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Neues Corona-Medikament: Studie läuft „zu gut“ und wird vorzeitig abgebrochen

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Von: Katharina Haase

Anti-Corona-Pille von Veru
Das US-Pharmaunternehmen Veru arbeitet an einer Anti-Corona-Pille. (Symbolbild) © Giorgio Fochesato/Imago Images

In den USA ist die Studie zu einem neuen Corona-Medikament vorzeitig abgebrochen worden. Die Begründung macht Hoffnung, Corona womöglich bald beherrschen zu können.

Miami - Eine Studie abbrechen, weil sie „zu gut“ läuft? Was erstmal paradox klingt, ist bei den US-amerikanischen Entwicklern des neuen Corona-Medikaments Sabizabulin nun tatsächlich der Fall, wie die New York Times berichtet. Die Phase-3-Studie des Herstellers Veru aus Miami habe von Beginn an so gute Ergebnisse geliefert, dass man das Medikament nun nicht mehr länger zurückhalten wolle.

Sabizabulin wurde ursprünglich zur Behandlung von Krebs entwickelt, scheint aber auch schweren Covid-Verläufen entgegenzuwirken. Wie Verus Vorstandsvorsitzender Mitchell Steiner erklärte, beeinträchtige das Medikament den Transport des Virus innerhalb der Zellen, sodass dieses in seiner Aktivität eingeschränkt werde. Durch die zusätzliche Lähmung körpereigener Zytokine werden zudem Entzündungen gestoppt. Zytokine sind Botenstoffe, die bei einer Reaktion des Immunsystems gebildet werden. Ihr Einfluss auf das Wachstum von Krebszellen ist schon lange Gegenstand verschiedener Forschungen.

Neues Corona-Medikament Sabizabulin: Wie wirkt es im Körper?

Getestet wurde das Corona-Medikament in den USA an Covid-Patienten mit den Varianten Delta und Omikron, die mit mittelschweren bis schweren Verläufen in Krankenhäusern gelegen hätten. Wie das Unternehmen weiter mitteilt, habe Sabizabulin in der Phase-3-Studie die Sterberate bei einer Zwischenanalyse um 55 Prozent sinken lassen, im Vergleich zu der Gruppe mit Patienten, die lediglich ein Placebo erhielten. Die 150 Patienten hatten das Medikament über 21 Tage hinweg als Kapsel eingenommen.

Die bisherigen Angaben zur Wirkung beruhen jedoch ausschließlich auf Unternehmensangaben. Eine externe Bestätigung steht noch aus. Sollten die Angaben stimmen, wäre Sabizabulin das erste Covid-Medikament, das eine klinisch und statistisch signifikante Verringerung der Todesfälle bei Krankenhauspatienten zeigt.

Sabizabulin für schwere Covid-Fälle: Neues Corona-Medikament soll Sterberate deutlich reduzieren

In der Begründung zum Abbruch der Phase-3-Studie heißt es nun von Seiten des Unternehmens, dass dies geschehe, „da überwältigende Beweise für die Wirksamkeit vorliegen“. Der Onkologe Michael Gordon, einer der Studienleiter, sprach gegenüber der NYT von einer „dramatischen Verbesserung“ der Sterblichkeit. Jedoch warte man gespannt auf weitere Analysen.

Nebenwirkungen seien bislang nicht bekannt, jedoch soll Sabizabulin vorerst ausschließlich für Patienten bestimmt sein, die aufgrund ihrer Covid-Erkrankung im Krankenhaus liegen, heißt es von Unternehmensseite. Es soll also hauptsächlich das Sterben verhindern. Jedoch, so Gordon, könne sicherlich auch bei vorhergehenden Symptomen eine Besserung erzielt werden. Bislang sei die Abgabe an Kliniken jedoch auch logistisch vorerst die beste Lösung.

Notfallzulassung für Sabizabulin: Kommt das Medikament auch nach Deutschland?

Veru will nun schnellstmöglich einen Antrag auf Notfallzulassung stellen. Bereits im Januar hatte die amerikanische Food and Drug Administration (FDA) dem Mittel einen sogenannten „Fast Track“-Status verliehen, welcher die Zulassungsverfahren beschleunigen soll. Trotzdem könnte sich die Zulassung noch bis zum Herbst oder gar Winter hinziehen. Ob das Medikament auch in Deutschland auf den Markt kommt, ist bislang unklar. kah Merkur.de* ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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