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Flüchtling fasst in Ronneburg Fuß

Ronneburg

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    Erika Kollmann (Zweite von links) mit Firmeninhaber Dirk Fenzl, Junior-Chef Nico Fenzl und Abdul Hoot. Foto: PM

Ronneburg. Er floh aus Aleppo und hat jetzt in Ronneburg Fuß gefasst: Abdul Hoot absolviert in einem Traditionsbetrieb für Fußpflege ein Praktikum. Berührungsängste gab es nur kurz - die Ronneburger Mundart hat das Eis gebrochen.

Artikel vom 17. Februar 2017 - 11:44

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Dirk Fenzl ist kein Mann, dem man leicht etwas ausschlägt. Mit seiner freundlichen Art zerstreut der Fachmann für medizinische Fußpflege rasch die Bedenken seiner Mitbürger. So etwa bei der Frage, ob bei einer Behandlung ein syrischer Schützling zugegen sein darf.

Abdul Hoot startete im November ein Praktikum in dem Ronneburger Traditionsbetrieb für Podologie – der Begriff leitet sich aus dem Altgriechischen ab und bezeichnet die Lehre vom Fuß. Seitdem packt der junge Mann tatkräftig mit an.

Mit Freund geflohen
Hoot stammt aus Aleppo. Seine zerstörte Heimatstadt ist inzwischen weltweit zum Sinnbild für den Bürgerkrieg in Syrien geworden. Drei Jahre harrte der gelernte Schneider, der das jüngste von acht Geschwistern ist, dort aus. Dann suchte er sein Heil in der Flucht. Gemeinsam mit einem Freund rettete er sich über die Türkei in den Main-Kinzig-Kreis.

Seitdem arbeitet er daran, sich hier eine Zukunft aufzubauen. Damit das gelingt, unterstützt ihn neben seiner ehrenamtlichen Integrationslotsin auch Erika Kollmann vom Jobcenter des Kommunalen Centers für Arbeit. Sie ebnete im Zusammenspiel mit dem Arbeitgeber alle Hürden und kümmerte sich um einen Platz in einem berufsbegleitenden Intensiv-Deutsch-Kurs.

Rasiermesser steigert Fingerfertigkeit
Mit medizinischer Fußpflege oder Podologie hatte Hoot zwar davor noch nie Berührungspunkte. Dieses Berufsfeld existiert in seiner Heimat nicht. Der 29-Jährige zeigte aber ein solches Talent für diese Tätigkeit, dass ihm sein Chef in kürzester Zeit immer anspruchsvollere Aufgaben anvertraute.

 



Ein Grund für Hoots Fingerfertigkeit: Seit Jahren rasiert er sich mit einem Rasiermesser, da fällt der Umgang mit Skalpell und Hornhautschaber leicht. Trotzdem – etwas skeptisch waren einige der alteingesessenen Kunden und Patienten anfangs schon.

Fenzl leistet Überzeugungskraft
Diese Skepsis war dann aber der Überzeugungskraft von Fenzl, der seine Fachpraxis bereits seit 33 Jahren betreibt, nicht gewachsen. „Vorurteile und Berührungsängste bauen wir ganz direkt und praktisch ab“, so der staatlich geprüfte Podologe. Als „Eisbrecher“ erweise sich dabei die Ronneburger Mundart. Eines der ersten Worte, die der junge Syrer bereits gelernt hat: „Feuss“, statt „Füße“.

Das nächste große Ziel ist klar im Visier: Wenn seine Deutschkenntnisse gut genug sind, will Hoot die Ausbildung zum Assistenten des Podologen absolvieren. Ehrensache, dass ihn sein Chef dabei unterstützt.

Arbeitsmarktexperte beeindruckt
„Es gibt glücklicherweise viele engagierte Unternehmer, Ehrenamtliche und auch politisch Verantwortliche, wenn es um die berufliche Integration von Flüchtlingen geht“, hebt Michael Krumbe, Vorstand des KCA-Jobcenters, hervor.

„Aber was Wirtschaft, Ehrenamt und Politik unter der Federführung von Bürgermeister Andreas Hofmann auf die Beine stellen, ist vorbildlich“, zeigt sich der Arbeitsmarktexperte beeindruckt.



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