Nach anfänglicher Verwirrung

Corona-Verschlimmerung durch Ibuprofen? WHO rudert plötzlich zurück und gibt neue Einschätzung

  • Marcus Giebel
    vonMarcus Giebel
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    Alicia Greil
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Die Corona-Pandemie bringt Verunsicherung mit sich. Besonders, was die Einnahme von Ibuprofen bei CoVid-19-Verdacht betrifft, herrscht große Verwirrung.

Update vom 19. März 2020, 16.13 Uhr: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat ihre Warnung vor der Einnahme des Schmerzmittels Ibuprofen bei Verdacht auf eine Infektion mit dem neuen Coronavirus zurückgenommen.

Die WHO-Experten hatten Studien und Ärzte konsultiert und seien zu dem Schluss gekommen, dass es über die bekannten Nebenwirkungen bei bestimmten Bevölkerungsgruppen hinaus keine Hinweise auf negative Ibuprofen-Konsequenzen bei Covid-19-Patienten gebe. „Auf der Basis der heute vorhandenen Informationen rät die WHO nicht von der Einnahme von Ibuprofen ab“, teilte die WHO mit. Das hatte sie am Dienstag noch getan, und statt Ibuprofen Paracetamol empfohlen.

Corona-Verschlimmerung durch Ibuprofen? WHO rät von Ibu ab, aber nicht für alle - Verwirrung um das Risiko

Update vom 18. März 2020, 10.11 Uhr: Im Kampf gegen das Coronavirus herrscht derzeit weiter große Unsicherheit, was die Auswirkungen von Ibuprofen auf den Krankheitsverlauf betrifft. Zwar hat die Universität Wien durch soziale Medien verbreitete Falschmeldung, die Einnahme von Ibuprofen würde zu einer Verschlimmerung der CoVid-19-Erkrankung führen, bereits unter anderem in einem Twitter-Post dementiert.

Am Dienstag riet dann aber auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) von der Ibuprofen-Einnahme ab, falls Verdacht auf CoVid-19* besteht. Zumindest sollte man Ibuprofen in diesem Fall nicht ohne ärztliche Beratung einnehmen. Nun äußerten sich auch mehrere Wissenschaftler zu Ibuprofen im Zusammenhang mit dem Coronavirus. So rät Professor Bernd Salzberger, Infektiologe an der Universitätsklinik Regensburg, ebenfalls dazu, Ibuprofen bei Verdacht auf Corona ausschließlich nach Rücksprache mit einem Arzt einzunehmen, berichtet der Bayerische Rundfunk.

Personen, die im Rahmen einer Langzeitbehandlung Medikamente auf Ibuprofen-Basis einnehmen, sollten diese Behandlung jedoch nicht einfach eigenmächtig abbrechen. Besteht CoVid-19-Verdacht, sollten sie sich umgehend mit ihrem Arzt in Verbindung setzen. Und auch das Bundesamt für Gesundheit der Schweiz rät bei Ibuprofen im Zusammenhang mit dem Coronavirus zur Vorsicht. Die Behörde hat eigenen Angaben zufolge keine eindeutigen Hinweise darauf, dass Ibuprofen den Krankheitsverlauf von CoVid-19 verschlimmern würden. 

Corona und Ibuprofen: In vereinzelten Fällen Verschlimmerung der Krankheitsverläufe

Allerdings sei in vereinzelten Fällen beobachtet worden, dass sie zu einem schwereren Krankheitsverlauf führten. Dies sei jedoch nicht bewiesen. Bis die Ergebnisse überprüft wurden, empfiehlt das Bundesamt eine vorsichtige Haltung gegenüber dem Gebrauch von Medikamenten, die Ibuprofen enthalten. Virologe Professor Hendrik Streeck von der Universitätsklinik Bonn erklärte im BR, dass es zwar die Befürchtung gebe, der Körper würde bei Einnahme von Ibuprofen nicht mehr ausreichend gegen das Coronavirus kämpfen. Die Datenlage sei dazu Streeck zufolge aber „extrem gering“. 

Update 18. März 2020 um 15.09 Uhr: Nachdem es inmitten der Corona-Krise zahlreiche Falschmeldungen - unter anderem zu Auswirkungen des Schmerzmittels Ibuprofen - im Netz kursierten, hat nun Justizministerin Christine Lambrecht die Online-Netzwerke dazu aufgefordert, Falschmeldungen zur Corona-Krise schnell zu löschen. Nutzer, die diese veröffentlichten, müssten blockiert werden, erklärte die SPD-Politikerin am Dienstag. „Wer in dieser herausfordernden Zeit Fake News streut und weiterverbreitet, handelt völlig verantwortungslos und verschlimmert die Situation“, kritisierte sie.

Gute Nachrichten hält hingegen der Top-Virologe Christian Drosten bereit: Infizierte können mit einer anschließenden Immunität gegen Corona rechnen.

Auch das Bundesgesundheitsministerium hatte die Bevölkerung vor Panikmache und Falschnachrichten in der Coronavirus-Krise gewarnt. Facebook hatte bereits ein schärferes Vorgehen gegen Falschmeldungen angekündigt. Darüber, wie man sich bei Verdacht auf Coronavirus in Bezug auf die Einnahme von Schmerzmitteln verhalten soll, informierte die WHO am Dienstagvormittag. Demnach rät sie bei Corona-Verdacht davon ab, Ibuprofen ohne vorherige ärztliche Beratung zu konsumieren

Coronavirus und Ibuprofen: Bundesgesundheitsministerium warnt vor Fake-News, WHO informiert

Update vom 17. März 2020, 12.10 Uhr: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat am Dienstagvormittag eine Empfehlung zum Ibuprofen-Konsum im Zusammenhang mit derCoronavirus-Ausbreitung abgegeben. Demnach rät die WHO Menschen bei Verdacht auf eine Infektion mit dem neuartigen Virus davon ab, ohne ärztlichen Rat das Medikament Ibuprofen einzunehmen.

Zwar gebe es keine neuen Studien, aus denen hervorgehe, dass Ibuprofen mit höherer Sterblichkeit verbunden sei, sagte WHO-Sprecher Christian Lindmeier am Dienstag in Genf. Aber die Experten prüften die Lage zur Zeit. „Wir raten, im Verdachtsfall Paracetamol und nicht Ibuprofen einzunehmen“, sagte Lindmeier. Dies beziehe sich ausschließlich auf die Einnahme ohne ärztlichen Rat, betonte er.

Besonders wahnwitzige Fake-News wurden jüngst auch über eine angebliche Invasion der USA verbreitet, die in Deutschland stattfinden soll.

Coronavirus und Ibuprofen: Minister warnen - Virologe schloss ungünstige Zusammenhänge nicht aus

Zuvor hatte der französische Gesunhdheitsminister am Wochenende mit einem Tweet, in dem er vor Entzündungshemmern wie Ibuprofen warnte, Aufsehen erregt. Ähnlich hatte sich auch der nationale Gesundheitsdirektor Jérôme Salomon geäußert und von der Einnahme sogenannter nichtsteroidaler Antirheumatika (NSAR) abgeraten. Neben Ibuprofen zählen zu dieser Wirkstoffgruppe auch Acetylsalicylsäure (ASS; Aspirin) und Diclofenac. Außerdem gibt es einen Beitrag im Fachjournal „Lancet“, in dem eine mögliche unerwünschte Wirkung von Ibuprofen erwähnt wird. Allerdings ist die Fallzahl der Studie äußerst gering. 

Seit 15. Januar steht Ibuprofen in Frankreich nicht mehr frei vorne in der Apotheke, sondern stattdessen nur noch hinter dem Schalter. Zwar kaufen die Apotheker es nach wie vor weitgehend ohne Rezept, doch mit der neuen Platzierung des Medikaments soll eine entsprechende Beratung sichergestellt werden.

Coronavirus und Ibuprofen: Virologie erklärt Bedenken durch hemmende Wirkung auf Blutgerinnung

Jonas Schmidet-Chanasit, Virologe beim Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNIM) schloss am Wochenende nicht aus, dass insbesondere ASS, aber auch Ibuprofen, bei CoVid-19 nicht hilfreich sein könnten. „Ibuprofen hemmt die Blutgerinnung, das wäre ein möglicher Hinweis“, erklärte der Virologe. Damit steige das Risiko für innere Blutungen. „Bei Paracetamol ist das nicht der Fall“, sagte Schidet-Chanasit weiter. 

Vor Falschinformationen im Zusammenhang mit dem Coronavirus hat unterdessen auch die Europäische Kommission am Dienstag gewarnt. Es sei wichtig, über die neuesten Entwicklungen in der Viruskrise auf dem Laufenden zu bleiben, betonte die EU-Kommission. Via Twitter teilte die Brüsseler Behorde mit, dass dieGeneraldirektion Gesundheit der Kommission allgemeine Ratschläge gebe. 

Über Einzelheiten würden außerdem die lokalen Gesundheitsbehörden informieren. „Nehmen Sie sich vor arglistigen und irreführenden Fake News und Desinformationen in Acht - überprüfen Sie es anhand verlässlicher Quellen“, riet die Kommission der Bevölkerung.

Coronavirus und Paracetamol: Ärzte raten zur Vorsicht bei Dosierung

Coronavirus: Fake-News zu Ibuprofen über Social-Media-Kanäle in Umlauf gebracht

Ermelsung vom 14. März 2020: 

München - Besonders gefährlich an der aktuellen Pandemie ist der Umstand, dass über das neuartige Coronavirus bislang relativ wenig bekannt ist. An einem Impfstoff gegen SARS-CoV-2 wird fieberhaft geforscht. Ansonsten herrschen vor allem Mutmaßungen vor. Etwa bei der Frage nach den Ansteckungswegen und möglichen Schutzmaßnahmen.

Damit sind nicht nur Spekulationen Tür und Tor geöffnet. Sondern auch Falschmeldungen - ob absichtlich oder aus Unwissenheit verbreitet. In die erste Kategorie gehört ganz offensichtlich die über diverse Social-Media-Kanäle und in verschiedenen Versionen in Umlauf gebrachte Nachricht, die Einnahme des bei Schmerzen, Entzündungen oder Fieber helfenden Arzneimittels Ibuprofen* erhöhe die Gefahr einer Infektion.

Coronavirus: Uniklinik Wien soll „Virus und Ibuprofen zusammengebracht“ haben

Dies war vielen Usern unter Verweis auf die Medizinische Universitätsklinik Wien vorgegaukelt worden. Beispielsweise bezog sich in diesen Nachrichten eine Frau auf Informationen einer Freundin, die an jener Einrichtung arbeite. Im Labor seien das „Virus und Ibuprofen zusammengebracht“ worden - nachdem zuvor festgestellt worden war, dass viele Klinik-Patienten mit schweren Symptomen vor ihrer Klinikeinlieferung Ibuprofen eingenommen hätten.

Hierzu stellte schon diePharmazeutische Zeitung fest, dass dies nicht verwundere, „schließlich zählen Fieber und Gliederschmerzen zu den typischen Symptomen“. Zudem schreiben die Experten, es erscheine „wenig plausibel, nach welchem Mechanismus Ibuprofen die Replikation eines Virus beschleunigen soll“.

Das neuartige Coronavirus sorgt auch für Änderungen im Programm des Fernsehsenders RTL. Indes spitzt sich die Lage in Österreich zu. Ganz Tirol steht unter Quarantäne.

Coronavirus: Richtigstellung nach angeblichem Forschungsergebnis zu Ibuprofen

Endgültig ins Reich der Fabeln verwiesen wurde das vermeintliche Forschungsergebnis dann durch die Reaktion der Uniklinik Wien. Diese stellte klar: „Wir möchten ausdrücklich darauf hinweisen, dass es sich hierbei um Fake News handelt, die in keinerlei Zusammenhang mit der MedUni Wien stehen!“

Unterstützung gab es vom österreichischen Gesundheitsministerium. Dieses sprach in einer Stellungnahme von „Falschmeldungen“ und appellierte an die Bevölkerung: „Bitte helfen Sie mit, die Verbreitung dieser Fake-News zu stoppen und sie richtig zu stellen.“ Dazu der wichtige Hinweis: „Vertrauen Sie ausschließlich den Mitteilungen der öffentlichen Behörden und den zuständigen Ministerien!“

Video: Coronavirus - Warnung vor Einnahme von Paracetamol

Coronavirus: Spahn dementiert Meldung über weitere massive Einschränkungen für Bürger

Auch in Deutschland nutzen Störenfriede die Corona-Krise auf billigste Art und Weise zur Panikmache. So dementierte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn mit Nachdruck die Meldung, die Bundesregierung würde bald massive weitere Einschränkungen des öffentlichen Lebens ankündigen. „Diese und ähnliche Falschinformationen verunsichern gerade viele Bürgerinnen und Bürger“, betonte der CDU-Politiker: „Bitte helfen Sie mit, ihre Verbreitung zu stoppen und sie richtig zu stellen. Lassen Sie uns gerade jetzt besonnen bleiben und einander auch unter Stress vertrauen.“

Eine Hellseherin soll die Corona-Krise schon vor mehr als 20 Jahren angedeutet haben. In seinem Kommentar zur Situation nennt Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis* den CSU-Chef Markus Söder einen Antreiber in der Krise.

Deutschland könnten in der Pandemie bald „italienische Verhältnisse“ drohen. Bundeskanzlerin Angela Merkel stellt in einer Video-Botschaft eine gewaltige Forderung. Unterdessen erklären Experten, warum in Corona-Zeiten jeder Klopapier kauft.

*merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

mg

Whatsapp-Fakenews und Kettenbriefe sind ein großes Problem während der Corona-Krise. Nun geht das Unternehmen gegen die Falschinformationen vor.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa / Patrick Seeger

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