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Wissenstest vor Flugreise: Ryanair sorgt mit Maßnahme für Entsetzen

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Von: Kim Hornickel

Ryanair verlangt von Reisende mit südafrikanischem Pass einen Wissenstest, bevor sie an Board gehen dürfen.
Ryanair verlangt von Reisende mit südafrikanischem Pass einen Wissenstest, bevor sie an Board gehen dürfen. © Andreas Arnold/dpa

Aus Angst vor gefälschten Papieren entscheidet sich die Fluggesellschaft Ryanair für einen Test vor Reiseantritt, doch die Passagiere sind entsetzt.

Kapstadt – Die Fluggesellschaft Ryanair lässt offenbar nicht mehr jeden Fluggast ohne weiteres an Board: Wie der Spiegel unter Berufung auf die Financial Times berichtet, müssen Reisende mit südafrikanischem Pass seit kurzem einen Wissenstest richtig beantworten, bevor sie nach Großbritannien weiterreisen dürfen. Was sich zunächst wie ein schlechter Scherz anhört, ist für Menschen aus Südafrika nun Voraussetzung, um mit Ryanair fliegen zu können.

Die Maßnahme wird als diskriminierend und unfair kritisiert. Denn: Der Test muss in Afrikaans, einer der elf Amtssprachen in Südafrika, beantwortet werden. Doch die spricht längst nicht jeder.

Ryanair verlangt Wissenstest: Südafrikaner wütend

Ryanair erklärte den fragwürdigen Test mit der steigenden Zahl gefälschter südafrikanischer Pässe. Der Wissenstest soll mögliche Betrüger enttarnen, wie Ryanair in einer Stellungnahme erklärte, die der südafrikanischen Plattform News24 vorliegt. „Weil zuletzt immer mehr Passagiere mit gefälschten südafrikanischen Dokumenten reisen, bitten unsere Mitarbeiter Reisende, die bei Sicherheitskontrollen herausgezogen werden, einen einfachen Fragebogen auszufüllen“, so die Airline laut News24. Doch gerade das wird zum Problem für viele, denn Afrikaans ist eine Sprache, die Schwarzen zum Teil während der Apartheid aufgezwungen wurde. Der Fragebogen führt auch deshalb bei einigen Fluggästen zu Wut und Frust.

Passagiere von Ryanair müssen vereinzelt diskriminierende Fragebögen ausfüllen. (Symbolbild)
Passagiere von Ryanair müssen vereinzelt diskriminierende Fragebögen ausfüllen. (Symbolbild) © Bernd Settnik / dpa

Der Spiegel zitiert Dinesh Joseph, einen Südafrikaner, der in Großbritannien wohnt und der Financial Times berichtete, er sei von Ryanair darauf hingewiesen worden, dass er ohne den Test nicht nach Großbritannien fliegen könne. Der Südafrikaner zeigte sich entsetzt: „Es ist eine Demütigung, wenn einem gesagt wird, man könne den Test nicht in der Sprache machen, die man spricht.“ Die Aktion von Ryanair sei „sehr gefühllos und unsensibel“. Letztlich habe er den Test, laut Informationen der Zeitung Metro, nur mit einem Übersetzungsprogramm beantworten können. Jetzt geht er gegen den Wissenstest vor: Laut der Financial Times hat Joseph offiziell Beschwerde gegen die Maßnahme der Fluggesellschaft eingelegt. 

Ryanair verlangt Wissenstest: Britische Behörde distanziert sich

Trotz aller Kritik verteidigt Ryanair die umstrittene Vorgehensweise und hält weiter daran fest. Britische Behörden distanzieren sich indes von den Maßnahmen der Airline. Das Britische Hochkommissariat erklärte am Freitag (3. Juni) auf Twitter, der Test sei keine Vorgabe der britischen Regierung. Auch das irische Außenministerium ließ laut Metro erklären: „Südafrikanische Staatsbürger müssen keinen Test in Afrikaans ablegen, bevor sie einen Flug nach oder von Irland antreten.“

Die Negativnachrichten rund um Ryanair kommen dabei in einer kritischen Zeit für die Airline. Denn in diesem Jahr will Ryanair mehr Passagiere befördern als vor der Corona-Krise, doch das steile Wachstum scheint wackelig.

Beim Ryanair-Konkurrenten Virgin Atlantic kam es zu einem Eklat, weil ein Flug nach 40 Minuten in der Luft wieder umkehren musste. Der Grund: Der Co-Pilot hat seine Ausbildung nicht beendet. (kh)

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