„Unvernünftig und unbegreiflich“

Corona-Hotspot Niederlande: Neue Rekordzahlen, „Teil-Lockdown“ - der König macht Urlaub

  • Patrick Huljina
    vonPatrick Huljina
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  • Mara Rehfisch
    Mara Rehfisch
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Die niederländische Regierung verkündete aufgrund der hohen Infektionszahlen einen „Teil-Lockdown“. Währenddessen weilt der König im Urlaub und erntet dafür Kritik.

  • Kurz vor einem zweiten Corona-Lockdown*? Die Niederlande steht erneut vor einer neuen Herausforderung.
  • Coronakrise holt die Niederlande ein: Verschärfte Maßnahmen im ganzen EU-Staat.
  • Experten befürchten einen „Patienten-Tsunami“.

Update vom 16. Oktober, 20.35 Uhr: Der niederländische König Willem-Alexander hat mit einer Urlaubsreise nach Griechenland trotz verschärfter Corona-Maßnahmen in seiner Heimat für Unmut gesorgt. Abgeordnete forderten am Freitag Ministerpräsident Mark Rutte auf, zur Flugreise des Königs und seiner Familie zu deren Ferienhaus auf dem Peloponnes Stellung zu nehmen. Die Halbinsel gilt bislang nicht als Gebiet mit erhöhtem Corona-Risiko. Die Reise des Königs am Freitag war durch Reporter bekanntgemacht worden.

Corona in den Niederlanden: König macht Urlaub in Griechenland - „unvernünftig und unbegreiflich“

„Wenn der König jetzt Urlaub macht, ist das wirklich das falsche Signal“, sagte der Fraktionsvorsitzende der oppositionellen Partei Grün-Links, Jesse Klaver, nach Angaben der niederländischen Nachrichtenagentur ANP. Joost Sneller von der Regierungspartei D66 nannte die Reise „unvernünftig und unbegreiflich“. Angesichts seiner Vorbildfunktion als Staatsoberhaupt hätte der 53-Jährige dem Aufruf der Regierung Folge leisten sollen, so viel wie möglich „in der eigenen Umgebung“ zu bleiben. Ähnlich äußerten sich Abgeordnete anderer Parteien. 

In den Niederlanden sind gerade verschärfte Corona-Schutzmaßnahmen verfügt worden. Unter anderem müssen Kneipen und Restaurants für vier Wochen schließen. Am Freitag meldeten die Behörden, seit Donnerstagmorgen seien fast 8.000 neue Corona-Infektionen registriert worden - ein neuer Rekord. Der Gesundheitsminister und stellvertretende Regierungschef Hugo de Jonge sei bei seiner wöchentlichen Pressekonferenz von der Nachricht über die Urlaubsreise der königlichen Familie überrascht worden, berichtete der öffentlich-rechtliche Sender NOS. Er habe dann erklärt, Empfehlungen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie würden für alle gelten, also auch für den König.

Corona in den Niederlanden: Bundesregierung stuft ganzes Land als Risikogebiet ein

Update vom 15. Oktober, 20.04 Uhr: Die Bundesregierung hat am Donnerstag die ganzen Niederlande als Corona-Risikogebiet eingestuft. Zuvor war bekannt geworden, dass die Niederlande wieder Corona-Patienten nach Deutschland bringen wollen. Ernst Kuipers, der Leiter des Netzwerks Akute medizinische Versorgung, sagte, er erwarte, dass die ersten Patienten am Freitag oder Samstag verlegt werden können.

Deutsche Kliniken hatten bereits im Frühjahr zahlreiche Patienten aus dem Nachbarland aufgenommen, weil es dort anfangs nicht genügend Plätze auf Intensivstationen gab. Allein in Nordrhein-Westfalen hatten Krankenhäuser bis Anfang April mehr als 100 Betten für niederländische Corona-Patienten zur Verfügung gestellt. Schon vor der Ankündigung von Kuipers war deutlich geworden, dass die Gesundheitsversorgung in den Niederlanden wegen der Ausbreitung des Coronavirus gefährdet ist.

Corona in den Niederlanden: Notaufnahmen müssen zeitweilig schließen

Update vom 14. Oktober, 16.57 Uhr: In den Niederlanden ist aufgrund der Verbreitung des Coronavirus die Gesundheitsversorgung gefährdet. In Amsterdam, Rotterdam und Den Haag mussten die Notaufnahmen von Krankenhäusern bereits zeitweilig geschlossen werden. Das teilte Ernst Kuipers, der Leiter des Netzwerkes Akute medizinische Versorgung, am Mittwoch dem Parlament in Den Haag mit. Notaufnahmen mussten für mehrere Stunden schließen und Krankenwagen Patienten in andere Krankenhäuser oder Städte bringen, weil alle Betten belegt waren und nicht ausreichend Personal zur Verfügung stand.

Die Zahl der Covid-19-Patienten in Krankenhäusern und auf Intensivstationen in den Niederlanden nimmt weiter zu. Trotz der verschärften Corona-Maßnahmen rechnen die Krankenhäuser damit, dass bis November im günstigsten Fall 40 Prozent der regulären Versorgung gestrichen werden müssen. Im schlimmsten Fall, sollten die Maßnahmen nicht greifen, rechne man mit einer Reduzierung von 75 Prozent. „Dann bleibt neben der Covid-19-Pflege nur noch die Erste Hilfe übrig“, sagte Kuipers. Er berichtete, die Situation sei im Vergleich zur ersten Welle düsterer. Zahlreiche Behandlungen und Operationen seien bereits abgesagt worden.

Corona in den Niederlanden: „Wir gehören zu den drei am schlimmsten betroffenen Ländern in Europa“

Erstmeldung vom 14. Oktober: Holland - Die Niederlande versinkt aktuell im absoluten Chaos: „Wir gehören zu den drei am schlimmsten betroffenen Ländern in Europa, und es ist schlechter als in Amerika“, ließ Ministerpräsident Mark Rutte noch am Montagabend verlauten. Aufgrund der steigenden Zahl der Neuinfektion verschärfte die Regierung am Dienstagabend die Corona-Maßnahmen. Die Zahlen sind besorgniserregend:

Fast 44.000 Neuinfektionen in den letzten sieben Tagen* und das für ein nur 17-Millionen-Einwohner-Land. Das registrierte das Reichsinstitut für Volksgesundheit und Umwelt (RIVM) noch am Dienstagabend (13. Oktober). Zum Vergleich: In der Vorwoche waren es rund 60 Prozent weniger. Der Trend geht also steigend nach oben. Ähnlich ist die Corona-Situation in Deutschland. Die Zahl der Neuinfektionen schoss auf über 5.000.

Corona in den Niederlanden: Enorm viele Neuinfektionen führen zu verschärften Maßnahmen

Die Infektionszahlen* steigen, die Regierung verschärft die Maßnahmen: Der niederländische Premierminister Mark Rutte ordnete am Dienstagabend neue Einschränkungen an: Kneipen, Cafés und Restaurants müssen schließen. Der Verkauf von Alkohol wird ab 20 Uhr untersagt und die Bürgerinnen und Bürger der Niederlande dürfen darüber hinaus nur noch maximal drei Gäste pro Tag in ihren privaten Wohnungen und Häusern empfangen.

Außerdem ist die Maskenpflicht dann keine Empfehlung mehr, sondern eine ausdrückliche Verordnung. Diese gilt für alle öffentliche Räume, Geschäfte, Museen oder Bibliotheken. Rutte appelliert an die niederländischen Bürger in der ausgestrahlten Pressekonferenz: „Es liegt nun an uns allen selbst. Seien Sie realistische Niederländer und übernehmen Sie Verantwortung.“  

Holland reagiert mit „Teil-Lockdown“ auf Corona-Ausbreitung: Experte vermutet „Patienten-Tsunami“

Aufgrund der neuen Rekordzahlen* kündigte Ministerpräsident Martin Rutte einen „Teil-Lockdown“ in Den Haag an. Fast in allen Regionen sei die Lage „alarmierend“, so Rutte. Am schlimmsten betroffen sind derzeit laut tagesschau.de Amsterdam und Rotterdam. Doch die Sorge wächst nicht nur in der Regierung: In nächsten Monaten soll auf die Niederlande ein „Patienten-Tsunami“ zukommen, wie ein niederländischer Nachrichtendienst den Vorsitzenden des niederländischen Fachärzteverbandes Peter Paul van Benthem zitierte. Aufgrund seiner Fachexpertise in diesem Gebiet und den aktuellen Ausmaßen der Pandemie klingt seine Prognose auch leider nicht einmal unwahrscheinlich. *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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