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Schlimmeres verhindert: Junge Frauen helfen Busfahrer in Not

Bruchköbel

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    Chiara Scardamaglia (16), Laura Celina Bauer (16) sowie Vivien Kleiner (15) haben Lob und Anerkennung verdient. Foto: Weber
  • Drei junge Frauen halfen einem Busfahrer in einer medizinischen Notlage und bewahrten den Bus und seine Insassen womöglich vor einem Unfall. (Symbolfoto)

Bruchköbel. Drei couragierte Mädchen haben am Montag in Bruchköbel einen Busfahrer wahrscheinlich das Leben gerettet und die Passagiere des Fahrzeuges vor Schlimmerem bewahrt. Der 52-Jährige hatte am Steuer einen Herzinfarkt erlitten und die Kontrolle über das Fahrzeug verloren.

Artikel vom 06. Februar 2018 - 14:59

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Die Bruchköbelerinnen lotsten den Mann an der Bushaltestelle Kirleweg an den Fahrbahnrand. Die Polizei war voll des Lobes: „Unsere Heldinnen des Tages sind drei Jugendliche aus Bruchköbel“ postete die Pressestelle auf ihrer Facebookseite und löste damit eine Lawine der Anteilnahme im Netz aus.

Hunderte bekundeten gegenüber Chiara Scardamaglia (16), Laura Celina Bauer (16) sowie Vivien Kleiner (15) ihren Respekt für ihr entschlossenes Handeln. Und den Busfahrer erreichten ebenso viele Genesungswünsche.

Beherzt, entschlossen und genau richtig
Das Drama nahm gegen 11.15 Uhr seinen Lauf, als der besetzte Linienbus auf dem Kirleweg von der Bundesstraße 45 kommend in Richtung Bruchköbel unterwegs war. Auf der Strecke erlitt Busfahrer Stephan W. einen Herzinfarkt und verlor infolgedessen die Kontrolle über das Fahrzeug. „Mein Mann verspürte einen starken Druckschmerz in der Brust, seine Arme wurden immer schwerer“, schilderte seine Ehefrau die Situation gegenüber unserer Zeitung. Der Bus sei dadurch mehrfach nach links und rechts von der Fahrbahn abgekommen, touchierte Leitplanken und Pfosten. Zeitweise sei das Fahrzeug auch in den Gegenverkehr gelangt, berichtete auch die Polizei.

„Als mein Mann nichts mehr sehen konnte, wandte er sich mit den Worten 'Ihr müsst mir helfen' an die Mädchen“, erklärte die Ehefrau. Die drei Jugendlichen reagierten „beherzt, entschlossen und genau richtig“, bilanzierte die Polizei.

Genesungswünsche für "Lieblingsbusfahrer"
Während die 16-jährige Laura Celina Bauer den Notruf wählte, redeten ihre ‧beiden Begleiterinnen dem Busfahrer gut zu und lotsten ihn behutsam an den Rand. Schließlich sei es so gelungen, den Bus an der Haltestelle Kirleweg sicher zum Stehen zu bringen. Dort wurde der Busfahrer dann von einem Notarzt versorgt und in ein Krankenhaus gebracht. Inzwischen ist der Mann operiert worden und nach Angaben seiner Frau auf dem Weg der Besserung. Schon am heutigen Mittwoch solle er die Intensivstation des Klinikum Hanaus wieder verlassen können und auf eine normale Station verlegt werden.

Seine Frau zeigte sich beeindruckt von den zahlreichen Genesungswünschen, die im Laufe des Tages von den Schülern übermittelt wurden. Stephan W. ist seit Oktober auf der Linie zwischen Hanau und Bruchköbel im Einsatz und bei den vielen Schülern, die tagtäglich zwischen ihrer Heimatstadt und Hanau pendeln, offensichtlich sehr beliebt. „Stephan ist mein Lieblingsbusfahrer“, bekannte einer von ihnen im Netz. Und auch Vivien, eine seiner Retterinnen, schwärmt in höchsten Tönen: „Er hat für alle immer ein nettes Wort. Wir haben uns regelrecht angefreundet.“

Lob und Anerkennung
Das couragierte Verhalten, das die jungen Frauen gezeigt hätten, sei heutzutage nicht mehr selbstverständlich und verdiene große Anerkennung, lobte die Pressestelle der Polizei. „Das habt ihr echt klasse gemacht. Wir ziehen unseren Hut“, so die Beamten. Dem schloss sich auch Bruchköbels Bürgermeister Günter Maibach an, der den Mädchen über Facebook seinen Respekt zollte und ihnen für ihr couragiertes Eingreifen dankte. „Super“, postete auch Stadtrat Norbert Viehmann, umgehend nachdem die Nachricht sich in den sozialen Netzwerken verbreitet hatte.

Die Mädchen selbst sehen in ihrer Tat jedoch nichts Außergewöhnliches. „Eigentlich ist es doch normal, dass man einem Menschen in Not hilft“, so Laura Celina Bauer. Enttäuscht zeigten sich die drei Bruchköblerinnen über das Verhalten einiger Fahrgäste, die mit Unverständnis reagiert und lauthals gemeckert hätten, als der Bus nicht mehr weiterfuhr. „Viele haben das gar nicht kapiert, die musste ich erst einmal darüber aufklären, dass es dem Fahrer schlecht ging.“

Gegenüber unserer Zeitung entrichteten auch die drei Heldinnen die besten Genesungswünsche: „Werde schnell wieder gesund, lieber Stephan, wir brauchen dich doch im Bus!“



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