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HA-Versuch zur Fastenzeit: 40 Tage ohne Plastik

Hanau

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    Wir sind Weltmeister im Recyceln, doch das sorgfältige Trennen des Mülls bedeutet noch lange nicht, dass die Müllberge schrumpfen. Plastikverpackungen und -tüten sind allgegenwärtig. Davon leben ganze Wirtschaftszweige. Auf dem städtischen Betriebshof an der Daimlerstraße sammelt sich der in Hanau abgefahrene Plastikmüll. Foto: Paul

Hanau. Neue HA-Serie: Es begegnet uns, wo wir gehen und stehen – beim Zähneputzen, auf dem Frühstückstisch, im Supermarkt oder beim Sprung zum Imbisswagen gegenüber: Plastik. Dem teuflisch praktischen Material können wir kaum entrinnen. Doch die schöne bunte Plastikwelt hat eine hässliche Kehrseite: Die Müllberge wachsen.

Artikel vom 14. Februar 2018 - 12:46

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Von Jutta Degen-Peters

2015 verzeichnete Hanau mit 2478 Tonnen 43 Tonnen mehr an Plastikmüll als im Vorjahr. Das muss sich ändern. Die Fastenzeit ist die Gelegenheit, einen Versuch zu wagen: 40 Tage ohne Plastik.

Nach sieben Wochen „ohne“ müsste die gelbe Tonne fast leer sein – und unser schlechtes Gewissen etwas leichter. Das ist einen Versuch wert mit „Jute statt Plastik“ (den Slogan gab es in den 80er Jahren schon einmal) und Augen auf beim Einkauf.

Wo können wir auf Plastik verzichten, welche Alternativen gibt es? Welche Initiativen haben sich schon mit dem Thema beschäftigt und können uns weiterhelfen? Und was haben Sie als Leser mit dem Plastikverzicht für Erfahrungen gemacht, die Sie mit uns auf Facebook teilen wollen?

Mit Spaß an Grenzen stoßen
Das Ganze soll nicht bierernst über die Bühne gehen. Es soll auch Spaß machen. Und den macht es spätestens dann, wenn wir an unsere Grenzen stoßen. Haben Sie schon einmal versucht, Toilettenpapier ohne Plastikumhüllung einzukaufen? Oder sich die Zähne mit Kreidetabletten geputzt?

Was wir im Laufe der nächsten 40 Tage zusammentragen, wird nachdenklich machen, uns hoffentlich ein Stück weiterbringen im Bemühen, der Umwelt Plastikmüll zu ersparen. Es wird uns vielleicht aber auch an unsere Grenzen bringen.

Anregungen und Erfahrungen von Bürgern und Initiativen, die schon Plastik vermeiden, gibt es einige. Das städtische Umweltamt und der Eigenbetrieb Hanau Infrastruktur Service bieten Veranstaltungen und Schulungen für Kitas und Schulen an. Die Hohe Landesschule hat sieben Wochen lang Nachhaltigkeitswochen ausgerufen, in der Stadt Plastikdeckel gesammelt, Ideen entwickelt und Mülltagebücher geführt.

Windelreste, Tütenfetzen, leere Flaschen
Hanaus Marktbeschicker haben in Hand mit dem Hanau Marketing Verein Stoffbeutel ausgegeben. Auf dem Bürgerfest wurde – unter dem Protest vieler Bürger – der Mehrwegbecher eingeführt. Jetzt sind wir dran, zumindest die unter uns, die noch nicht zu den Hardcore-Umweltschützern zählen.

Wir können eine Menge tun: Wasser in Glasflaschen kaufen, Obst und Gemüse lose auf dem Wochenmarkt holen, nach Alternativen für in Plastik abgefüllte Shampoos oder Duschgels Ausschau halten.

Meeresbiologen schlagen Alarm
Zum Jahresbeginn hat China angekündigt, keinen Plastikmüll mehr abzunehmen. Umweltschützer und Meeresbiologen schlagen schon lange Alarm. Meerestiere verenden qualvoll, weil in ihren Mägen Plastikpartikel landen. Die Menge an Müll, die in den Meeren über Jahrzehnte entsorgt wurde, hat mittlerweile die Größe einer ansehnlichen Insel erreicht.

Die Versuche, die Plastikflut einzudämmen, sind zu zaghaft und geschehen zu langsam. Das weiß jeder, der mit offenen Augen durch die Landschaft fährt und an einsamen Stränden außerhalb der Touristen-Hochsaison auf die Überbleibsel dessen trifft, was wir einst entsorgt haben: Windelreste, Tütenfetzen, leere Flaschen, abgeschabtes Spielzeug.

Gute Vorsätze sind die halbe Miete. Doch ohne Durchhaltevermögen und kreative Ideen sind sie nicht durchzuhalten. Jeder, der sich auf den Weg macht, wird schnell feststellen, dass dieser Anspruch an mehr Umweltbewusstsein Zeit und Geld kostet. Außerdem muss besser geplant werden. Wir müssen eingefahrene Tagesabläufe und gewohnte Wege verändern oder lieb gewonnene Gewohnheiten über Bord werfen. Das wird nicht nur anstrengend, es wird sicher auch spannend.

Neben einem Einkaufs-Tagebuch wollen wir in folgenden Beiträgen diese Themen beleuchten:

  • Von der Plastiktüte im Haushalt zur Deponie
  • Wochenmarkt: Netz, Korb und mitgebrachtes Gefäß
  • Fastfood und Coffee to go: Becher und Plastikteller
  • Jute, Papier, Grasfaser
  • Kundengefäße hinter der Supermarkt-Theke, geht das?
  • Pampers am Wickel
  • Schulen und Kitas: Kleine preschen vor
  • Ideen und Initiativen zum Müllvermeiden
     
Hintergrund: Am heutigen Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit. 40 Tage, in denen sich nicht nur katholische Christen auf Ostern als Fest der Auferstehung vorbereiten. Diese Zeit dient der inneren Einkehr, dem Verzicht und der Selbstbeschränkung. Statt in diesen 40 Tagen Alkohol oder Schokolade zu meiden, wollen wir angesichts wachsender Plastik-Müllberge den Verzicht auf Plastik üben – und darüber berichten.
Heute starten wir dazu unter dem Titel „Jute mit Jutta“ eine mehrteilige Serie. Sie wird bestehen aus einem Selbstversuch mit Erfahrungsbericht unserer Redakteurin und Namensgeberin der Serie, Jutta Degen-Peters, einer Spurensuche an der Seite einer Plastiktüte und spannenden Fragen wie „Muss ich mir künftig das Haar mit Mehl waschen?“


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