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Wahlhelfer: Von der Stimmabgabe bis zur Auszählung dabei

Hanau

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    Wolfgang Klein ist seit über 35 Jahren Wahlhelfer und mittlerweile zum Vorsteher aufgestiegen. (Foto: Mumme)

Hanau. Damit bei der kommenden Bundestagswahl alles glatt läuft, sollen viele Freiwillige in den Wahllokalen für einen reibungslosen Ablauf sorgen. So auch Wolfgang Klein, Wahlvorsteher im Hanauer Bezirk 101-102 im Neustädter Rathaus, und seit über 35 Jahren dabei.

Artikel vom 21. September 2017 - 17:46

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Von Kathinka Mumme

Der Wahltag beginnt für Wolfgang Klein eine halbe Stunde vor Öffnung des Wahllokals. „Wir treffen uns um 7.30 Uhr vor Ort und bereiten alles vor“, erklärt er. Zusammen mit fünf Helfern ist der Hanauer für die Abstimmungsstelle im Neustädter Rathaus zuständig. „Den Tag über arbeiten wir in zwei Schichten mit jeweils drei Personen“, erzählt er. Die Frühschicht gehe von 8 bis 13 Uhr, dann sei bis zur Lokalschließung um 18 Uhr die Spätschicht dran. Auch Klein selbst ist als Wahlvorsteher nicht den ganzen Tag vor Ort: „Ich muss morgens da sein und die Wahl eröffnen. Dann gehe ich entweder heim oder trete direkt meinen Dienst an.“

Gründlichkeit ist oberstes Gebot

Zur Auszählung müssten sich dann aber alle sechs Helfer des Bezirks wieder treffen. „Nach Wahlschluss um 18 Uhr fangen wir mit dem Auswerten der Stimmen an“, erläutert der Lagerarbeiter der Vacuumschmelze in Hanau. Dabei laute das oberste Gebot „Gründlich arbeiten und nicht schnell.“ Es würde nichts bringen, wenn die Auszählung zwar schnell, aber deshalb fehlerhaft abliefe. „Dann können wir von vorne anfangen und müssen länger bleiben.“ Zwischen 19.30 und 20 Uhr sei aber meistens Schluss.

Durch Zufall zum Wahlhelfer

Zur Aufgabe des Wahlhelfers ist Wolfgang Klein zu Beginn eher unfreiwillig gekommen. „Ich war damals auf dem 50. Geburtstag vom Vater eines Freundes eingeladen“, erinnert er sich. „Der war in der SPD aktiv und so bin ich auch eingetreten.“ Dass genau dieser Vater ihn einige Monate später, ohne sein Wissen auch als Wahlhelfer anmelden würde, konnte er da noch nicht ahnen. „Aber wenn man es einmal gemacht hat, dann bleibt man auch dabei“, lacht der gelernte Verkäufer.

35 Jahre Kreuzchensetzung

Nach über 35 Jahren als Wahlhelfer hat er mittlerweile so einige Kreuzchensetzungen hinter sich. Wirkliche Vorfälle gab es in seinen Lokalen bis jetzt noch nicht. „Wir haben natürlich manchmal jemanden, den wir aus dem Saal verweisen müssen, weil er Schwierigkeiten macht“, berichtet Klein. An größere Vorfälle könne er sich aber nicht erinnern. Ein Vorteil sei, dass das Wahlbüro der Stadt auch im Rathaus liegt. „Wenn es mal Probleme jeglicher Art gibt, können wir dann dort direkt nach Hilfe fragen.“

Bei jeder Wahl dabei

Doch nicht nur bei der Bundestagswahl ist der Hanauer als Freiwilliger im Wahllokal zu finden. „Ich betreue jede Wahl, die so anfällt“, erzählt er. Dies könnten auch mal mehr als eine Abstimmung im Jahr sein, in manchen gibt es wiederum gar keine. Am schwierigsten seien die Kommunalwahlen: „Da gibt es so viele Stimmen auszuzählen, das ist dann schon komplizierter“, findet er.

Freizeit am Wahlsonntag dank Schichtdienst

Zeitaufwändig sei der Job des Wahlvorstehers nicht besonders. „Wir haben jetzt im September kurz vor der Wahl noch ein Seminar, aber sonst passiert vorher eher weniger“, erklärt er. Auch am Wahltag selbst habe er, dank der Schichteneinteilung, etwas Freizeit: „Als ich angefangen habe, hatten wir eine dreiviertel Stunde Mittagspause und das war es. Das ist ja mittlerweile zum Glück anders.“

Seine diesjährigen Kollegen kennt Klein noch nicht. Heutzutage lerne er die anderen Helfer erst beim vorhergehenden Seminar kennen. „Früher, als ich noch in der Christuskirche geholfen habe, waren es jedes Mal die gleichen“, erinnert der Wahlvorsteher sich und weiter: „Wir waren ein eingespieltes Team.“

Bekannte Gesichter

Seit 2004 ist der Hanauer nun im Bezirk 101-102 tätig. Deshalb kenne er dort auch schon die Wähler, die regelmäßig zum Kreuzchensetzen kommen. „Da hält man auch mal ein kurzes Schwätzchen zwischen der Urne“, lacht er. „Aber ich kenne natürlich nicht alle. Zugezogene oder junge Erstwähler zum Beispiel.“ Klein hat das Gefühl, dass diese immer weniger werden. „Ich merke, dass ältere Bürger mehr zur Wahl kommen, weil sie es als ihre Pflicht empfinden. Das tun Jugendliche wohl weniger“, meint er. Er selbst habe auch noch von seinen Eltern immer wieder gesagt bekommen, dass Wählen wichtig sei.

Gültig oder ungültig

„Selbst eine ungültige Stimme wird gewertet“, erklärt der Wahlvorsteher. Zwar würden Symbole auf dem Stimmbogen den Auszählungsprozess schwieriger machen, dennoch würde im Endeffekt dieser Zettel, auch ohne Stimme für eine Partei, in den Gesamtprozentsatz zählen. Manchmal sei es jedoch nicht leicht, eine Stimme als gültig oder ungültig zu identifizieren. „Verbotene Symbole sind natürlich sofort ungültig. Die anderen kommen auf einen Stapel, und die müssen wir uns dann später nochmal genauer anschauen“, erzählt Klein.

Teilnahme an Wahlen sei wichtig

Die Teilnahme an der Wahl findet der Hanauer wichtig: „Die Leute, die meckern, die Politiker würden Fehler machen, sind meistens diejenigen die gar nicht wählen gehen.“ Er selbst macht sein Kreuzchen immer gleich morgens. „Ich habe das Glück, im gleichen Bezirk zu wohnen, in dem ich auch helfe“, berichtet er. Manche Wahlhelfer hingegen müssten nach ihrem Einsatz rund um Urne und Wahlzettel noch einmal losfahren und in einem anderen Wahllokal ihre Stimme abgeben.

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