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Fluglärm sorgt für mächtig Ärger

MainKinzigKreis

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    Dass im Main-Kinzig-Kreis eine Lärmbelästigung durch den Flugverkehr stattfindet, bestreitet Verkehrsminister Tarek Al-Wazir nicht. Die Werte überschritten jedoch nicht die genehmigten Normen (Symbolbild).

Main-Kinzig-Kreis. Der Fluglärm sorgt für Ärger zwischen dem Main-Kinzig-Kreis und der Landesregierung. Auf die harsche Kritik der Ersten Kreisbeigeordneten Susanne Simmler (SPD) hat nun Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Bündnis 90/Grüne) ebenso heftig reagiert und wirft Simmler vor, „Unwahrheiten“ zu verbreiten.

Artikel vom 30. März 2017 - 09:26

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In einer gemeinsamen Pressemitteilung hatten Simmler sowie die Bürgermeister von Erlensee und Rodenbach, Stefan Erb und Klaus Schejna (beide SPD), nach einem Gespräch mit der Fluglärmschutzbeauftragten des Landes Hessen, Regine Barth, sowie der zuständigen Vertreterin der Fraport AG kritisiert, dass die Sorgen und Nöte der Bürger nicht ernst genommen würden.

In Wiesbaden hatten sie Daten zur hohen Lärmbelästigung im Kreis vorgestellt. Von den zuständigen Stellen, so Simmler, Erb und Schejna, sei allerdings in Abrede gestellt worden, dass die Bevölkerung durch Lärm belastet werde: „Im Main-Kinzig-Kreis ist die Fluglärm-Belastung auf ein noch nie gekanntes Ausmaß gestiegen. Wir können das mit Messdaten aus Erlensee und Rodenbach untermauern. Es ist äußerst ernüchternd, dass wir damit beim Verkehrsministerium auf taube Ohren stoßen.“

Al-Wazir verwundert
Die öffentliche Kritik aus dem Kreis hat nun in der Landeshauptstadt postwendend zu einer Reaktion geführt. In einer Pressemitteilung erklärt Minister Tarek Al-Wazir dazu: „Mit großer Verwunderung habe ich die Artikel über das Gespräch von Vertretern aus dem Main-Kinzig-Kreis mit der Leiterin der Stabsstelle Fluglärmschutz gelesen.“

Unmittelbar danach habe er sich Bericht erstatten lassen. Al Wazir: „Die Darstellung von Frau Simmler hat nichts mit dem tatsächlichen Verlauf des Treffens zu tun. Ich bedauere es außerordentlich, dass Frau Simmler zuerst um ein Gespräch nachsucht, dann aber selbst gar nicht daran teilnimmt und anschließend auch noch Unwahrheiten über den Inhalt verbreitet.“

"Durchschaubare Parteipolitik"
Dies, so der Verkehrsminister, sei „ein unwürdiger und bedenkenloser Umgang mit den berechtigten Interessen der unter Fluglärm leidenden Bürger“. Al-Wazir weiter: „Es ist schade, dass Frau Simmler durchschaubare Parteipolitik der Sacharbeit vorzieht.“

In dem Bericht der Stabsstelle Fluglärmschutz zum Zustandekommen und zum Verlauf des Gesprächs heißt es, dass der Lärm in Erlensee und Rodenbach von Mitte Dezember 2015 bis Anfang März dokumentiert wurde. „Nach Abschluss der Messungen, aber noch ohne Kenntnis der Ergebnisse wurde in einem Schreiben von Frau Erster Kreisbeigeordneten Simmler an Minister Al-Wazir die Errichtung permanenter Messstationen gefordert.“

Dauerhafte Messstellen nicht möglich
Weiter heißt es in dem Bericht: „Nachdem die Messergebnisse vorlagen, wurde Frau Simmler in einem Schreiben des Ministers mitgeteilt, dass an beiden Messpunkten tagsüber der von der DIN-Norm 45643 geforderte Anteil von 50 Prozent erfassten Fluggeräuschen nicht erreicht wurde.“ Wegen der zu geringen Erfassungsrate wäre eine DIN-konforme Nutzung als dauerhafte Messstellen nicht möglich.

Dennoch sei in dem Schreiben ausdrücklich ausgeführt worden, dass wegen der Häufigkeit der Anflüge im Gebiet trotz der Entfernung vom Flughafen die Belastung durch Fluglärm „nicht nur im Bagatellbereich“ liegt. Simmler habe daher um eine „Analyse der vorliegenden Messergebnisse“ gebeten.

Hubschrauberlandeplatz geschlossen
In dem Gespräch sei unter anderem von Peter Cord vom Erlenseer Ordnungsamt dargelegt worden, dass der Fluglärm deutlich abgenommen habe, seitdem der amerikanische Hubschrauberlandeplatz geschlossen wurde. Der Lärm der Flugzeuge, die sich im Anflug auf den Flughafen Frankfurt befinden, werde jedoch ins- besondere von Neuzugezogenen wahrgenommen, die sich dadurch gestört fühlen.

In dem Gespräch sei den Kommunalvertretern noch einmal die Sicht des Ministeriums dargelegt worden, die besage, dass es im MKK sehr wohl Fluglärm gibt, dieser allerdings „unterhalb der Vorgaben des Fluglärmgesetzes zu verorten ist, gleichwohl aber nicht im Bagatellbereich liegt“.

"Höfliche, respektvolle und sachliche Atmosphäre"
Auch wurden den anwesenden Kommunalvertretern in der Diskussion befindliche Maßnahmen aus dem zweiten Maßnahmenpaket des Forums „Flughafen und Region“ erläutert und deren mögliche positive Auswirkungen auf das Kreisgebiet aufgezeigt.

Das Ministerium stellt dazu fest: „Das Gespräch fand in einer höflichen, respektvollen und sachlichen Atmosphäre statt. Der Vorwurf, das Ministerium sei nicht gesprächsbereit, ist unberechtigt.“

Welche Lösungen?
„Der Main-Kinzig-Kreis und seine Städte und Gemeinden wissen immer noch nicht, auf welche konkreten Lösungen des Verkehrsministers sie in Sachen Fluglärm tatsächlich hoffen dürfen“, erwiderte die Erste Kreisbeigeordnete in einer Mitteilung. Auf ihre Kritik hin, ein Gespräch in Wiesbaden zwischen Vertretern aus dem Main-Kinzig-Kreis sowie dem Ministerium und der Fraport habe nichts Nennenswertes ergeben, habe Al-Wazir erneut ohne greifbare Vorschläge reagiert.

Das Gespräch im Verkehrsministerium hatte der Main-Kinzig-Kreis angeregt, die Vertreter hatten sich davon konkrete Konsequenzen zu den erhobenen Messdaten aus Erlensee und Rodenbach erhofft. Umweltdezernentin Simmler wurde in der Sitzung von Kreis-Regionalkoordinator Roland Rossa vertreten.

Kein Anspruch auf passiven Schallschutz
Simmler erinnert daran, dass die Bürger des Main-Kinzig-Kreises trotz gestiegenen Fluglärms keinen rechtlichen Anspruch auf passiven Schallschutz haben. Umso wichtiger seien wirksame und verlässliche Maßnahmen des Landes- und Bundesgesetzgebers.

Al-Wazir verweise in einem Zeitungsartikel auf „Überlegungen aus dem zweiten Maßnahmenpaket des Forums Flughafen und Region“, die in der Runde in Wiesbaden zur Sprache gekommen seien. „Mit einer dieser Überlegungen könnte auf sehr lange Sicht ein anderes Anflugverfahren umgesetzt werden, satellitengestützt und segmentiert“, erklärt Simmler.

Kreis fordert Anhebung der Flughöhe
Davor wäre aber eine umfangreiche Umrüstung der Flotten notwendig, anschließend eine erfolgreiche Erprobungsphase, um dann die Chance zu haben, die Gebiete direkt unter den Endanflugrouten zu entlasten, schränkt die Kreisbeigeordnete ein.

Der Kreis fordere seit Jahren eine Anhebung der Flughöhen auf den beiden Endanflugrouten auf den Stand vor März 2011 und die dauerhafte Anwendung eines nachweislich lärmärmeren Anflugverfahrens. Dies solle in Verbindung mit der Einführung des „Point-Merge-Systems“, einer Art „Trichterprinzip“ für Landeanflüge, bei dem Piloten weniger Zwischenschub geben müssen, stehen.

Dies sei von den Verantwortlichen bisher immer weiter verzögert worden. „Was ist also falsch an der Feststellung, dass den Menschen im Main-Kinzig- Kreis auch auf Jahre hin faktisch nicht viel mehr bleibt als das Prinzip Hoffnung und wir nach dem Gespräch mit leeren Händen dastehen?“



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