Internationale Raumstation

Absturz oder Ersatzteillager: Nasa berät über die Entsorgung der ISS 

  • Isabel Wetzel
    VonIsabel Wetzel
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Der Internationalen Raumstation ISS könnte schon in wenigen Jahren das Aus drohen. Es gibt unterschiedliche Ansätze, was dann mit der Station passieren soll.

Seit mittlerweile mehr als 20 Jahren kreist die Internationale Raumstation ISS* um die Erde und wird bereits seit 2000 dauerhaft bewohnt. Wissenschaftler:innen aus der ganzen Welt arbeiten und forschen seither mit- und nebeneinander auf der Raumstation – das Projekt ist die größte internationale Zusammenarbeit im Weltraum. 1998 wurde mit dem Bau der Raumstation begonnen, seitdem wuchs das Weltraumlabor stetig weiter.

Die Nasa ging ursprünglich von einer Einsatzdauer von rund 30 Jahren aus. Doch nun rückt das Ende der ISS in großen Schritten näher – früher als erwartet. Im April 2021 hatte der russische Vize-Regierungschef Juri Borissow im Staatsfernsehen bekannt gegeben, Russland plane bereits 2025 aus dem Projekt ISS auszusteigen.

Der aktuelle Vertrag der ISS-Partner läuft noch bis 2024. Noch Anfang des Jahres hatte Russland eine Verlängerung bis 2030 in Aussicht gestellt. Doch dann war plötzlich von dem vorzeitigen Ausstieg der russischen Kosmonauten die Rede. Hintergrund sei der technische Zustand der ISS. So bereiten Lecks in alten ISS-Modulen* in den vergangenen Jahren immer wieder Probleme. Ein weiterer Betrieb könne Menschen in Gefahr bringen hieß es. Doch was passiert mit der ISS, wenn der Tag des Abschieds gekommen ist?

Schon in wenigen Jahren könnte die Internationale Raumstation ISS zum Absturz gebracht werden.

Zukunft der ISS: Russland plant eigene Raumstation - Nasa probt für den Absturz

Russland plant für die Zukunft bereits eine eigene Raumstation. Das erste Modul dazu befand sich nach Angaben der russischen Raumfahrtorganisation Roskosmos bereits im April im Bau. Die eigenen Module der ISS* könne Roskosmos dann im All für die neue, rein russische Raumstation nutzen, erklärte Raumfahrtexperte Eugen Reichl gegenüber dem Technikportal Futurezone. Noch ist unklar, ob die Nasa*, die europäische Weltraumorganisation Esa oder weitere beteiligte Partner die Internationalen Raumstation ISS auch ohne russische Beteiligung weiter betreiben werden - zumindest bis 2028.

Die Raumfahrtbehörden haben bereits seit langem Pläne geschmiedet, was mit der etwa 110 Meter langen und rund 450 Tonnen schweren Internationalen Raumstation passieren soll, wenn sie ihren Dienst im Weltraum verrichtet hat. Zum Vergleich: Ein Standard-Fußballfeld ist 105 Meter lang.

Zunächst gab es einen Plan, die Station im All wieder zu demontieren und die einzelnen Module der ISS mit Nasa-Spaceshuttles auf die Erde zurückzubringen. Diese wurden aber bereits 2011 aus dem Verkehr gezogen. 2010 entwickelte die Nasa dann einen Plan, die Internationale Raumstation ISS kontrolliert in den Pazifik stürzen zu lassen. Wie bereits 2001 die russische Raumstation MIR.

NameInternationale Raumstation (ISS)
BahnhöheEtwa 400 Kilometer
Umlaufzeit um die Erde93 Minuten
Start20. November 1998
dauerhaft bewohnt seit2. November 2000
Partne16 Staaten (5 Raumfahrtagenturen)

Den ursprünglichen Plänen zufolge sollte ein russisches „Progress“-Raumschiff die ISS auf den „Raumschiffsfriedhof“ im südlichen Pazifik bringen, die Nasa führte 2018 aber bereits Tests mit der eigenen Cygnus-Kapsel durch. Die Überlegung dahinter war: Schafft die Kapsel es, die ISS abzubremsen und kontrolliert zum Absturz zu bringen, wäre man nicht von der russischen Raumfahrtbehörde abhängig.

Entsorgung der Internationalen Raumstation: Sollte die ISS lieber im All bleiben?

Damit die Absturzpläne reibungslos funktionieren, müssten sich Nasa und Roskosmos einigen und sich die Kosten teilen. Die Zusammenarbeit wird aktuell allerdings von einem gefährlichen Zwischenfall überschattet: Ende Juli hatten die Triebwerke des russischen ISS-Moduls „Nauka“ unplanmäßig gezündet. Der Grund war der Weltraumbehörde Roskosmos zufolge ein Softwarefehler. Bei dem Vorfall drehte sich die ISS um 540 Grad und die Nasa verlor kurzzeitig die Kontrolle über die Raumstation*.

Eine größere Katastrophe blieb glücklicherweise aus, dennoch könnten solche Vorfälle ein gemeinschaftliches Vorgehen von Russland und den USA* bei der Entsorgung der ISS überschatten. Eugen Reichl zufolge, sei ein Absturz der ISS aber ohnehin nicht wirtschaftlich. Gegenüber Futurezone erklärte der Experte, zwischen 60 und 70 Prozent der Raumstation seien auch über 2025 hinaus noch nutzbar. Es sei also besser, die ISS bleibe auch nach Abzug der internationalen Besatzung weiter im All.

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Teile der Station könnten dem Experten zufolge für eine neue Raumstation verwendet werden. Das sei deutlich wirtschaftlicher, als die einzelnen Module erneut auf der Erde zu fertigen und in den Weltraum zu schicken. Sollten die Teile der Raumstation nicht als Ersatzteile oder als Basis für eine neue Station genutzt werden können, könne die ISS auch mit einem angedockten Raumschiff in einen höheren Orbit geschickt werden, so Reichl gegenüber Futurezone. Etwa 1000 Kilometer über der Erde könne die ISS ohne ständigen Antrieb schweben und als Gedenkstätte oder Ziel für Weltraumtourismus* dienen. (iwe) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Nasa/dpa