger 2019-nCoV (Merkur.de*) zu identifizieren. Er gehört demnach zur großen Familie der Coronaviren, die harmlose Erkältungen auslösen können - aber auch schwere Atemwegserkrankungen wie Sars.

11. Januar 2020: Erster Coronavirus-Todesfall wird vermeldet

Die chinesischen Behörden berichten von einem ersten Toten, einem 61-jährigen Kunden des Fischmarkts in Wuhan.

13. Januar 2020: Beginn der Ausbreitung außerhalb Chinas

Die WHO bestätigt einen ersten Fall außerhalb Chinas: eine Patientin in Thailand, die aus Wuhan kam. 

16. Januar 2020: Japan bestätigt seinen ersten Coronavirus-Krankheitsfall

Ein ebenfalls aus Wuhan eingereister Mann. In der Folge melden Südkorea, Taiwan, Nepal, Australien, Malaysia, Singapur, Vietnam, die USA und Kanada ebenfalls Fälle.

20. Januar 2020: Chinesischer Experte bestätigt Mensch-zu-Mensch-Übertragung

Zhong Nanshan von Chinas nationaler Gesundheitskommission bestätigt erstmals eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung des Virus.

22. Januar 2020: Behörden warnen vor Mutation des Virus

Die chinesischen Behörden warnen, dass der Erreger mutieren und damit deutlich ansteckender werden könnte.

23. Januar 2020: Wuhan wird unter Quarantäne gestellt

Kurz vor Beginn des chinesischen Neujahrs, das in China einer Völkerwanderung gleichkommt, stellen die Behörden Wuhan mit seinen elf Millionen Einwohnern unter Quarantäne. Peking sagt vorsorglich alle größeren Neujahrsfeiern ab.

Die WHO beschließt nach einer zweitägigen Krisensitzung, vorerst keinen internationalen Gesundheitsnotstand auszurufen. Zur Begründung heißt es, bisher gebe es außerhalb Chinas "keine Hinweise" auf eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung.

24. Januar 2020: Erste Fälle in Europa

Mit der Bestätigung von zunächst zwei, dann drei Infektionen in Frankreich hat das Virus nun auch Europa erreicht.

25. Januar 2020: China weitet Maßnahmen massiv aus

In China werden weitere Städte isoliert. De facto stehen nun knapp 60 Millionen Menschen unter Quarantäne. Die Zentralregierung in Peking untersagt alle Gruppenreisen ins In- und Ausland. Staatschef Xi Jinping beruft ein Krisentreffen der KP-Führung ein und spricht von einer „besorgniserregenden Situation“.

26. Januar 2020: USA, Frankreich und Japan wollen Bürger aus Wuhan ausfliegen lassen

Das US-Außenministerium kündigt an, seine Bürger aus Wuhan auszufliegen. Frankreich und Japan verkünden ähnliche Pläne.

27. Januar 2020: Erster Krankheitsfall in Deutschland

Die Bundesregierung bereitet sich auf eine mögliche Rückholaktion für Deutsche aus Wuhan (Merkur.de*)vor, wie Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) mitteilt. Im Raum Wuhan halten sich laut Auswärtigem Amt etwa 90 Deutsche auf.

Die WHO stellt klar, dass sie die weltweite Gefährdung inzwischen als "hoch" einstuft.

Am Abend meldet das bayerische Gesundheitsministerium den ersten 2019-nCov-Fall in Deutschland. Der Patient im oberbayerischen Landkreis Starnberg werde medizinisch überwacht, sei isoliert untergebracht und befinde sich „klinisch in einem guten Zustand“.

28. Januar 2020: Bestätigung von erster Mensch-zu-Mensch-Übertragung außerhalb Asiens 

Der erste Fall in Deutschland erweist sich als der erste bekannte Fall einer Mensch-zu-Mensch-Übertragung außerhalb Asiens. Der 33-jährige Patient steckte sich nach Behördenangaben wohl bei einer aus China angereisten Kollegin an.

In China steigt die Zahl der offiziell registrierten Todesopfer auf 106, mehr als 4500 Menschen infizierten sich dort. Die Schul- und Semesterferien zum chinesischen Neujahr werden für unbestimmte Zeit verlängert.

Unterdessen gibt es allerdings positive Nachrichten aus Australien: Ein Forscherteam hat es geschafft, das Coronavirus nachzuzüchten*.

Wegen einer möglichen Coronavirus-Infektion sitzen Tausende Menschen auf einem Kreuzfahrtschiff vor Italiens Küste fest. Mittlerweile herrscht auch Sorge, ob die Olympiade 2020 in Tokio stattfinden kann. 

30. Januar 2020: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) meldet Notlage

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärt eine „gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite“.

1. Februar 2020: Deutsche Urlauber kommen aus Wuhan zurück

Mehr als 100 Deutsche und ihre Angehörigen kommen aus Wuhan zurück und landen in Frankfurt. Alle Rückkehrer kommen zunächst in Quarantäne. Zwei haben eine Infektion, aber keine Symptome.

11. Februar 2020: Lungenkrankheit bekommt Namen

Die neuartige Lungenerkrankung aus China wird von der WHO Covid-19 genannt. Das Virus erhält den Namen Sars-CoV-2.

12. Februar 2020: Mehr als 1000 Menschen sterben 

Die Zahl der registrierten Todesfälle in China steigt auf mehr als 1000.

23. Februar: Italien riegelt Städte ab

In Europa ist Italien am stärksten betroffen. Die Städte im Norden des Landes werden von der Regierung abgeriegelt.

25. Februar 2020: In Deutschland werden die ersten Fälle gemeldet

Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen melden ihre ersten Fälle. Bald stehen Hunderte Menschen unter Quarantäne.

6. März 2020: In allen Bundesländern ist Sars-CoV-2 nachgewiesen, nur in einem noch nicht

Außer in Sachsen-Anhalt ist Sars-CoV-2 in allen Bundesländern nachgewiesen. Das RKI zählt über 500 Corona-Infizierte in Deutschland - viele Menschen sind bereits wieder gesund.

8. März 2020: Veranstaltungen werden mit mehr als 1000 Personen abgesagt

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn empfiehlt offiziell, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Personen in Deutschland abzusagen

9. März 2020: In Deutschland stirbt erstmals ein Mensch an den folgen der Infektion 

Erstmals stirbt in Deutschland ein Mensch nach einer Corona-Infektion. Es ist eine 89-Jährige, die eine schwere Lungenentzündung entwickelt hatte. Kurz darauf stirbt gegen 14 Uhr im Landkreis Heinsberg ein 78-jähriger Mann. Er soll im Februar an einer Karnevalssitzung teilgenommen haben, litt unter Vorerkrankungen wie Herzproblemen und Diabetes.

10. März 2020: Italien macht dicht und jedes Bundesland in Deutschland ist vom Coronavirus betroffen

In Italien hat die Regierung das gesamte Land zur Schutzzone erklärt. Menschen dürfen nur noch aus beruflichen und gesundheitlichen Gründen oder in Notfällen reisen. In Deutschland hat sich die Situation geändert, nachdem bei einem Mann in Sachsen-Anhalt das Coronavirus nachgewiesen wurde. Dadurch sind jetzt alle deutschen Bundesländer betroffen.

11. März 2020: Bundeskanzlerin Angela Merkel nimmt das erste Mal Stellung

Es war der erste öffentliche Auftritt der Kanzlerin in Sachen Corona: Vor der Bundespressekonferenz sagte Angela Merkel (CDU), wichtig sei vor allem, dass die Ausbreitung des Virus verlangsamt werden müsse. „Es geht um das Gewinnen von Zeit“. Merkel trat gemeinsam mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und dem Präsidenten des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, vor die Presse. Spahn sagte, es sei wichtig, dass „wir alle auf ein Stück Alltag verzichten, um uns selbst, aber auch die anderen zu schützen.“

12. März 2020: Einreisestopp für Europäer in den USA

Die USA lassen wegen des Coronavirus 30 Tage lang keine Reisenden aus Europa mehr in ihr Land. Das hat Präsident Donald Trump in einer Rede an die Nation angekündigt. Der Einreisestopp beginnt in der Nacht von Freitag auf Samstag und gilt nach Trumps Worten nicht für Menschen aus Großbritannien. Trump warf der EU vor, sie reagiere nicht schnell genug auf das Virus. Die Infektionen in den USA seien auf Reisende aus Europa zurückzuführen. Für China und den Iran gilt schon ein Einreisestopp in die USA.

13. März 2020: Einige Bundesländer schließen Schulen und Kitas 

Wegen des Coronavirus haben sich bis jetzt mehrere Bundesländer dazu entschlossen, Schulen und Kitas zu schließen. Dazu gehören: Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Saarland, Schleswig-Holstein und Brandenburg.

14. März 2020: Spahn ruft Reise-Rückkehrer auf, sich in Quarantäne zu begeben

Gesundheitsminister Jens Spahn hat Reise-Rückkehrer aus der Schweiz, Österreich und Italien aufgerufen, sich selbst in Quarantäne zu begeben. Wer in den letzten 14 Tagen in einem der Länder gewesen sei, sollte zwei Wochen zu Hause bleiben und unnötige Kontakte vermeiden. Mehr als 4000 bestätigte Fälle gibt es bereits in Deutschland.

15. März 2020: Kommunalwahlen trotz Corona und Ausgangsbeschränkungen in Österreich

Trotz der Ausbreitung des Coronavirus finden heute in Bayern Kommunalwahlen statt. In Bayern stimmen die Bürger über die Abgeordneten in Gemeinde- und Stadträten sowie Kreistagen ab. An vielen Orten werden auch Bürgermeister gewählt, darunter in München, Nürnberg und Augsburg.

Die österreichische Regierung ruft für das ganze Land Ausgangsbeschränkungen aus. Das sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz am Sonntag der Nachrichtenagentur APA. Es gebe schon ab Sonntag Polizeikontrollen. Größere Gruppen, die sich etwa auf Spielplätzen ansammeln, würden aufgefordert, nach Hause zu gehen. Ab Montag drohen bei Zuwiderhandlung Geldstrafen von bis zu gut 2000 Euro, wie das Kanzleramt mitteilte.

Pressekonferenz von Innenminister Horst Seehofer und Ankündigung von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder

Ab Montag (8 Uhr) gibt es verschärfteKontrollen an den Grenzen zu Frankreich, der Schweiz, Österreich, Luxemburg und Dänemark. Das hat BundesinnenministerHorst Seehofer auf einer Pressekonferenz mitgeteilt. Warenverkehr und Berufspendeln soll weiter möglich sein. Ausländer, die ohne triftigen Grund nach Deutschland einreisen wollen, müssen damit rechnen, abgewiesen zu werden.

Desweiteren hat Bayerns Ministerpräsident Markus Söder wegen der Ausbreitung des Coronavirus die Ausrufung desKatastrophenfalls im Freistaat angekündigt. Man werde das tun, weil man eine einheitliche Strategie unter einer einheitlichen Führung brauche, sagte Söder am Sonntagabend im BR Fernsehen.

Mit der Ausrufung des Katastrophenfalls sind in erster Linie organisatorische Fragen verbunden. Diese seien notwendig, damit das Land im Kampf gegen das Coronavirus entprechende Maßnahmen ergreifen könne, hieß es in Regierungskreisen. Der Katastrophenfall soll zunächst für 14 Tage gelten.

16. März 2020: Wärmere Temperaturen schränken die Ausbreitung ein?

Neue Untersuchungen aus China zeigen, dass wärmere Temperaturen und eine höhere Luftfeuchtigkeit offenbar doch die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus signifikant einschränken. Die Forscher haben für ihre Untersuchung insgesamt 100 chinesische Städte mit jeweils mehr als 40 bestätigten Coronafällen betrachtet. Dabei zeigte sich: Ein Temperaturanstieg von einem Grad Celsius und eine Zunahme der Luftfeuchtigkeit um ein Prozent reduzierte die Ansteckungsrate für die jeweilige Stadt deutlich.

Dieses Ergebnis decke sich mit den Beobachtungen über Grippeviren. Die Forscher glauben deshalb, dass mit Beginn des Sommers und der Regenzeiten auf der Nordhalbkugel mit einer deutlich verminderten Ausbreitung von Covid-19 zu rechnen ist.

18. März 2020: Bundeskanzlerin Merkel mit Ansprache an die Bundesbürger

Deutschland kämpft gegen die Verbreitung des Coronavirus Sars-CoV-2 – und braucht dabei mehr Tempo. Deshalb hat die Bundesregierung radikale Maßnahmen verhängt, die den Alltag der Bundesbürger extrem einschränken. In ganz Deutschland müssen viele Geschäfte schließen, aber zeitweise auch Restaurants und alle Freizeiteinrichtungen. Und auch auf Urlaubsreisen sollen die Deutschen verzichten. Denn nur wenn die Menschen mehr Abstand zueinander halten, kann die Ausbreitung verlangsamt werden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel will die Bevölkerung am Abend in einer Fernsehansprache über die Maßnahmen der Bundesregierung gegen die Coronakrise informieren. Es gehe dabei nicht um zusätzliche Maßnahmen, betonte ein Regierungssprecher. Somit will Merkel offensichtlich keine noch drastischeren Schritte wie eine allgemeine Ausgangssperre verkünden. Der Sprecher sagte: „Es geht um das, was in Deutschland jetzt zu tun ist, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen  und wie jeder sich daran beteiligen soll.“

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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